Jetzt kommt‘s drauf an!

Tarif- und Besoldungsrunde 2026 in Hessen startet | HLZ 3/4 2026

Die Tarifverhandlungen im Bereich der anderen Bundesländer (Tarifgemeinschaft deutscher Länder, Hessen ist hier nicht Mitglied) sind am 14. Februar 2026 zu Ende gegangen. Das Ergebnis steht noch unter Gremienvorbehalt.

Die Tarif- und Besoldungsrunde 2026 in Hessen, die erst am 27. Februar startete, findet angesichts des Potsdamer Ergebnisses nicht im luftleeren Raum statt. Beide Seiten werden die Tarifeinigung mit der TdL im Blick haben, wenn hier für die Landesbeschäftigten verhandelt wird. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt: Es gibt inhaltlich keinen automatischen Zusammenhang zwischen dem TdL-Ergebnis und einer möglichen Einigung in Hessen. Die hessische Tarifauseinandersetzung und möglicherweise notwendige Warnstreiks mit dem Hinweis darauf abtun, dass mit Wiesbaden sowieso das vereinbart wird, was vorher für die Beschäftigten der anderen Bundesländer als Kompromiss gefunden wurde, wäre eine fahrlässige Fehleinschätzung. Denn seitdem nach der Tarifflucht der Regierung Koch 2010 der TV-Hessen in Kraft getreten ist, war es Strategie der Arbeitgeberseite, tarifliche Abweichungen vom Reglement in den anderen Bundesländern festzuschreiben.Denn die „hessische Tariflandschaft“ wollte und will eben nicht nur politisch postuliert, sondern auch inhaltlich begründet werden.

So ist zum Beispiel die von Anfang an vergleichsweise hohe Wochenarbeitszeit des TV-Hessen zu nennen, die spürbar über dem Durchschnitt der westdeutschen Flächenländer liegt. Seit 2017 gab es aber auch vermehrt Verbesserungen zugunsten der hessischen Angestellten: Stufengleiche Höhergruppierung, LandesTicket, zuletzt eine zusätzliche Anhebung der Jahressonderzahlung, die ein knappes halbes Prozent beim Jahreseinkommen ausmacht. Die Festschreibung von zusätzlichen Dauerstellen im Hochschulsektor kommt hinzu.

Die Tarifverhandlungen in Hessen sind also kein Selbstläufer. Es gibt keinen Automatismus zum TdL-Ergebnis, und für Abweichungen zugunsten der Beschäftigten zu kämpfen, lohnt sich allemal: für 7 Prozent, mindestens 300 Euro und einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte. Beteiligt euch deshalb an den Aktionen, zu denen die Gewerkschaften jetzt in der heißen Phase der Auseinandersetzung aufrufen! Wir haben keine Veranlassung, von unseren berechtigten Forderungen abzurücken. Am 26. März startet die möglicherweise entscheidende Verhandlungsrunde. Die Beschäftigten müssen der Landesregierung bis dahin unmissverständlich zu verstehen geben, dass sie einmütig hinter den gewerkschaftlichen Forderungen stehen.

Demonstration der Beamt:innen

Die entscheidenden Tage in der Tarif- und Besoldungsrunde mit dem Land Hessen liegen unmittelbar vor uns. Am 26. und 27. März 2026 treffen sich im südhessischen Seeheim Gewerkschaften und die Vertreter:innen des Innenministeriums, um möglicherweise abschließend über die zukünftige Einkommensentwicklung der Landesbediensteten zu verhandeln. Keine Person, die für das Land Hessen arbeitet, und erst recht kein Gewerkschaftsmitglied sollte diese Tarif- und Besoldungsauseinandersetzung mit dem Argument auf die leichte Schulter nehmen, dass Hessen auch ohne unser gewerkschaftliches Engagement das macht, was für die Beschäftigten der anderen Bundesländer vereinbart wurde. Wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, ist die hessische Tarifrunde kein Selbstläufer. Daher ist jetzt, in der heißen Phase der Auseinandersetzung das entschiedene Engagement aller Beschäftigtengruppen gefragt!

Wenn das Land kein verhandlungsfähiges Angebot vor der letzten bisher vereinbarten Runde in Seeheim vorlegt, dann wird es erfahrungsgemäß kurz zuvor zu hessenweiten Arbeitskämpfen kommen. Bei den Demonstrationen in Frankfurt und Kassel am Samstag, den 21. März, sind aktive Beamt:innen und Versorgungsempfänger:innen aufgefordert, auf der Straße ihre Solidarität mit dem Arbeitskampf der Tarifbeschäftigten zu zeigen, der möglicherweise kurz danach seinen Höhepunkt erreicht.

Bestandteil des Forderungskataloges bei der Tarifverhandlung ist die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf die Besoldung. Das Ende 2025 ergangene Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur amtsangemessenen Alimentation in Berlin hat nochmals klargemacht, dass Besoldungsgesetze die Entwicklung bei den Entgelten für die entsprechenden Tarifbeschäftigten nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Dass die Erhöhungsschritte bei den Tarifbeschäftigten auch besoldungsrechtlich umgesetzt werden, liegt in der Logik der höchstrichterlichen Entscheidung. Allerdings ist an dieser Stelle an die letzte Tarif- und Besoldungsrunde zu erinnern: Die schwarz-rote Koalition verschob die bereits beschlossene Anhebung der Bezüge für Beamt:innen und Versorgungsempfänger:innen 2025 trotz aller Proteste um vier Monate.

Tarifrunden sind für Gewerkschaften immer auch Hochphasen der Mitgliedergewinnung. Eine starke Tarifbewegung, die am 21. März von den hessischen Beamt:innen solidarisch unterstützt wird, ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Die engagierten GEW-Kolleg:innen müssen übrigens auch in den Schulen und Hochschulen sichtbar und ansprechbar sein, um Tarifbeschäftigte für einen möglichen Arbeitskampf und eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Beamtete GEW-Mitglieder können die Tarifbeschäftigten bei der Informations- und Organisationsarbeit in der Tarif- und Besoldungsrunde unterstützen. Die GEW stellt dazu Materialien zur Verfügung (1). Von einer starken GEW haben Beamt:innen genauso etwas wie Tarifbeschäftigte.

Die GEW setzt sich weiterhin dafür ein, das Menschenrecht auf Streik auch für beamtete Lehrkräfte in Deutschland durchzusetzen. Wegen des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom Dezember 2023 ist eine Beteiligung von Beamt:innen im Rahmen eines Streiks bei der Tarif- und Besoldungsrunde 2026 keine Option. Wir sollten aber dem Dienstherren deutlich machen, dass dieses Urteil das Engagement der beamteten Kolleg:innen, sich für eine gute Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen, nicht zu mindern vermag.

Die Folgen der Kürzungspolitik der Landesregierung wurden in den vergangenen Wochen Stück für Stück öffentlich. Die geplanten Einsparungen treffen auch den Bildungsbereich  in skandalöser Weise. Die Demonstrationen am 21. März sind selbstverständlich über die Tarif- und Besoldungsrunde hinaus eine sehr gute Möglichkeit, um uns gemeinsam gegen diese Bildungskürzungen zu wehren.

(1) www.gew-hessen.de/tarifrunde-hessen-2026