Doch kein „Werteunterricht“ für alle ab diesem Schuljahr

GEW begrüßt Kurswechsel des Kultusministers

Frankfurt: Die GEW Hessen begrüßt den Kurswechsel von Kultusminister Armin Schwarz. Dieser hat am gestrigen Tag seine Ankündigung, zu diesem Schuljahr Werteunterricht im Umfang von zwei Stunden an allen Klassen einzuführen, zurückgenommen. Der vor einem Jahr eingeführte Werteunterricht an Intensivklassen, in denen Schüler:innen die deutsche Sprach lernen, soll hingegen fortgeführt werden. Das ist nach Einschätzung der GEW nach wie vor der falsche Weg.
 

Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, sagte heute dazu: „Vor einem Jahr hat Minister Schwarz die vollkommen überraschende Ankündigung in die Welt gesetzt, dass der damals eingeführte Werteunterricht an Intensivklassen auf die Regelklassen ausgeweitet werden soll. Ein Jahr lang wurde an den Schulen nun gerätselt, was das für sie bedeutet. Die Umsetzungsprobleme wären erheblich gewesen, denn wo hätten diese zusätzlichen zwei Stunden für alle hergenommen werden sollen, ohne anderswo schmerzliche Abstriche zu machen?“
 

Die GEW hält den Werteunterricht in Intensivklassen weiterhin für ungeeignet und fordert dessen Abschaffung. Er transportiert die problematische und falsche Botschaft, dass Schüler:innen mit geringen Deutschkenntnissen mehr Bedarf an Werteerziehung haben als andere. Die ernsthafte Auseinandersetzung mit Werten und die Demokratiebildung müssen hingegen Teil des Unterrichts in allen Fächern sein. Sie wurden daher auch zuvor selbstverständlich im Rahmen des regulären Unterrichts in Intensivklassen vermittelt. „Der ausschließlich für den Werteunterricht bestehende Kontrolldruck durch die Pflicht, diesen durch die Schulleitung abzeichnen zu lassen, wird von den Kolleg:innen als Misstrauensbeweis wahrgenommen“, konstatierte Thilo Hartmann. Zudem seien für dessen Einführung zwei Unterrichtsstunden umgewandelt worden, die für den Deutschunterricht bestimmt waren. Die Rahmenbedingungen für das Deutschlernen haben sich so deutlich verschlechtert, zumal bereits 2016 die Stundenzuweisung reduziert und die Gruppengröße erhöht worden ist.
 

Die Initiative des Kultusministeriums beschränkt sich nun im Hinblick auf die Regelklassen auf die Bündelung von bereits bestehenden Projekten und Konzepten auf der neu eingerichteten „WERTvoll-Plattform“. Demokratiebildung muss nach Auffassung der GEW als elementarer Bestandteil der schulischen Bildung betrachtet werden. Die auf der Plattform bereitgestellten Best-Practice-Beispiele können die Schulen sowie die einzelnen Lehrkräfte dabei unterstützen, diesen wichtigen Teil ihres Bildungsauftrags umzusetzen.