Sparpolitik geht zulasten von Kindern, Familien und Beschäftigten

GEW Hessen warnt vor Folgen einer unzureichenden Finanzierung der Ganztagsangebote | Pressemitteilung

Frankfurt: Die GEW Hessen warnt eindringlich vor den absehbaren Folgen einer unzureichenden Finanzierung der Ganztagsangebote in Hessen. Aktuelle Entwicklungen aus dem Landkreis Kassel sowie aus dem Kreis Offenbach zeigen: Der Ganztag steht zunehmend unter massivem Spardruck – mit gravierenden Konsequenzen für Bildungsgerechtigkeit und Arbeitsbedingungen.

In einem Schreiben von Silke Engler, der Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Kassel, wird deutlich, dass die finanziellen Mittel für die Schuljahre 2026/2027 nicht ausreichen. Bestehende Angebote stehen demnach auf dem Prüfstand. Gleichzeitig wird aus dem Kreis Offenbach berichtet, dass Ganztagsangebote künftig nur noch für Kinder vorgehalten werden sollen, deren Eltern diese zusätzlich finanzieren können. Bisher wurden aus den Ganztagsbudgets auch Angebote für alle Kinder ermöglicht – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. „Das ist ein bildungspolitischer Rückschritt mit Ansage“, kritisierte Heike Ackermann, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. „Ganztag darf kein Luxus werden. Wenn Angebote nur noch für diejenigen zugänglich sind, die es sich leisten können, wird Chancengleichheit systematisch untergraben.“

Die GEW Hessen betont, dass ein qualitativ hochwertiger Ganztag verlässliche Rahmenbedingungen braucht: ausreichend Personal, gute Arbeitsbedingungen, Zeit für pädagogische Qualität und eine solide öffentliche Finanzierung. Stattdessen droht nun ein Sparkurs, der auf Kosten der Beschäftigten, der Kinder und ihrer Familien geht.

„Schon jetzt arbeiten viele Kolleg:innen am Limit. Wenn Mittel gekürzt werden, bedeutet das in der Praxis: weniger Angebote, größere Gruppen, geringere pädagogische Qualität und steigender Druck auf das Personal“, sagte Ackermann. „Das widerspricht diametral dem Anspruch eines guten Ganztags, der Bildung, Förderung und soziale Teilhabe für alle sichern soll.“

Vor dem Hintergrund des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter ab dem Schuljahr 2026/2027 fordert die GEW Hessen ein entschiedenes Umsteuern:

  • eine auskömmliche und langfristig gesicherte Finanzierung,
  • verbindliche Qualitätsstandards,
  • sowie bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

„Wer den Ganztag ausbaut, muss ihn auch finanzieren – alles andere ist Augenwischerei. Bund und Land dürfen die Kommunen finanziell nicht im Regen stehen lassen“, fordert Ackermann, die selbst Grundschullehrerin ist. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen: Ohne entschlossene politische Entscheidungen droht der Ganztag zum Sparmodell zu verkommen. Das dürfen wir nicht zulassen.“