GEW Hessen fordert verbindliche Korrekturtage und Arbeitszeiterfassung

Abschlussprüfungen stark belastend und GEW Hessen kündigt neue Arbeitszeiterfassungs-App für Mitglieder an | Pressemitteilung

Frankfurt: Mehrere hundert Lehrkräfte haben auch in diesem Jahr wieder ihre Mehrarbeit aufgrund der Korrektur von Abschlussprüfungen in einer Online-Abfragen dokumentiert. Angesichts der hohen Arbeitsbelastung fordert die GEW Hessen, dass das Kultusministerium einheitliche Korrekturtage gewährt. Außerdem belegten die Ergebnisse, wie dringend die systematischen Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte an hessischen Schulen sei. 

Die GEW Hessen hat zum fünften Mal eine Online-Befragung bereitgestellt, durch die Lehrkräfte ihre Mehrarbeit aufgrund der Korrektur von schriftlichen Abschlussprüfungen dokumentieren konnten. Zwei Umfragen haben den Korrekturaufwand für die Abitur- und Abschlussprüfungen (Haupt- und Realschulabschluss sowie verschiedene Abschlüsse an berufsbildenden Schulen) erfasst. Da die Abitur- und Abschlussprüfungen seit 2021 nach Ende der Osterferien geschrieben werden, führt dies während des normalen Schulbetriebs zu einer extremen zeitlichen Belastung für die korrigierenden Lehrkräfte. 

Nach Einschätzung von Thilo Hartmann, dem Vorsitzenden der GEW Hessen, gehen die ermittelten Korrekturzeiten weit über ein erträgliches Maß hinaus: „Im Durchschnitt arbeiten Lehrkräfte an Gymnasien in der Korrekturphase des Abiturs je nach Stellenumfang zusätzlich fast 40 Stunden oder mehr. An den anderen Schularten liegt der durchschnittliche Mittelwert zwar etwas niedriger, aber immer noch bei mehr als 30 Stunden. Da ist es kein Wunder, dass die große Mehrzahl der Lehrkräfte sich für verbindliche Korrekturtage ausspricht. Dieser Forderung sollte das Ministerium im kommenden Jahr nachkommen.“ 

Ganz generell ist es laut Hartmann an der Zeit, dass sich das Kultusministerium endlich mit dem Thema der Lehrkräftearbeitszeit auseinandersetzt: „Viele Lehrkräfte arbeiten jenseits der Belastungsgrenze. Das Kultusministerium muss die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts zur verpflichtenden Zeiterfassung endlich umsetzen. Die von uns ermittelten Zahlen zu den Korrekturzeiten im Rahmen der schriftlichen Abschlussprüfungen unterstreichen, wie dringlich die Einführung einer systematischen Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte an hessischen Schulen ist.“ 

Damit die schulischen Beschäftigten ihre Arbeitszeiterfassung selbst in die Hand nehmen können, bietet die GEW Hessen ihren Mitgliedern eine exklusive App zur Arbeitszeiterfassung an. Diese wird zum Schuljahresstart 2026 /2027 verfügbar sein. Die Web-App ist auf die Bedürfnisse der Beschäftigten abgestimmt. Somit kann die Arbeitszeit einfach, datensicher und flexibel erfasst werden. Die Vorstellung der App erfolgt vor dem Beginn des neuen Schuljahres.

Zum Hintergrund: 
Die GEW Hessen führt ihre Umfragen bereits im fünften (Abiturprüfungen an Gymnasien) beziehungsweise vierten Jahr (Abschlussprüfungen an anderen Schularten) in Folge durch. Das Kultusministerium weigert sich bislang, die durch die Abschlussprüfungen entstandene Mehrarbeit der Lehrkräfte zu messen oder verbindliche Korrekturtage einzuführen. Die Auswertung der diesjährigen Rückmeldungen finden Sie im Anhang.