Danke, Jochen!

Der „Bunte Abend“ am 2. Tag der LDV galt der Geselligkeit, vor allem aber der Verabschiedung von Jochen Nagel

Der „Bunte Abend“ am zweiten Tag der Landesdelegiertenversammlung galt der Geselligkeit, vor allem aber der Verabschiedung von Jochen Nagel, der im Alter von 67 Jahren nach langjähriger Tätigkeit in unterschiedlichen Funktionen in der GEW Hessen nicht mehr als Vorsitzender kandidierte. Birgit Koch und Maike Wiedwald dankten als neugewähltes Tandem zunächst aber auch allen anderen Kolleginnen und Kollegen, die - zumeist nach langem ehrenamtlichem Engagement – nicht mehr für die Arbeit in den Referaten des geschäftsführenden Landesvorstands kandidiert hatten: Nina Ulbrich und Gunter Quaißer (Hochschule und Forschung), Heike Rickert-Fischer und Sebastian Schackert (Mitbestimmung und gewerkschaftliche Bildungsarbeit) sowie Franziska Conrad und Heike Lühmann (Aus- und Fortbildung).

Die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe würdigte Jochen Nagel in ihrer Rede als „gewerkschaftliches Urgestein“ und zählte noch einmal die wichtigsten Stationen seines gewerkschaftlichen Werdegangs auf: 1975 als Student Eintritt in die GEW, 1985 Wahl zum Vorsitzenden des GEW-Bezirksverbands Südhessen, 1990 Wahl in das Referat Tarif, Besoldung und Beamtenrecht, 1992 Wahl in den Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer und 1996 Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Hessen. Seit 2002 „bis zur heutigen Landesdelegiertenversammlung“ war er dann Vorsitzender des Landesverbands, seit 2014 im Tandem mit Birgit Koch.

Hauptredner war Stefan Körzell. Er wurde 2002, im selben Jahr, als Jochen zum GEW-Vorsitzenden gewählt worden war, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen. 2014 wechselte er in den geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB. Er würdigte Jochen als kämpferischen, konfliktbereiten und durchsetzungsfähigen Gewerkschafter, der oft mit ihm auf demselben Podium stand. Beide waren im ersten Jahr in ihrer neuen Funktion mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, der „Operation Düstere Zukunft“ der CDU-Regierung unter Ministerpräsident Roland Koch. 45.000 Menschen aus Gewerkschaften und sozialen Initiativen, darunter mehrere Tausend streikende Lehrerinnen und Lehrer protestierten vor dem Landtag gegen den Kahlschlag bei Beamtengehältern und sozialen Einrichtungen – ein Bild, das sich bei allen, die dabei waren, fest eingebrannt hat. Zu den Bildern, die Körzell in Erinnerung rief, gehörten auch die Sackkarre mit über 70.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Studiengebühren, die schließlich 2008 vom Landtag wieder gekippt wurden, die Streiks der verbeamteten Lehrkräfte und der „halbe Sieg“ bei der Volksabstimmung gegen die Aufnahme der Schuldenbremse in die Verfassung:

„Jochen, du wurdest bis heute nicht müde, gegen die ‚Schuldenbremse‘ zu argumentieren, sie als das zu entlarven, was sie wirklich ist: ein Vorhaben, das die Chancen der nächsten Generation mindert und ihr das Recht auf eine saubere Umwelt, auf gute Bildung und eine intakte Infrastruktur nimmt. Du hast entscheidend dazu beigetragen, dass wir bei dieser Volksabstimmung gegen die Regierungsparteien, gegen die Medien und auch gegen die Rhetorik von SPD und Grünen angetreten sind und immerhin 30 Prozent der Stimmen geholt haben.“

Dass dem „Spalter“ Roland Koch in diesen Tagen ausgerechnet die Wilhelm-Leuschner-Medaille „zur Würdigung des Einsatzes für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit“ verliehen wird, konnte Stefan Körzell angesichts dieser Reminiszenzen nicht unkommentiert lassen: 

„Das ist auch ein Schlag gegen das Vermächtnis von Wilhelm Leuschner, der unmittelbar vor seiner Hinrichtung 1944 schrieb: ‚Schafft die Einheit!‘“.

Jochen leitete seine Entgegnung mit Bert Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ ein und bedankte sich bei allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern und den engsten Weggefährtinnen und Weggefährten gleichermaßen:

„Diese Erfolge sind eure Erfolge, ohne euch wäre das, worauf ich nicht ohne Stolz zurückblicke, nicht möglich gewesen.“

Und mit Blick auf die Videoprojektion, die unter der Überschrift „Ein Leben für die GEW“ im Hintergrund Fotos und Videos von Aktionen, von Veranstaltungen und Betriebsausflügen der Landesgeschäftsstelle zeigte, sagte er:

„Es war weniger ein ‚Leben für die GEW‘ als ein gutes Leben in und mit der GEW.“  

Die persönlichen Botschaften und die guten Wünsche vieler Kolleginnen und Kollegen waren an einer langen Leine im Saal aufgereiht.