Frankfurt: Die GEW Hessen hat heute die Ergebnisse einer Befragung zu den psychischen Belastungen bei der Arbeit von Schulleitungen durch die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW) vorgestellt. Danach stehen Schulleitungen überdurchschnittlichen Arbeitsanforderungen gegenüber und Burnout-Symptome treten bei ihnen häufiger auf.
Nach Einschätzung von Matthias Nübling, Geschäftsführer der FFAW und Studienleiter, belegen die erhobenen Daten, dass Leitungskräfte an Schulen hochgradig belastet sind: „Schulleitungen in Hessen sehen sich im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in unserer Datenbank vor deutlich erhöhte Anforderungen durch ihre Arbeit gestellt. So gaben 84 Prozent der Schulleitungen an, dass sie oft oder immer den ganzen Tag in hohem Tempo arbeiten. 76 Prozent können selten oder nie ihre Pausenzeiten einhalten. Ihren allgemeinen Gesundheitszustand bewerten Schulleitungen schlechter als der Durchschnitt der anderen Berufsgruppen oder als die Beschäftigten der Öffentlichen Verwaltung. Symptome für Burnout sind bei Ihnen häufiger auszumachen. Zudem gehen Schulleitungen vergleichsweise oft krank zur Arbeit.“
Laut Thilo Hartmann, dem Vorsitzenden der GEW Hessen, ist es angesichts der Ergebnisse der Schulleitungsbefragung wenig überraschend, dass eine erhebliche Zahl von Schulleitungsstellen in Hessen nicht besetzt ist. Aus den jetzt vorliegenden Ergebnissen müssen ihm zufolge die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden: „Das Land Hessen sollte sich als Arbeitgeber dazu verpflichten, den Schulleitungskräften regelmäßig Belastungsstudien und gezielte Präventionsmaßnahmen anzubieten. Ganz generell müssen die Ressourcen für Bildung gestärkt werden. Die schlechte Ausstattung der Schulen ist wesentlich für die hohe Arbeitsbelastung der Schulleitungen verantwortlich. Hier muss angesetzt werden, um die Belastungsfaktoren zu verringern. Ganz konkret sind Entlastungsstunden für Leitungskräfte und zusätzliche Funktionsstellen erforderlich. Zudem sollte zusätzliches Personal – zum Beispiel IT-Administratoren und Verwaltungsfachkräfte – für Entlastung sorgen. Erforderlich ist auch eine bessere Bezahlung, insbesondere im Bereich der Grundschulen. Außerdem ist die Landesregierung aufgefordert, endlich durchschlagende Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel zu ergreifen.“ Und nicht zuletzt sollte die Landesregierung ein angemessen großes Investitionsprogramm auflegen, um die Kommunen beim Schulbau zu unterstützen, forderte Hartmann abschließend.
Zum Hintergrund
Die Befragung zu psychischen Belastungen bei der Arbeit mit dem Copenhagen Psychosocial Questionnaire wurde im Auftrag der GEW durch die Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften GmbH (FFAW) erstellt. Die FFAW nutzte den „Copenhagen Psychosocial Questionnaire“ (COPSOQ), einen breit erprobten Fragebogen zur Messung psychosozialer Faktoren am Arbeitsplatz, der anonym ausgefüllt wird. Die FFAW hat damit bereits über 1.500 Projekte mit über 600.000 Befragten absolviert. An der Befragung beteiligten sich vom 23. September bis zum 25. November 2024 981 Personen in Schulleitungsfunktionen. Im Bundesland Hessen gibt es 1.859 Schulen.