Wiesbaden: Eine Delegation von Berufsschullehrkräften hat gestern über 3.000 Unterschriften an Innenminister Poseck übergeben. Die Unterzeichenenden und die GEW Hessen fordern die Anhebung der Besoldungsgruppe und die Angleichung der Pflichtstunden für Fachlehrkräfte an den hessischen berufsbildenden Schulen.
Fachlehrer:innen verfügen über eine fundierte berufliche Ausbildung, häufig ergänzt durch eine Weiterbildung zum Meister, staatlich geprüften Techniker oder Ingenieur. Sie bringen jahrelange Praxiserfahrung mit und absolvieren denselben Vorbereitungsdienst wie Studienräte. Dennoch sind ihre Arbeitsbedingungen deutlich schlechter: Sie unterrichten eine Stunde pro Woche mehr als die anderen Lehrkräfte in Hessen und verdienen monatlich zwischen 1000 und 1400 Euro weniger.
Heike Ackermann, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen, fordert das Innenministerium und das Kultusministerium auf, hessische Fachlehrkräfte endlich gerecht zu besolden: „Es ist nicht vermittelbar, dass Kolleg:innen mit gleicher Verantwortung, gleicher Ausbildung im Vorbereitungsdienst und vergleichbarer Unterrichtsleistung unterschiedlich bezahlt werden. Gleiche Arbeit muss auch gleich vergütet werden.“ Die Fachlehrkräfte würden schon seit Jahren auf eine Angleichung warten. „Auch in den wirtschaftlich starken Jahren wurden die Kolleg:innen mit dem Argument abgewiesen, dass die schlechte Haushaltslage eine Aufwertung nicht möglich macht. Dass die Anpassung nicht umgesetzt wird, liegt also nicht am Haushalt, sondern am fehlenden politischen Willen.“
Die GEW Hessen fordert im Hinblick auf die Fachlehrkräfte vom Innenministerium und dem Kultusministerium:
- Erstens soll die Anzahl der Pflichtstunden für alle Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen angeglichen werden – unabhängig davon, ob ein Lehramt vorliegt oder nicht.
- Zweitens soll das Einstiegsamt der Fachlehrkräfte im Beamtenverhältnis auf die Besoldungsgruppe A 11 festgelegt werden.
- Drittens soll ein verbindlicher Bewährungsaufstieg geschaffen werden, der langfristig in die Besoldungsgruppe A 13 als Endstufe des gehobenen Dienstes führt.
- Viertens braucht es eine Qualifizierungsmaßnahme unter fairen Bedingungen, die Fachlehrer:innen den Erwerb eines Lehramts ermöglicht. Dieses berufsbegleitende Studium soll mit ausreichender Freistellung und einem realistischen Unterrichtseinsatz verbunden sein und den Übergang in den höheren Dienst eröffnen.
„Wir reden hier nicht über Privilegien, sondern über Gerechtigkeit“, betont Ackermann. „Die aktuelle Situation ist ein strukturelles Ungleichgewicht, das die Attraktivität des Berufs gefährdet und dringend korrigiert werden muss.“
Die Petition und weiterführende Informationen finden Sie hier.