Pilotprojekte alleine bringen die hessische Bildung nicht zum Fliegen

GEW zur Regierungserklärung von Kultusminister Schwarz | Pressemitteilung

Frankfurt: Während der heutigen Regierungserklärung lobte Kultusministers Armin Schwarz die eigenen Anstrengungen in der Bildungspolitik. Die GEW Hessen bewertet die angesprochenen Pilotprojekte als nicht ausreichend und fordert mehr Initiative, insbesondere bei der Behebung des Lehr- und Fachkräftemangels.


Die Fähigkeit, Deutsch lesen, schreiben und sprechen zu können, ist von großer Bedeutung für den schulischen und beruflichen Erfolg. Daher stellt die Vermittlung dieser Kompetenzen eine zentrale Aufgabe der Schulen dar. Thilo Hartmann, Vorsitzender der hessischen GEW, fordert vom Kultusminister mehr Engagement, um die selbst formulierten Ziele zu erreichen:

Herr Schwarz unterstreicht die Bedeutung der deutschen Sprache, setzt die angekündigten Maßnahmen dazu aber nur in Trippelschritten um.“ Zu diesem Schuljahr wurde zumindest die erste von zwei angekündigten zusätzlichen Deutschstunden an der Grundschule eingeführt. Wann die zweite kommen soll, bleibt offen. Zudem kann im Stundenplan eine Englisch- in eine Deutschstunde umgewidmet werden. Seit April können 15 hessische Grundschulen mit ihren dritten und vierten Klassen so verfahren. Insgesamt gibt es gut 1.200 Grundschulen in Hessen.


Die GEW Hessen fordert als sinnvolle Maßnahme die Aufstockung des Startchancen-Programms durch hessische Landesmittel, um mit einem scharfen Sozialindex die Schulen zielgerichtet zu unterstützen.


Das Pilotprojekt „Digitale Welt“ wird um 16 Schulen erweitert. Die GEW Hessen bewertet die Initiative für mehr Medienbildung durchaus positiv, allerdings erreicht das Fach nach wie vor nur wenige Schüler:innen: „Im Koalitionsvertrag steht, dass das Schulfach landesweit eingeführt werden soll. Doch die Fragen, woher die qualifizierten Lehrkräfte kommen und wann das Fach tatsächlich in der Fläche eingeführt wird, beantwortet der Minister nicht“, macht Hartmann klar.


Um die zukünftigen Herausforderungen im Bildungsbereich zu bewältigen, braucht es mehr Lehrkräfte und weitere pädagogische Fachkräfte: „Es stimmt: Über 65.000 Personen arbeiten bereits an hessischen Schulen. Was ebenfalls stimmt: Die Schüler:innenzahl steigt beständig, auch für den Ganztag brauchen wir zusätzliche Fachkräfte. Und bereits jetzt wird rund jede zehnte Unterrichtsstunde von einer Vertretungskraft ohne ausreichende Qualifikation gehalten. Auf das im Koalitionsvertrag angekündigte berufsbegleitende Weiterbildungsangebot für diese Gruppe warten wir noch immer. Der Bedarf an gut ausgebildetem Personal liegt also weit höher, in der Bildung darf unter keinen Umständen gekürzt werden“, fordert Hartmann.


Die erste tatsächliche Maßnahme des Kultusministers gegen den Lehrkräftemangel, indem der Quereinstieg mit nur einem Fach ermöglicht wird, begrüßt die GEW Hessen: „In der aktuellen, selbst verschuldeten Situation ist das definitiv eine geeignete Möglichkeit, dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken“, sagt Hartmann abschließend.