Frankfurt: Die soziale Mobilität geht laut ifo Institut in Deutschland seit den 1970er Jahren deutlich zurück. Auch in Hessen beseht eine hohe Abhängigkeit zwischen sozioökonomischem Status und Bildungserfolg. Die GEW Hessen fordert die Landesregierung daher auf, das Jahr 2026 zum Jahr der Bildungsgerechtigkeit zu machen. Statt Kürzungen braucht es umfassende Investitionen in Personal und Infrastruktur.
Die Bildungsgerechtigkeit in Hessen und in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Einkommen und Bildungsabschluss der Eltern verstärkt sich immer weiter. Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, fordert die Landesregierung deshalb dazu auf, die Weichen für mehr Bildungsgerechtigkeit in Hessen zu stellen: „Die Zahlen sind erschreckend: Nur knapp 26,5 Prozent der Kinder mit Eltern, die weder Abitur haben noch zum oberen Viertel der Einkommen zählen, gehen aufs Gymnasium. Damit teilt sich Hessen den beschämenden vorletzten Platz mit Mecklenburg-Vorpommern.“
Eine umfangreiche Datenanalyse der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zeigt zudem, dass Kitas und Gymnasien häufiger in wohlhabenden Gegenden zu finden sind. Diese systemische Schieflage trage zusätzlich zur Bildungsmisere in Hessen bei. „Wer die Bildungsgerechtigkeit ernst nehmen will, muss aber nicht nur dafür sorgen, dass Bildungseinrichtungen für alle Kinder und Jugendliche vergleichbar gut erreichbar sind. Es gilt auch, die Gesamtschule als die Schulform zu stärken, die längeres gemeinsames Lernen ermöglicht. Ansonsten wird die soziale Mobilität in Hessen immer stärker eingeschränkt.“
Mehr Investitionen in Bildung sind nicht nur für die Schüler:innen, Eltern und Beschäftigten sinnvoll, sondern haben auch nachweislich volkswirtschaftliche Vorteile. „Wir fordern die Landesregierung deshalb auf, mehr Geld in alle Bildungsbereiche zu investieren. Konkret müssen die Kürzungspläne der Landesregierung in der Lehrkräfteausbildung vom Tisch. Auch den Kommunen sollen die angekündigten Kürzungen in Höhe von 45 Millionen Euro bei den Kita-Betriebskostenzuschüssen erspart bleiben.“ Gleichzeitig müssten die integrierten Gesamtschulen gestärkt werden. „Als Ort des Austauschs sind Gesamtschulen bildungspolitisch und gesellschaftlich unersetzlich für mehr Gerechtigkeit. Die Pläne der Landesregierung, bei den Gesamtschulen zu sparen, weisen wir entschieden zurück.“
Zudem fordert die GEW Hessen, dass der ab dem kommenden Schuljahr schrittweise eingeführte Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung an Grundschulen stärker finanziell vom Land unterstützt wird. Auch durch einen schulscharfen Sozialindex können genau die Schulen besser unterstützt werden, die besonderen Herausforderungen gegenüberstehen. Sie sollen mehr materielle und personelle Ressourcen zugewiesen bekommen.
Die GEW-Petition „Mehr Geld für Bildung“ nimmt diese Forderungen auf und kann hier unterzeichnet werden.