Landtagswahl nachgefragt: 4. Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer

4.1. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um dem Lehrkräftemangel kurz- bzw. mittelfristig zu begegnen?

Nach den drastischen Kürzungen unter der letzten rot-grünen Landesregierung hat die CDU seit Übernahme der Regierungsverantwortung im Jahr 1999 nicht nur 10.000 zusätzliche Lehrerstellen und eine bundesweit einmalige 105-prozentige Unterrichtsversorgung geschaffen, sondern auch die Zahl der Lehrer im Vorbereitungsdienst erhöht und auf einem hohen und bedarfsgerechten Niveau stabilisiert. So wurde die Zahl der Referendarstellen an allen Schulformen von 3.335 auf 4.800 erhöht. Noch im Jahr 2011 war ein Vorhaben der FDP-Kultusministerin Henzler zur Einsparung von Referendarstellen aufgrund des energischen Widerstandes aus den Reihen der CDU-Fraktion verhindert worden. Aufgrund der seit 1999 herbeigeführten Stellen- und Referendarzuwächse hat Hessen heute eines der im Durchschnitt jüngsten Lehrerkollegien aller Länder vorzuweisen. Auch der bundesweite Engpass an verfügbaren Lehrerstellen als Folge der nicht vorhersehbaren Flüchtlingszahlen konnte in Hessen deutlich besser überbrückt werden als in anderen Ländern. Durch seine attraktiven Arbeitsbedingungen hat sich Hessen zudem einen Vorteil im bundesweiten Wettbewerb um die besten Lehrkräfte erarbeitet. Im Bereich der Grund- und Förderschulen hat die CDU-geführte Landesregierung beispielsweise auf den geänderten Bedarf als Folge der unvorhersehbaren Flüchtlingszahlen mit der Erhöhung der Zahl der Studienplätze für das Lehramt an Grund- und Förderschulen um 50 Prozent bzw. 315 Plätze zum Wintersemester 2017/18 reagiert. Auch die Zahlen zum Bedarf an Gymnasiallehrkräften werden einer stetigen Überprüfung und Anpassung unterzogen, so dass möglichen Engpässen rechtzeitig vorgebeugt und die Zahl der Referendare auch weiterhin bedarfsgerecht gesteuert werden kann. Die Erhöhung der Attraktivität des Lehrerberufes umfasst freilich nicht ausschließlich materielle Aspekte, sondern bedarf auch einer Stärkung und Profilierung des Berufsbildes der Lehrer und deren ideelle Unterstützung in der Öffentlichkeit.

Konkret laufen derzeit folgende Maßnahmen: 1.) Wir weiten die Studienplatzkapazitäten für die Grund- und Förderschule aus. 2.) Wir vergeben Lehraufträge an Pensionäre und bitten Teilzeitlehrkräfte, ihre Tätigkeit aufzustocken. 3.) Wir bieten einen Weiterbildungskurs für das Grund- und Förderschullehramt für Lehrkräfte mit anderen Lehrämtern an. 4.) Wir öffnen das Grundschulreferendariat für Gymnasial- und Haupt-und Realschullehramtsanwärter. 5.) Aufgrund der gestiegenen Nachfrage bieten wir zum Einstellungstermin 1. November diesen Jahres 450 Ausbildungsplätze für das Lehramt an Grund- und Förderschulen an.

Der Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften ist hoch und wird auch künftig hoch sein. Eine vorsorgende Personalbedarfsplanung für Hessen, die es seit 19 Jahren nicht gibt, ist überfällig. Wir werden eine mittelfristige Gesamtbedarfsplanung erstellen, die Zahl der Lehramtsstudienplätze erhöhen und mehr Studierenden für Mangelfächer durch Maßnahmen wie das bereits erwähnte Hessenstipendium für Mangelfächer gewinnen. Die jetzt noch unabdingbare Einstellung von Seiten- und Quereinsteigern wollen wir verbindlich mit Maßnahmen verknüpfen, die die Professionalität aller dauerhaft als Lehrkräfte tätigen Personen sicherstellt. Wir werden allen Lehrkräften, die als Quereinsteiger/-innen derzeit an unseren Schulen unterrichten, Angebote zur Weiterqualifizierung bei angemessener Stundenentlastung anbieten. Falls die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen, werden wir ihnen durch diese Weiterqualifizierungen den Erwerb einer Lehrbefähigung oder eines Lehramts ermöglichen. Anstatt immer wieder auf Kettenverträge zu setzen, wollen wir Lehrkräften Sicherheit und Perspektiven bieten. Durch bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung werden wir für Lehrkräfte, die bisher in Teilzeit arbeiten, Anreize schaffen, ihre Arbeitszeit wieder zu erhöhen.

