Frankfurt: Die GEW Hessen hat heute eine neue Berechnung des zukünftigen Lehrkräftebedarfs und -angebots vorgelegt. Schon in zwei Jahren werden mehr als 10.000 ausgebildete Lehrkräfte in Hessen fehlen. Selbst im Jahr 2035 wird der Bedarf das Angebot an ausgebildeten Lehrkräften noch um 9.000 übersteigen.
Den Berechnungen der GEW liegen Daten vom Statistischen Bundesamt und der Kultusministerkonferenz (KMK) zugrunde. Daraus geht hervor, dass im Schuljahr 2023/24 fast 8.800 Lehrkräfte ohne Lehramt in Hessen unterrichtet haben. Auf Basis der Entwicklung der Zahl der Schüler:innen, der insbesondere durch den Ruhestand ausscheidenden Lehrkräfte und auf der Grundlage von Annahmen der zukünftig ausgebildeten Lehrkräfte lässt sich abschätzen, wie sich der Lehrkräftemangel in Zukunft entwickeln wird. Das Ergebnis: Die neu eingestellten Lehrkräfte reichen nicht aus, um die aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrkräfte zu ersetzen.
Im Ergebnis, so der hessische GEW-Vorsitzende Thilo Hartmann, ergibt sich dadurch ein noch größerer Lehrkräftemangel: „Wenn wir davon ausgehen, dass die zukünftige Lücke auch durch Personen gefüllt wird, die keine adäquate Ausbildung für den Schuldienst erworben haben, dann wird sich die Zahl der Lehrkräfte ohne Lehramt in den kommenden Jahren auf mehr als 10.000 erhöhen. Ab dem Jahr 2031 wird sie etwas kleiner werden, aber selbst im Jahr 2035 noch bei 9.000 liegen.“ Besonders große Personalprobleme zeichneten sich dabei in den beruflichen Schulen und in Schulen des Sekundarbereichs I ab.
Hartmann verwies darauf, dass auch die gestern von der Kultusministerkonferenz vorgestellten Zahlen zum Lehrkräfteeinstellungsbedarf und zum Lehrkräfteangebot zu dem gleichen Ergebnis führen: „In der Publikation der KMK sind auch Daten zu Hessen enthalten, die vom Hessischen Kultusministerium stammen. Wenn die dort enthaltenen Bedarfs- und Angebotszahlen saldiert werden, stimmen sie relativ genau mit unseren Berechnungen überein. Die Zahlen des Hessischen Kultusministeriums fallen sogar noch etwas ungünstiger aus als unsere. Leider sind die Berechnungen des Hessischen Kultusministeriums intransparent. So ist nicht nachvollziehbar, worauf die noch schlechtere Prognose beruht.“
Hartmann sieht die Landesregierung in der Pflicht, sich der Herausforderung eines absehbar weiter steigenden Mangels an ausgebildeten Lehrkräften zu stellen: „Mehr ausgebildete Lehrkräfte können nur gewonnen werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und damit auch die Lernbedingungen der Schüler:innen verbessern. Maßnahmen wie die jüngst vorgeschlagene Verschiebung der Besoldungserhöhung vom August in den Dezember hingegen vergrößern das Problem.“