Landtagswahl nachgefragt: 1. Frühe Bildung

1.1. Was werden Sie tun, um den Personalschlüssel in den Kindertageseinrichtungen und die Arbeitsbedingungen in den Kitas zu verbessern?

Wie der aktuell vorliegende Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung festgestellt hat, hat sich Hessen im Hinblick auf den Personalschlüssel im Betrachtungszeitraum der fünf Jahre über alle Bereiche verbessert: im Bereich der Unterdreijährigen von 4,1 auf 3,9 und im Bereich der über Dreijährigen liegt Hessen stabil bei 9,7. Es ist eine große Leistung, dass dieses Niveau gehalten werden konnte, obwohl parallel immer mehr Eltern Betreuungsplätze in Anspruch genommen haben. Die Kommunen, die für die Kinderbetreuung zuständig sind, müssen den Spagat schaffen, mehr Plätze zur Verfügung zu stellen und die dazu erforderlichen Erzieherinnen und Erzieher einzustellen. Die Rahmenbedingungen sind in Hessen einheitlich geregelt, innerhalb dieser setzen die für die Kinderbetreuung zuständigen Kommunen eigene Schwerpunkte, was dann auch zu regionalen Unterschieden führt. Viele Städte und Gemeinden in Hessen machen vor, wie man das gut und im Sinne der Familien vor Ort regeln kann. Dabei unterstützt sie die CDU-geführte Hessische Landesregierung mit so viel Geld wie nie zuvor. So stehen für die Kinderbetreuung im Doppelhaushalt 2018/2019 fast 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Unser Gesetzentwurf, den wir in diesem Jahr vorgelegt haben, sieht die Einführung eines Zuschlag von fünf Stunden pro Gruppe für die Leitungstätigkeit und eines Zuschlags von 20% für die mittelbare pädagogische Arbeit (Elternbespräche, Vor- und Nachbereitung etc.) vor. Den Zuschlag für Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit, Fortbildung) wollen wir auf ein realistisches Maß von 20% anpassen. Damit verbessern wir den Fachkraftschlüssel deutlich.

Zuletzt haben wir GRÜNE durch das große Kita-Paket umfangreiche Qualitätsverbesserungen – auch in der Betreuung – erreicht. So investieren wir in den Jahren 2018 und 2019 knapp 50 Millionen Euro in die bessere Betreuung, ab 2020 fließen die 50 Millionen Euro jährlich. Damit erhöhen wir die Qualitätspauschale, die den Kitas die Möglichkeit gibt, auf die individuellen Herausforderungen zu reagieren, z.B. durch mehr Fachkraftstunden, Fortbildungen oder weiteres pädagogisches Material. Die Arbeitsbedingungen für Erzieher*innen können somit entscheidend verbessert werden. Hierfür sind auch das Betreuungsverhältnis und die Gruppengröße wesentliche Elemente. Die Fachkräfte brauchen mehr Zeit für Vernetzungs- und Konzeptionsarbeit sowie ausreichende Möglichkeiten, sich kontinuierlich weiter zu qualifizieren. Hierfür wollen wir weitere Landesmittel zur Verfügung stellen.

Auf acht bis zehn Kinder unter drei Jahren müssen zwei Vollzeitstellen kommen. Bei Kindern über 3 Jahren sollten zwei Erzieher/innen in Vollzeit maximal 20 Kinder betreuen. Da Frühe Bildung eine kommunale Aufgabe ist, müssen die Kommunen für ihre Aufgaben finanziell ausreichend ausgestattet werden. Andernfalls wird es weiter zu Unterbezahlung, Arbeitsüberlastung und auch Privatisierungen von Kindertageseinrichtungen kommen.

Wir verweisen auf den Gesetzentwurf der FDP-Fraktion (Landtagsdrucksache 19/6283); Veränderung des Fachkraftfaktors, so dass die Fachkraft-Kind-Relation verbessert wird; Anerkennung der mittelbaren pädagogischen Arbeit; Leitungsfreistellung; Erhöhung der Qualitätspauschale, so dass diese in die unmittelbare pädagogische Arbeit fließen kann; Ausfinanzierung der vierten Stufe des Betreuungsumfangs

1.2. Was werden Sie tun, um mehr ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen und mehr Nachwuchskräfte auszubilden?