Wie alle anderen Länder ist auch Hessen von der bundesweiten Lehrkräfteknappheit betroffen. In Hessen ist die Lehrerversorgung verglichen mit anderen Bundesländern zwar relativ gut, aber es gibt teilweise Engpässe, alle Lehrerstellen sofort mit den richtigen Personen besetzen zu können. Um der Lehrkräfteknappheit weiter zu begegnen war es richtig, das dreistufige Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Lehrkräften auf den Weg zu bringen, um auf die neuen Bedarfe schnell reagieren zu können. Der Plan sieht kurzfristig die Einbindung von Lehrerinnen und Lehrern, die kurz vor oder nach der Pensionierung stehen, sowie die Stundenaufstockung von Teilzeitkräften vor. Mittelfristig werden Lehrkräfte aus anderen Lehrämtern, die bislang keine Stelle erhalten haben, durch Weiterbildung für das Grundschullehramt gewonnen. Langfristig haben wir die Ausbildungskapazität der Universitäten aufgestockt. Der Arbeitsmarkt für Lehrer und Lehrerinnen wird auch in den kommenden Jahren angespannt bleiben. Auch deshalb ist es wichtig und richtig, Lehrerinnen und Lehrer in ihren vielfältigen Aufgaben durch Sozialpädagog*innen sowie durch vom Land finanzierte Verwaltungskräfte zu unterstützen.

Es müssen noch mehr Studienplätze geschaffen werden, denn Hessen kann derzeit nicht genug Lehrkräfte selbst ausbilden. Die Bedingungen für den Vorbereitungsdienst müssen verbessert werden. Quer- und Seiteneinsteiger werden nötig sein, dann aber mit einem verbindlichen berufsbegleitenden Qualifizierungsprogramm.

Zunächst einmal ist es dringend erforderlich, dass dem Lehrermangel mit einer laufend aktualisierten Lehrerbedarfsplanung begegnet wird, um jungen Menschen so eine verlässlichere Orientierung für ihre Berufswahl zu bieten. Nur auf der Grundlage einer verlässlichen Planung können die notwendigen Kapazitäten von Studienplätzen und Stellen im Vorbereitungsdienst bemessen und angepasst werden; dies ist die Voraussetzung für eine vorausschauende Ausbildungs- und Einstellungspolitik, die sich an den tatsächlichen Bedarfen orientiert. Wir sind überzeugt, dass der Lehrerberuf mit Sicherheit zu den herausforderndsten und auch verantwortungsvollsten Berufen zählt, denn es geht um nicht weniger als um die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Ziel muss es sein, für alle die beste Bildung zu verwirklichen und deshalb muss die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer gesellschaftliche, mediale aber auch politische Anerkennung erfahren. Darüber hinaus müssen vor allem die Arbeitsbedingungen stimmen und dazu gehört, dass neben einer angemessenen Besoldung ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind, dass die Aus- und Weiterbildung auf exzellentem Niveau erfolgt und dass die Lehrkräfte Unterstützung in ihrer Arbeit erfahren. Wir sehen die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen zu verbessern, denn nur mit einem gezielten Maßnahmenkonzept kann es gelingen, die Attraktivität des Lehrerberufs wieder zu steigern. Verstärkte frühzeitige Praxiserfahrungen und vor allem auch die Durchlässigkeit sowie die Möglichkeiten des Quereinstiegs können dazu beitragen, dass Berufswege verändert werden. Wir wollen Maßnahmen ergreifen, um Teilzeitkräfte beispielsweise zur Aufstockung der Stunden und Lehrkräfte für den längeren Verbleib im Schuldienst zu motivieren. Dazu gehören u.a. Gesundheitsmaßnahmen, aber auch die Vereinbarkeit von Familie bzw. Pflege und Beruf.

4.2. Wie beurteilen Sie die Erfahrungen bei der Erprobung des Praxissemesters und wollen Sie dieses flächendeckend einführen?

