Aktive Mitglieder gewinnen

HLZ 12/2018: Aktiv vor Ort

Der Bundesausschuss Junge GEW und der Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten in der GEW führten Anfang 2017 eine Umfrage unter jungen GEW-Mitgliedern unter 35 Jahren durch, um herauszufinden, wie mehr junge Menschen für aktive Mitarbeit in der GEW gewonnen werden können. Die technische Durchführung unserer Befragung hat das sozialwissenschaftliche Forschungs- und Beratungsinstitut SoWitRA übernommen. Es haben über 7.000 GEW-Mitglieder unter 35 teilgenommen - ein sehr gutes Ergebnis. Die Ergebnisse sind in einer Broschüre auf der Homepage der GEW verfügbar (www.gew.de > Ausschüsse und Arbeitsgruppen > Junge GEW). Die HLZ veröffentlicht die wichtigsten Ergebnisse.

1. Je jünger desto besser: Das Alter der Mitglieder spielt in zweifacher Hinsicht eine gewichtige Rolle bei der Frage der Aktivierbarkeit. Zum einen zeigt sich, dass das Potenzial für ein stärkeres Engagement bei jüngeren Mitgliedern besonders hoch ist. Und wer im jungen Alter eintritt, bleibt der GEW als aktives Mitglied erhalten. 

2. Hochschulen und Universitäten sind besonders erfolgversprechende Orte: Am meisten Potenzial, aktiviert zu werden, zeigen Menschen, die im Bereich Hochschule und Forschung tätig sind. Das bezieht sich sowohl auf Studierende als auch auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

3. Information ist alles: Zwar nutzt die Mehrheit der Mitglieder der Jungen GEW einen Mix aus unterschiedlichen analogen wie digitalen Informationsquellen, doch zeigt sich, dass immer noch ein großer Bedarf an Informationen besteht, insbesondere über die Möglichkeiten einer aktiven Teilhabe. Hier braucht es offensichtlich noch mehr Öffentlichkeitsarbeit über die bestehenden Mitmachangebote.

4. Let´s talk about: Das probateste Mittel zur Mitgliederaktivierung ist immer noch die direkte persönliche Ansprache. Es empfiehlt sich, diesen Zugangsweg systematisch auszubauen und die bereits aktiven Mitglieder als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren stärker einzubinden und sie in dieser Funktion (stärker) zu unterstützen. Insbesondere zufriedene Mitglieder gewinnen per Mund-zu Mundpropaganda weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

5. Systematische Willkommenskultur: Mitglieder direkt anzusprechen bzw. über eine informative, kreative Öffentlichkeitsarbeit für eine Mitarbeit zu gewinnen, ist der erste Schritt in Richtung einer systematischen Willkommenskultur. Doch die Befragungsergebnisse weisen auch darauf hin, dass die so interessierten Mitglieder an dieser Stelle quasi „an die Hand“ genommen werden müssen, um sie dauerhaft für die Arbeit in der Jungen GEW zu gewinnen. 

6. Zeit und Ort müssen stimmen: Eine weitere Stelle, an der die Junge GEW nachjustieren kann, sind die Zeiten und Orte, zu denen ehrenamtliches Engagement stattfindet. Über alle Mitgliedergruppen hinweg werden die Termine und Zeiten der Tagungen als ein Hinderungsgrund genannt. 

7. Themenvielfalt: Ein weiterer Grund, der immer wieder als Hinderungsgrund für ein ehrenamtliches Engagement genannt wird, ist der fehlende Bezug zum eigenen Arbeitsbereich. Die GEW ist eine Gewerkschaft, die fachlich wie von den Lebenslagen und Lebensphasen eine sehr diverse Mitgliederstruktur aufweist. Genau aus diesem Grunde ist es auch für die Junge GEW notwendig, darauf zu achten, dass es nicht zu einer thematischen Engführung kommt, sondern Angebote gestaltet werden, die eine fachliche Vielfalt darstellen sowie sich an den verschiedenen Lebensphasen orientieren. 

8. Die Arbeitsstrukturen, Abläufe und Gesprächskulturen kritisch hinterfragen: Die GEW versteht sich als Mitmachgewerkschaft, in der Partizipation eine wichtige Rolle im Selbstverständnis einnimmt. Andererseits schreckt Partizipation offensichtlich viele interessierte junge Mitglieder auch ab, insbesondere dann, wenn der Eindruck von Ineffizienz entsteht. 

9. Unzufrieden mit der eigenen Passivität: Aktivierbare Mitglieder sind nicht nur kritischer gegenüber der GEW, sie sind darüber hinaus auch häufiger unzufrieden mit ihrer eigenen Passivität. Mit entsprechenden Angeboten und einer verbesserten Willkommenskultur könnten viele Mitglieder dieser Gruppe, die immerhin mehr als 40 % der Befragten stellt, für eine Mitarbeit in der GEW gewonnen werden.

Quelle: Was fördert oder hemmt junge GEW-Mitglieder am aktiven Engagement in der GEW? Ergebnisse der repräsentativen Umfrage des Bundesausschusses Junge GEW & des Bundesausschusses der Studentinnen und Studenten. Frankfurt 2017