Erfreulicherweise wählen bereits heute immer mehr Menschen in Hessen den Beruf des Erziehers oder der Erzieherin. Seit der Kampagne „Große Zukunft mit kleinen Helden“, die die Hessische Landesregierung im Jahr 2010 gestartet hat, sind die Ausbildungszahlen in diesem Bereich kontinuierlich gestiegen – und zwar auf historische Höchststände. Insgesamt hat sich die Zahl derer, die in Hessen in der Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher sind, auf 8.400 im Ausbildungsjahr 2017/2018 nahezu verdoppelt. Da aber immer mehr Eltern Familie und Beruf vereinbaren wollen, kann der Anstieg der Ausbildungszahlen mit dem immer weiter ansteigenden Bedarf an Betreuung und Mehrbedarf an Erzieherinnen und Erziehern nicht Schritt halten. Aus diesem Grund werden wir von der CDU die Hessische Landesregierung darin unterstützen, ihre Bedarfserhebung im Herbst zu aktualisieren, um weiter zielgerichtet handeln zu können. Weitere Ansatzpunkte sind Schulpraktika, damit Schülerinnen und Schüler den Beruf schon früh kennenlernen können und soziale Freiwilligendienste, um junge Menschen für die Tätigkeit im Bereich der Kinderbetreuung zu begeistern. Darüber hinaus sollen die Kommunen bei der Rekrutierung von Erzieherinnen und Erziehern unterstützt werden. Wichtig ist, junge Menschen über den Beruf des Erziehers / der Erzieherin und die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten gut und frühzeitig zu informieren. Dazu gehören neben der „klassischen“ Ausbildung an einer Fachschule die Möglichkeit einer praxisintegrierten Ausbildung mit Vergütung und diverse Studiengänge. Gleichzeitig werden wir prüfen, wie die Ausbildung modifiziert und reformiert werden kann, um sie noch attraktiver zu gestalten. Dazu gehört auch die Frage des Verdienstes. Zudem sollen Quereinsteigerinnen und -einsteiger unterstützt werden, da sie mit den Erfahrungen, die sie mitbringen, als pädagogische Fachkräfte eine wertvolle Bereicherung für die Erzieherteams in den Kindergärten darstellen. Fachkräfte in den Kitas müssen besonders in den Blick genommen werden, damit sie sich dort wohl fühlen. Nur unter diesen Voraussetzungen kann die Qualität der Betreuung gehalten und weiter ausgebaut werden. Mit diesem Bündel an Maßnahmen wollen wir gemeinsam mit allen Akteuren aus der Praxis den wachsenden Bedarf an Fachkräften decken.

Fachkräfte kritisieren vor allem die derzeitigen Arbeitsbedingungen. Hessen ist bei der Fachkraftquote im Kindergarten Schlusslicht bei den westdeutschen Bundesländern. In dem wir die Arbeitsbedingungen verbessern (siehe Antwort auf Frage 1), können wir mehr Fachkräfte im Beruf halten und wahrscheinlich auch mehr Teilzeitkräfte dazu bewegen, ihre Stundenzahl zu erhöhen. Außerdem wird der Beruf dadurch attraktiver für Nachwuchskräfte. Die Zahl der angebotenen Fachschulplätze für Sozialwesen muss erhöht werden.

Noch immer fehlen Erzieher*innen. Alle Untersuchungen zeigen, dass die Ausbildung und der Beruf insgesamt attraktiver werden müssen. Dazu gehört eine gute und gerechte Bezahlung, weniger Belastung im Arbeitsalltag und eine angemessene und attraktive Ausbildung. Wir GRÜNE fordern die Tarifpartner auf, die Arbeit von Erzieher*innen besser zu vergüten. Auch die teilweise fünfjährige Ausbildung ist ein Abschreckungsgrund. Mit allen Akteuren und Expert*innen des Bereiches werden wir versuchen, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Die derzeit laufenden Versuche der dualen Ausbildung für den Erzieherberuf wollen wir auswerten, um das Programm hessenweit stärker anzubieten.

Unstrittig ist die Bedeutung früher Bildung. Also muss die frühe Bildung öffentliche Aufgabe sein und darf keinesfalls privaten Anbietern überlassen werden. Lohndumping hat in Kindereinrichtungen nichts verloren. Erzieherinnen und Erzieher brauchen eine qualifizierte Ausbildung, gute berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und eine deutlich bessere Entlohnung. Die Ausbildungskapazitäten reichen nach wie vor nicht aus. Dies und ein besserer Betreuungsschlüssel machen den Beruf attraktiver.

Einberufung des Runden Tisches Kinderbetreuung mit Schwerpunkt Fachkräftemangel; Ausweitung der Möglichkeiten der praxisintegrierten Ausbildung; Veränderung der Ausbildungsvergütung, so dass die Auszubildenden analog zu anderen Ausbildungen eine Vergütung erhalten; Überarbeitung der Bedarfsanalyse von 2011 unter Berücksichtigung des bedarfsgerechten Ausbaus und der veränderten Beschäftigungsstruktur (z.B. durch Renteneintritt, Entwicklung von Teilzeitstellen, Freistellung von Leitungskräften) und Erarbeitung eines Konzepts zur Fachkräftegewinnung in Hessen; Evaluierung der Ausbildung an den Fachschulen, von Best-Practice-Modellen und Weiterentwicklung beispielsweise der „Praxis Integrierte Teilzeitausbildung“ (PIT) mit dem Ziel der Übertragung; Stärkung der Möglichkeiten des Quereinstiegs, berufsbegleitende vergütete Ausbildungsgänge für Erzieherinnen und Erzieher sowie die tätigkeitsbegleitende Ausbildung und Weiterqualifizierung