Wir treten für eine Weiterentwicklung der Lehrerbildung ein. Überdies wollen wir die Praxisanteile während des Lehramtsstudiums weiter ausbauen. Um die didaktische Eignung künftiger Lehramtsstudierender festzustellen, sprechen wir uns für ein verpflichtendes Praktikum in einer allgemeinbindenden Schule vor der Einschreibung aus. Darüber hinaus soll es auf freiwilliger Basis möglich sein, eine eignungsdiagnostische Feststellung zu Beginn des Studiums durchzuführen.

Die didaktische Befähigung für den Lehrerberuf ist grundlegend für die Qualität des Unterrichts. Wir sprechen uns daher für die Beibehaltung des 21-monatigen Referendariats aus.

Lehramtsstudierende müssen angemessen auf die Praxisanforderungen des Lehrerberufs vorbereitet werden. Um berufsbiografische Brüche möglichst zu vermeiden, werden wir mit Beginn des Lehramtsstudiums eine Reflexion persönlicher Kompetenzen und der Eignung verbindlich gestalten. Zum Praxissemester, das an den Universitäten Kassel, Gießen und Frankfurt erprobt wird, gibt es zwar einen internen, nicht-öffentlichen Zwischenbericht, aber noch keine Abschlussbericht. Sofern dieser unseren Vorhaben nicht entgegensteht, beabsichtigen wir mit einer Erhöhung aller Lehramtsstudiengänge auf zehn Semester auch das Praxissemester in der zweiten Studienhälfte flächendeckend zu implementieren.

Wir finden das Konzept eines Praxissemesters hilfreich, um eine stärkere Vernetzung und Abstimmung zwischen der universitären Phasen und der zweiten Phase in den Studienseminaren zu erreichen. Ziel ist eine verstärkte Verzahnung von Praxisanteilen und theoretischen Lehrinhalten. Das Praxissemester dient den Studierenden zum Sammeln von Erfahrungen bei der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig wird den Studierenden frühzeitig ein realistisches Bild ihres Berufs eröffnet. Wir sind überzeugt davon, dass eigene Unterrichtsversuche auch in der ersten Hälfte des Studiums notwendig sind, um den Studierenden den Rollenwechsel zum Lehrer zu ermöglichen und Erfahrungen zu machen, die ihnen helfen, sich im Zweifel klar zu werden, ob die Tätigkeit als Lehrerin oder Lehrer das Richtige für sie ist. Nach der ersten Erprobungsphase wollen wir allerdings noch Nachbesserungen an der jetzigen Regelung anbringen.

Praktische Erfahrungen sind unabdingbar und sollten verbindlich sein. DIE LINKE kann den Überlegungen zu einer einphasigen Lehrkräfteausbildung einiges abgewinnen. Denn es bedarf einer intensiven Verschränkung von Theorie und Praxis während der Ausbildung.

Wir sind der Überzeugung, dass angehende Lehrkräfte qualifizierte Fachleute und exzellente Praktiker sein müssen und deshalb fordern wir, dass die bildungsgangbezogene Ausbildung an die veränderte Lebenswirklichkeit und neue Herausforderungen angepasst und die Reform der Lehrerausbildung endlich fortgeführt wird. Aber zunächst gilt es, das umstrittene Praxissemester zu evaluieren, die Ergebnisse auch öffentlich zu machen und notwendige Veränderungen vorzunehmen, so dass wir von einer flächendeckenden Einführung Abstand nehmen. Wir sprechen uns prinzipiell dafür aus, die Praxisanteile im Studium zu erhöhen, um eine stetige Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu gewährleisten und unterstützen die Hochschulen in ihren Bemühungen, durch frühzeitige Beratung und intensive Begleitung die Studierenden zur kritischen Selbstreflexion zu befähigen, inwieweit eine Tätigkeit als Lehrkraft für sie sinnvoll ist oder ob ein anderer beruflicher Werdegang eingeschlagen werden sollte. Die Wahrnehmung entsprechender Angebote soll für Studierende verpflichtend sein.

4.3. Wann kommt nach den Vorstellungen Ihrer Partei endlich die erforderliche Entlastung von Mentorinnen und Mentoren?

Die Mentorentätigkeit gehört – wie im Übrigen auch vergleichbar in größeren Betrieben, in der Industrie, im Dienstleistungsgewerbe – zu den dienstlichen Aufgaben der Lehrkräfte. Beim Praxissemester gibt es wegen der besonderen Herausforderung eine Vergütung wegen der Teilnahme an der Vollerhebung (Evaluation).

