Soziale Frage von Rechts

Sascha Schmidt empfiehlt ein Buch über die Politik der AfD

HLZ 7-8/2020

Nachdem die AfD bei fünf Landtagswahlen im Jahr 2016 hohe Stimmengewinne unter Arbeiterinnen, Arbeitern und Arbeitslosen verzeichnen konnte, hat die Relevanz der Sozialen Frage für Teile des extrem rechten Spektrums deutlich zugenommen. Während der inzwischen rein formal aufgelöste „Flügel“ der AfD auf einen „solidarischen Patriotismus“ setzt, diskutieren Teile der Neuen Rechten über einen „Antikapitalismus“ von Rechts. Einen Überblick über die mit dieser Entwicklung einhergehenden wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten, Positionen und Konzeptionen bietet der Sammelband „Zwischen Neoliberalismus und völkischem ‚Antikapitalismus‘“. Im Mittelpunkt von Teil 1 des in drei Teile gegliederten Buchs stehen ideengeschichtliche Bausteine der Neuen Rechten aus der Zeit der Weimarer Republik: der „preußische Sozialismus“ von Oswald Spengler (Michael Lausberg), der „nationale Sozialismus“ von Arthur Möller van den Bruck (Volker Weiß) und das „nationalsoziale“ Konzept aus der Zeitschrift „Die Tat“ (Simon Eberhardt). Helmut Kellershohn widmet sich dem Zusammenhang von Neoliberalismus und „Konservativer Revolution“.

Die Teile 2 und 3 setzen sich größtenteils mit aktuellen Wirtschaftskonzepten und -themen der extremen Rechten sowie den damit verbundenen Kampffeldern auseinander. Gideon Botsch und Christoph Kopke analysieren die NPD in der Ära Voigt, Tim Ackermann und Mark Haarfeldt beleuchten die Betriebsratskampagne der Neuen Rechten von 2018 und Michael Barthel und Anna-Lena Herkehoff untersuchen, welche Rolle die Soziale Frage im neurechten Magazin „Compact“ spielt. Besonders lesenswert finde ich den Beitrag von Helmut Kellershohn, wie Marx von Vertretern der Neuen Rechten interpretiert wird.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wirtschafts- und Sozialpolitik der AfD mit Aussagen der Bundestagsfraktion und des „Flügels“ und einem besonderen Blick auf die antiamerikanischen und antisemitischen Denkfiguren in der Partei. Nicole Gohlke und Christian Schaft analysieren das Hochschul- und Wissenschaftsprogramm. Alles in allem bietet der Sammelband einen gelungenen und lesenswerten Überblick.

Sascha Schmidt

Sascha Schmidt ist als Gewerkschaftssekretär des DGB für die Region Wiesbaden-Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg zuständig. Er engagiert sich in Bündnissen gegen Rassismus und rechte Hetze und im Netzwerk für Demokratie und Courage.


Andrea Beck, Simon Eberhardt und Helmut Kellershohn: Zwischen Neoliberalismus und völkischem „Antikapitalismus“. Sozial- und wissenschaftspolitische Konzepte und Debatten innerhalb der AfD und der Neuen Rechten. Unrast Verlag Münster (Edition DISS) 2019. 268 Seiten, 24 Euro