Vom (Un)sinn ökonomisierter Bildung:

Wege aus der Entdemokratisierungs-Falle | Februar 2020

5. Veranstaltung zur Ökonomisierungskritik

29.2.2020, 9.30 bis 17 Uhr | DGB-Haus Frankfurt

Flyer

​​​​​​Plakat

Veranstaltungsteam: Dr. Gabriele Frenzel, Maria Heydari, Günter Köhler, Thomas Sachs, René Scheppler, Herbert Storn, Eva Maria Wehrheim

Wir, die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ der GEW Frankfurt und Südhessen, beschäftigen uns seit mehreren Jahren kritisch mit der zunehmenden „Ökonomisierung des Bildungswesens“. In mehreren Vortragsreihen und einer ganztätigen Veranstaltung haben wir thematisiert, wie Wirtschaftskonzerne – allen voran Bertelsmann – sowie zahlreiche andere Firmen über ihre Stiftungen und ihre Berater in den Kultusministerien Einfluss auf die Bildungspolitik nehmen. Dass die OECD als internationale Wirtschaftsorganisation den PISA-Schock inszeniert hat, spricht Bände.  Immer wieder meldet sie sich mit neuesten Studien zu Wort, um die Bildungsdebatte möglichst zu majorisieren. Doch die „Reformen“ der letzten Jahre (Methoden und Kompetenzen, G8/G9, die Umsetzung der Inklusion, Modularisierung in Studium und Referendariat) zeitigen bereits jetzt in aller Deutlichkeit ihre Wirkung. Nicht erst  der aktuelle Lehrermangel an Grund- und Förderschulen gibt Anlass zur Sorge. Kolleginnen und Kollegen aller Schulformen sind überlastet und ihre Zufriedenheit mit dem Beruf nimmt immer mehr ab, trotz hohen Engagements.

Die Veranstaltung will aufzeigen, welche Phänomene dazu beigetragen haben.

Dazu zählt der Versuch,

  • demokratische Strukturen und Gremien wie die Gesamtkonferenz mit dem Instrument der Indirekten Steuerung (Siemens)  auszuhöhlen oder gänzlich zu entmachten;
  • das Prinzip der Pädagogischen Beziehungen über Bord zu werfen (Frenzel);
  • Schule und Unterricht, Lehre und Forschung mehr nach Management-Logiken zu organisieren, ohne dass dies transparent gemacht würde (Krautz). Alle Beteiligten würden so ihrer pädagogischen und didaktischen Freiheit und Verantwortung beraubt.

Nun soll mit dem Digitalpakt der IT-Industrie der schrankenlose Zugang zu  unseren Schulen und zu unseren Daten geebnet werden (Lankau).

Oberstes Bildungsziel der Ökonomisierung von Bildung ist nicht der umfassend gebildete Mensch, sondern der perfekt angepasste „Homo ökonomicus“.

„Wege aus der Entdemokratisierungsfalle“ lassen sich nur finden, wenn wir einerseits die  kritische Aufklärung voranbringen und andererseits zu mutigem Widerstand aufrufen.

PROGRAMMABLAUF

9.30 Uhr Begrüßung und Einführung

10.00 Uhr Teamarbeit: ein Instrument indirekter Steuerung oder Chance zur Selbstorganisation?

  • Stephan Siemens | Experte für Arbeitspsychologie und Burnout-Prävention, Köln

11.30 Uhr Alternativen und Widerstandsmöglichkeiten: Beiträge aus der AG

  • Dr. Gabriele Frenzel: Pädagogische Freiheit – eine Idee von gestern?
  • Eva Wehrheim und Maria Heydari: Schule braucht Demokratie – Wunschzettel einer Grundschullehrerin
  • Herbert Storn: Gesamtkonferenzen – mehr Mitbestimmung geht nicht – aber die will auch organisiert sein

13.00 Uhr Mittagspause

  • mit Songs der Gruppe „wirgefühl“zur „schönen neuen Arbeitswelt“ 

14.00 Uhr Digitaler Neoliberalismus bis ins Klassenzimmer oder: warum IT für Schulen neu gedacht werden muss

  • Prof. Ralf Lankau | Hochschule Offenburg

15.30 Uhr Ökonomisierung als technologische Steuerung von Schule und Unterricht: Phänomene, Kritik und Alternativen

  • Prof. Jochen Krautz | Bergische Universität Wuppertal

16.30 Uhr Schlussdiskussion