Wir werden dafür sorgen, dass es eine entsprechende Entlastung gibt

Mentor*innen unterstützen die Studierenden während ihrer Praktika und des Referendariats und haben daher einen sehr hohen Anteil am Erfolg der guten Lehrerbildung. Im derzeitigen System der Lehrerbildung wird das nicht ausreichend gewürdigt. Die Weiterqualifizierung von Mentor*innen sowie die Wertschätzung für ihre Arbeit, zusätzlich zu ihrer regulären dienstlichen Tätigkeit sind für uns zwei Seiten einer Medaille.

Wir als Opposition können das Thema präsent halten und darauf drängen, dass der Arbeit der Mentorinnen und Mentoren ein entsprechender Stellenwert beigemessen wird. Die Entlastung ist dringend nötig!

Die Notwendigkeit der Veränderung wird gesehen, aber nicht losgelöst von der Weiterführung der Reform der Lehrerausbildung, die zwingend erforderlich ist, und von haushaltpolitischen Gesichtspunkten.

4.4. Für die Finanzierung der Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer stehen jeder Schule für jede Stelle 40 Euro pro Jahr zu. Halten Sie dies für ausreichend und welche Schritte werden Sie gehen?

Im Hinblick auf die Umsetzung passgenauer Angebote zur Qualitätsentwicklung der Schulen in Hessen hat das CDU-geführte Kultusministerium erst kürzlich wichtige Veränderungen bei der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften vorgenommen. So orientieren sich die unterschiedlichen Angebote der hessischen Kultusbehörden seither vor allem an der konkreten Nachfrage nach gezielten Veranstaltungen und Inhalten einerseits sowie an landesweit einheitlichen Qualitätsstandards andererseits. Um auf den konkreten Bedarf und die Anliegen der teilnehmenden Lehrkräfte einzugehen, wurden bei der Konzeptentwicklung von Anfang an Akteure aller Schulformen einbezogen. In einem kontinuierlichen Prozess sind diese bereitstehenden und zertifizierten Angebote fortwährend zu evaluieren und bedarfsgerecht anzupassen.

Nein, wir halten die Summe für zu niedrig. Wir wollen die staatliche Lehrerfortbildung ausbauen und deutlich mehr kostenfreie Fortbildungen anbieten. Um die permanente Lehrkräftefortbildung vor Ort zu stärken, wollen wir die Hessische Lehrkräfteakademie um drei regionale Kompetenzzentren und ein Fortbildungskolleg mit der Zuständigkeit für berufsbegleitende Weiterentwicklung und Schulentwicklung erweitern. Ob vor diesem Hintergrund das Schulbudget noch angehoben werden muss, gilt es mit den Schulen und Verbänden zu besprechen.

Der entscheidende Faktor zum Gelingen von schulischer Bildung ist die Lehrerin bzw. der Lehrer. Die Fortbildung der Lehrkräfte ist Studien zufolge eines der wichtigsten Instrumente zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung von Unterricht. Wir wollen daher die in der Lehrer*innenbildung tätigen Institutionen enger vernetzen, die Aus-, Fort- und Weiterbildung an die neuen Herausforderungen anpassen und diesen in der schulischen Praxis einen höheren Stellenwert einräumen.

Das ist auf keinen Fall ausreichend! DIE LINKE steht für berufsbegleitende, bezahlte Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Eine bedarfsgerechte Überprüfung und ggf. Anpassung ist notwendig, denn die Fort- und Weiterbildung muss wie die Ausbildung den Anforderungen eines inklusiven Schulsystems, der individuellen Förderung und der Selbstständigen Schule, den Folgen des demografischen Wandels und den Risiken und Chancen neuer Medien Rechnung tragen. Zur Fort- und Weiterbildung müssen auch Angebote zur Lehrergesundheit gehören. Lehrkräfte dürfen sich nicht alleingelassen fühlen, sondern müssen durch besondere Qualifizierungsmaßnahmen dazu befähigt werden, den gewachsenen Anforderungen im Berufsalltag nachzukommen. Die Anzahl der Schulberater und Fortbildner muss dem Bedarf angepasst werden.