Erneuter Warnstreik, auch in Frankfurt

20. Oktober 2020

In mehreren hessischen Städten waren am heutigen Dienstag die kommunalen Beschäftigten zu Warnstreiks aufgerufen. Arbeitsniederlegungen  gab es unter anderem in Kassel, Wiesbaden, Marburg, Darmstadt, Rüsselsheim und Gießen.

In Frankfurt versammelte sich vor dem DGB Haus eine Vielzahl von Streikenden, unter ihnen rund 150 Mitglieder der GEW, um sich in die Streiklisten einzutragen. Insbesondere Erzieher und Erzieherinnen sowie Sozialpädagoginnen und –pädagogen aus kommunalen Einrichtungen, aber auch Beschäftigte der Arbeiterwohlfahrt oder der ASB Lehrerkooperative hatten die Arbeit niedergelegt. 

Die Vorsitzende der GEW Hessen, Birgit Koch, kritisierte in ihrer Rede scharf das Angebot der Arbeitgeber von Ende letzter Woche als Provokation: Eine Erhöhung der Entgelte mit zwei jährlichen Ein-Prozent-Schritten und einer Steigerung um 1,5 Prozent im letzten Jahr über drei Jahren hinweg sei das Gegenteil von Anerkennung für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Arbeitgeber verlören offensichtlich zudem auch völlig aus den Augen, dass der Sozial- und Erziehungsdienst attraktiver werden müsse, um heute und morgen die dringend benötigten Fachkräfte für die Arbeit in Kitas und sozialpädagischen Einrichtungen zu gewinnen.

Birgit Koch weiter: "Die zweite Corona-Welle ist da. Einmal mehr wird in dieser Situation deutlich: Der öffentliche Dienst ist unverzichtbar. Das hatte bereits die schwierige Situation im Frühjahr gezeigt. Systemrelevant hieß damals das Zauberwort. Systemrelevant in der Krise. Systemrelevant sind Erzieherinnen und Erzieher allemal. Und deshalb: Her mit der Kohle! Her mit der Kohle für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas. Her mit der Kohle für die Erzieherinnen und Erzieher, für die Helden und Heldinnen des Alltags, wie es im Frühjahr so schön hieß. Gerne wird von Wertschätzung für die Erzieherinnen und Erzieher Gesprochen. Wertschätzung für die gute qualitative Arbeit, die sie leisten. Wir fordern nun auch Anerkennung, Anerkennung durch Gehaltssteigerung. Dafür streiken wir heute. Natürlich geht es um Lohnsteigerung, aber es geht auch um die Zukunft des Berufs Erzieherinnen und Erzieher. Es geht um die Perspektive des Berufs Erzieherinnen und Erzieher. Dem Mangel an Fachkräften ist nur zu begegnen, wenn der Beruf Erzieherinnen und Erzieher attraktiv ist und das hat zu tun mit gerechter Bezahlung und mit guten Arbeitsbedingungen."

Nach der Versammlung liefen die Kolleginnen und Kollegen bei Sonnenschein und bester Laune zum nahegelegenen Mainufer, wo sie mit den Streikenden der anderen Gewerkschaften Menschenketten auf beiden Seiten des Flusses zwischen Holbeinsteg und über den Eisernen Steg hinaus bildeten.

Die vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens im Rhein-Main-Gebiet sehr gute Beteiligung am heutigen Warnstreik in der Mainmetropole machte ebenso wie die kämpferische Stimmung deutlich: Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit, sich bei den Tarifverhandlungen in Potsdam, die am 22. Oktober fortgesetzt werden, abspeisen zu lassen.

Corona und vorgeblich leere Kommunalkassen zählen nicht als Argument. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten spätestens am Wochenende ein Ergebnis, mit dem ihre gesellschaftlich wichtige Arbeit anerkannt wird und mit dem eine gute Zukunft des Sozial- und Erziehungsbereichs gesichert werden kann.

Die Gewerkschaften fordern in der laufenden Tarifrunde 4,8 Prozent mehr Gehalt, mindestens 150 Euro im Monat bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

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