Mit Empörung und Fassungslosigkeit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der hessischen Studienseminare die jüngsten Ankündigungen des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen aufgenommen. Am Dienstag wurden die Ergebnisse einer vom Ministerium in Auftrag gegebenen Studie vorgestellt – und gleichzeitig tiefgreifende Einschnitte in die Lehrkräfteausbildung verkündet.
Konkret plant das Ministerium, den Vorbereitungsdienst von bisher 21 auf 18 Monate zu verkürzen. Gleichzeitig sollen die verpflichtenden Unterrichtsbesuche reduziert und die Ausbildungsstunden der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst pro Woche abgesenkt werden. Die Grundlage: eine Absolventenbefragung, bei der nur rund fünf Prozent der angeschriebenen Personen geantwortet haben. Von diesen hielten lediglich knapp ein Drittel den Vorbereitungsdienst für zu lang. Dass daraus weitreichende Strukturentscheidungen abgeleitet werden, ist fachlich nicht haltbar und politisch fahrlässig.
Ignorierte Ergebnisse, enttäuschte Kollegien
Im Rahmen der Studie wurden auch die Ausbildungskräfte in den Studienseminaren ausführlich zu ihren Aufgaben, Arbeitsaufwänden und Belastungen befragt. Am Ende verschwanden die Stimmen der Ausbildungskräfte nahezu vollständig aus der Debatte. „Die Expertise derjenigen, die täglich Verantwortung für die Ausbildung übernehmen, wird schlicht ignoriert“, kritisieren die Betroffenen.
Gleichzeitig löste die Ankündigung, sämtliche Stellenausschreibungen, -besetzungen und -beförderungen in der Lehrkräfteakademie und den Studienseminaren auszusetzen, einen Sturm der Entrüstung aus. Bestens qualifizierter und geeigneter Nachwuchs kann so für die wertvolle Ausbildungsarbeit nicht gewonnen oder gehalten werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in der Ausbildungsarbeit ausgezeichnet und bewährt haben, werden ohne Perspektive für ihren weiteren Arbeitseinsatz in der Ausbildung am Ende der Konferenz kalt abgefertigt und vor vollendete Tatsachen gestellt. Weder gab es Antworten auf die zahlreichen Nachfragen, noch wurde ein Gesprächsangebot gemacht. So geht man mit engagierten Ausbildungskräften, die das Fundament des Schulsystems sichern sollen, schlicht nicht um.
Lippenbekenntnisse statt Verantwortung
Während Kultusminister Schwarz sich in Regierungserklärungen für die Qualität der hessischen Lehrkräftebildung rühmt, erleben die Ausbilderinnen und Ausbilder eine ganz andere Realität: Kürzungen, fehlende Wertschätzung und ein massiver Sparkurs, der sich direkt auf die Unterrichtsqualität auswirkt.
Ein Schlag gegen die Zukunft des Bildungssystems
Die geplanten Maßnahmen sind ein Schlag ins Gesicht für das hessische Bildungssystem. Während Schulen unter massivem Lehrkräftemangel leiden, die Anforderungen im Unterricht stetig wachsen und der Bedarf an qualifizierter pädagogischer Begleitung so hoch ist wie nie, zieht die Landesregierung den Rotstift. Anstatt in die Zukunft zu investieren, wird an der Ausbildung der Lehrkräfte gespart – und damit an der Bildung unserer Kinder.
Eines muss klar sein: Wer die Ausbildung der Lehrkräfte schwächt, schwächt den Unterricht. Wer an den Lehrkräften spart, spart am Erfolg der Schülerinnen und Schüler. Und ohne gut ausgebildete junge Menschen fehlen Deutschland die Fachkräfte, die unsere Gesellschaft und Wirtschaft derzeit so dringend braucht.