Digitalisierung und Schule

Empfehlungen der GEW zu digitalen Medien in der Corona-Krise

HLZ 7-8/2020

Auf Antrag der AG Digitalisierung beschloss der GEW-Landesvorstand am 16. Juni die folgenden Positionen und Empfehlungen zur Arbeit mit digitalen Medien in den Schulen. Auf dem Hintergrund der besonderen Bedingungen in der Corona-Krise ergänzen sie den im März 2019 gefassten Grundsatzbeschluss der GEW Hessen „Digitalisierung und Schule“ (www.gew-hessen.de > Themen > Digitale Schule).

  • Das Lernen zu Hause kann, auch anhand der besten digitalen Ansätze, niemals das Lernen im sozialen Kontext der Schule, das sinnliche Erleben und die direkte Interaktion im Unterricht ersetzen. Gleichwohl sind nun alle Anstrengungen erforderlich, um das auf längere Zeit verstärkt erforderliche Lernen zu Hause anhand digitaler und auch analoger Medien zu unterstützen. Dabei muss aus Sicht der GEW sichergestellt werden, dass gerade auch die Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Lernvoraussetzungen erreicht werden.
  • Das angekündigte Bundesprogramm für die Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit Endgeräten muss im Rahmen einer Leihgeräte-Lösung umgesetzt werden. Allen Schülerinnen und Schülern, die ein Endgerät beantragen, soll dieses von der Schule inklusive Softwareplattform zur Verfügung gestellt werden. Dies ergibt sich auch aus der verfassungsmäßig garantierten Lernmittelfreiheit in Hessen. Die Vergabe aufgrund von Bedürftigkeitsprüfungen ist von den Schulen nicht zu handhaben und wird deshalb von der GEW abgelehnt.
  • Vom Schulträger administrierte Endgeräte können den Schülerinnen und Schülern für die Nutzung zu Hause überlassen werden. Sollten die Mittel aus dem Bundesprogramm nicht ausreichen, muss das Land Hessen mit Landesmitteln bedarfsdeckend aufstocken. Auch die noch verfügbaren Restmittel aus dem DigitalPakt müssen ergänzend eingesetzt werden. Bei der Anschaffung der Geräte sind soziale und ökologische Standards zu wahren. Die Entscheidung, welche Endgeräte anzuschaffen sind, muss in Abstimmung mit dem Schulträger bei den Schulen liegen. Die GEW Hessen empfiehlt, die Beratung durch das jeweilige Medienzentrum in Anspruch zu nehmen.
  • Abstriche beim Datenschutz sind für die GEW auch in dieser Ausnahmesituation nicht hinnehmbar. Daher ist es unerlässlich, dass das Land schnell eine öffentliche digitale Bildungsinfrastruktur aufbaut. Der Hessische Bildungsserver muss dafür dringend auch personell ausgebaut werden. Eine solche Infrastruktur kann nicht mit einigen wenigen abgeordneten Lehrkräften ausgebaut und am Laufen gehalten werden, sondern erfordert auch eine ausreichende Zahl an IT-Fachkräften. Diese Investition macht alle Schulen unabhängig von kommerziellen Anbietern und stellt einen Schutz der Daten von Lehrenden und Lernenden sicher.
  • Alle Lehrkräfte und sozialpädagogischen Fachkräfte müssen umgehend mit einem mobilen dienstlichen Endgerät ausgestattet werden. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass wie selbstverständlich die Nutzung privater Geräte vorausgesetzt wird, um das Bildungsangebot unter Pandemie-Bedingungen aufrecht zu erhalten. Gleiches gilt für die bisherige Nutzung von privaten E-Mail-Konten, die durch eine beschleunigte und gleichzeitig sachgerechte Einführung der angekündigten dienstlichen E-Mail-Konten zu ersetzen ist.
  • Es sind kurzfristige, attraktive und akkreditierte Fortbildungsangebote erforderlich, insbesondere um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das wechselnde Lernen zu Hause mit dem Lernen im Unterricht optimal verknüpft werden kann. Fort- und Weiterbildungsangebote sollten neben technischen Fragen auch didaktische Konzepte vermitteln und die Stärken und Schwächen der einzelnen digitalen Instrumente thematisieren. Sie sollen von der Hessischen Lehrkräfteakademie umgehend hessenweit und kostenfrei entweder über eine zentrale Lernplattform als Webinare oder als Präsenzveranstaltungen für alle Pädagoginnen und Pädagogen angeboten werden.
  • Die Medienzentren müssen zu umfassenden Beratungsstellen für schulische Digitalisierung um- bzw. ausgebaut werden. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen eine zeitnah verfügbare Beratung für das Homeschooling  und für die Vermittlung und Nutzung digitaler Kulturtechniken im postpandemischen Unterrichtsalltag! Hierfür müssen IT-Fachleute in ausreichender Anzahl angestellt und wohl auch fortgebildet werden, wenn eine fachgerechte Integration informationstechnologischen Grundwissens in die schulische Allgemeinbildung gelingen soll.