Europa in der Schule

Den Europäischen Schulwettbewerb gibt es seit 66 Jahren

HLZ 4/2019 26. Mai: Europawahl

Im laufenden Schuljahr 2018/19 findet der Europäische Wettbewerb zum 66. Mal statt. In diesem Jahr beschäftigen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der bevorstehenden Europawahl 2019 und Beteiligungsmöglichkeiten von klein auf.  In den vorangegangenen Wochen und Monaten haben sich Schülerinnen und Schüler an rund 1.200 Schulen mit dem Motto „YOUrope - Es geht um Dich“  befasst und ihre Arbeiten an die jeweiligen Landesstellen des Europäischen Wettbewerbs geschickt. Nachdem in allen 16 Bundesländern die Landesjurys die insgesamt 2.000 besten Arbeiten ausgewählt haben, werden diese nun von der Bundesjury des Europäischen Wettbewerbs, zusammengesetzt aus Lehrkräften aus allen Bundesländern und allen Schulformen, in Augenschein genommen und bewertet. Den glücklichen Preisträgern winken attraktive Preise: 140 Reisen unter anderem nach Brüssel, Berlin, Straßburg oder zu den internationalen Jugendbegegnungen Bad Marienberg und Otzenhausen sowie 170 Sachpreise wie Spiele, Bücher oder ZEIT- und GEOlino-Abos bis hin zu Geldpreisen im Wert von 25 bis 150 Euro. Die Auswertung der Wettbewerbsbeiträge ist in Arbeit.

Die Ehrung der besten hessischen Preisträger und Preisträgerinnen findet am 18. Juni 2019 in Limburg statt. Bei der Dotierung der Preise kann es der Wettbewerb nicht unbedingt mit von Unternehmen ausgeschriebenen Wettbewerben aufnehmen. Doch aufgrund seiner langen Geschichte und der Möglichkeit, beispielsweise den Preis des Bundespräsidenten oder der Bundeskanzlerin oder die Teilnahme an den Seminaren in Brüssel, Straßburg oder Luxemburg zu gewinnen, ist das Ansehen des Europäischen Wettbewerbs sehr hoch.

Der Europäische Wettbewerb geht zurück auf das Jahr 1953 und ist damit der älteste Schülerwettbewerb Deutschlands. Der Wettbewerb, der sich in den ersten Jahren noch „Europäischer Schultag“ nannte, verdankt seine Entstehung einer der traditionsreichsten transnationalen Initiativen zur politischen Bildung  in Europa. Er war von Beginn an thematisch aufs Engste mit der Entwicklung und Integration der Europäischen Union verbunden.

Das französische Unterrichtsministerium rief 1953 die sechs Länder der damaligen Montanunion auf, einen Europäischen Schultag ins Leben zu rufen. An diesem Tag sollten alle Schülerinnen und Schüler in Frankreich, Deutschland, Italien und den Beneluxstaaten Aufsätze mit dem Thema Europa schreiben. Der Initiator war Hendrik Brugmans. Er wurde 1906 in Amsterdam geboren, studierte Französische Literatur an der Sorbonne und war einer der intellektuellen Taktgeber der Europäischen Bewegung und der erste Präsident der Union der Europäischen Föderalisten (UEF), der Dachorganisation der Europa-Union Deutschland. Von 1950 bis 1972 leitete er das Europäische Kolleg in Brügge. Er war zutiefst davon überzeugt, dass nur durch Bildung die Völker Europas sich annähern könnten, um eine stabile Gemeinschaft zu werden. Mit der Idee des Europäischen Schultags in Form eines Wettbewerbs sollte eine Voraussetzung geschaffen werden, dass nach zwei verheerenden Kriegen bei der jungen Generation Begeisterung für ein friedliches und kooperatives Zusammenleben der europäischen Staaten geweckt werden könne. Es war ein voller Erfolg!

Der Funke sprang über und immer mehr Länder schlossen sich dem Schultag an. Ein internationales Komitee wurde gegründet, um die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg  zu koordinieren. Drei Jahre nach Gründung wurden neben Aufsätzen auch bildnerische Arbeiten zugelassen. 1957 übernahm der Europarat die Schirmherrschaft für den Europäischen Schultag. Als 1970 bereits 20 Länder am Wettbewerb beteiligt waren, schloss sich das Internationale Komitee mit der Kampagne für staatsbürgerschaftliche Erziehung zusammen und eröffnete das Zentrum für Europäische Bildung in Brüssel. Hier wurden damals verschiedene europäische Bildungsinitiativen transnational betreut. Hauptaufgabe blieb jedoch die Betreuung des Europäischen Schultags. Es gab inzwischen auch nationale Komitees, die für die Organisation des Wettbewerbs in den jeweiligen Ländern zuständig waren. Das Zentrum für Europäische Bildung war in Deutschland in Bonn angesiedelt.

1975 wurde dem Wettbewerb im Zuge einer Modernisierung der neue Name „Europäischer Wettbewerb“ gegeben. Er fand auch nicht mehr an einem festen Tag überall gleichzeitig statt, sondern man entschloss sich, ihn schuljahresbegleitend abzuhalten. In den darauf folgenden 15 Jahren wurde jährlich ein internationales Preisträgertreffen abgehalten. Für die Preisträgerinnen und Preisträger waren das  spannende Veranstaltungen, die Gelegenheit boten, sich in Form einer gelebten Aussöhnung und Völkerverständigung  intensiv kennenzulernen. Von 1987 bis 2005 übernahm die Europäische Kommission die Schirmherrschaft und Förderung des Wettbewerbs mit dem Namen „Europe at School“. Seit dem Fall von Mauer und Eisernem Vorhang führen 34 europäische Staaten den Europäischen Wettbewerb durch.

Das Bundesland Nordrhein-Westfalen nahm von Anfang an an dem Wettbewerb teil. Drei Jahre später waren bereits alle Bundesländer beteiligt. Seit 1974 ist der Europäische Wettbewerb als gesamtstaatlicher Wettbewerb anerkannt und steht seitdem auch unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten. Vier Jahre später wurde die  Europäische Bewegung Deutschland mit der Übernahme des Bonner Zentrums Europäische Bildung verantwortlich für den Wettbewerb. Er ist bis heute eine zentrale Säule der europapolitischen Bildungsarbeit des größten deutschen zivilgesellschaftlichen Netzwerks für Europa.

Der Funke sprang über
Auf Länderebene tragen die Kultusministerien und Senatsverwaltungen den Europäischen Wettbewerb. Europaweit werden jährlich bis zu 90.000 Arbeiten von Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen und Schulformen eingereicht. In jedem Bundesland besteht eine Jury, die die eingereichten Arbeiten bewertet. Diese entscheidet über die besten Arbeiten, die nach Berlin geschickt werden. Dort werden dann die Bundessiegerinnen und -sieger ausgewählt.

Für die Themenstellung hält der Wettbewerb sich im Großen und Ganzen jedes Jahr an das jeweilige Motto des von der Europäischen Union ausgerufenen Europäischen Jahres. Schülerinnen und Schüler lernen so, wo Europa aktiv und wirksam ist und auf welchem Feld Entscheidungen verlangt werden. Selbständig setzen sie sich mit gemeinsamen Zielen, Werten und Herausforderungen der Europäischen Union auseinander. Die Wettbewerbsaufgaben werden von Fachlehrern und Fachlehrerinnen altersgerecht aufbereitet. Da die Aufgaben sehr offen formuliert sind, haben die Lehrkräfte großen Gestaltungspielraum. Der Wettbewerb motiviert zu kreativem Tun in Bild, Text oder in Medienarbeiten. Die Arbeiten können auch in Gruppenarbeit hergestellt werden, wobei die Größe der Gruppen in der Ausschreibung festgelegt ist.  

Neuerdings gibt es eine Sonderausschreibung mit der Bezeichnung eTwinning, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht über die Grenzen hinweg mit Schulklassen im europäischen Ausland online zusammen zu arbeiten. Auf der Website des internationalen Netzwerks eTwinning stehen die notwendigen Tools dafür bereit, die diese neuartige  interkulturelle Arbeit im Multimediaformat unterstützen. Die Aufgabenstellungen sind interdisziplinär angelegt, so dass sie auch fächerübergreifend bearbeitet werden können. Die Vielfalt der Förderer dieses Preises gibt einen Hinweis darauf, dass der Europäische Wettbewerb ein positives Beispiel für Bildungsföderalismus ist. Gefördert wird er vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Auswärtigen Amt und der Kultusministerkonferenz. Sie empfiehlt den Wettbewerb als ein Instrument praktischer Schularbeit zu Europathemen. Vielerorts tragen durch finanzielle und personelle Unterstützung die Verbände der Europa-Union Deutschland e.V. zum Erfolg bei.

Das Thema des letzten Wettbewerbs 2018 bezog sich auf das Kulturerbejahr des Europäischen Rats und lautete „Denk mal – worauf baut Europa?“. Die Preisträgerinnen und Preisträger kamen unter anderem aus der Mathildenschule in Offenbach, der Peter-Paul-Cahensly-Schule und der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg, der Humboldtschule in Bad Homburg, der St. Angela Schule in Königstein, der Justus-Liebig-Schule in Darmstadt, der Freiherr-vom-Stein-Schule in Gladenbach, der Wilhelm-Leuschner-Schule in Mainz-Kostheim und der Georg-Büchner-Schule in Rodgau.

An dieser Stelle ist auch der Hinweis auf das beispiellose Engagement der jeweiligen Lehrkräfte angebracht. Viele von ihnen sind jedes Jahr dabei. Sie wissen, dass der Aufwand nicht mit dem Ende des Unterrichts aufhört. Wenn sie aber sehen, mit wie viel Freude und Kreativität die Schülerinnen und Schüler bei dem Thema Europa dabei sind, dann ist das ihr großer Erfolg und der lässt für die Zukunft Europas hoffen.

Hildegard Klär
Hildegard Klär ist stellvertretende Vorsitzende der Europa-Union Hessen und Vorsitzende der Europa-Union im Hochtaunus-Kreis.

Informationen zum Europäischen Wettbewerb 2020 in Hessen findet man unter www.ewhe.de (Kontakt: wettbewerb@ewhe.de) und für die Bundesebene unter www.europaeischer-wettbewerb.de (Kontakt: team@europaeischer-wettbewerb.de).