Fünf bis zehn Prozent der Menschen sind lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender (kurz: lsbt). Damit gibt es in jeder Klasse genauso viele „Betroffene“ wie Linkshänder_innen. Anders als andere Minderheiten sind lsbt-Menschen in Schule überwiegend nicht sichtbar. In den seltenen Fällen der Sichtbarkeit erleben sie verbale und körperliche Gewalt. Während im Lebensalltag eine zunehmende Akzeptanz und eine rechtliche Gleichstellung zu beobachten sind, ist der Schulalltag von vollkommener Ignoranz gegenüber lsbt geprägt.

  • einer unterdrückten Persönlichkeitsentwicklung durch ein ständiges Gefühl des „Falsch seins“,
  • der Angst sich gegenüber anderen nicht öffnen zu können bzw. zu dürfen,
  • fehlenden Alltagsvorbildern,
  • einer eingeschränkten schulischen Leistungsfähigkeit (Rückzug aus dem Schulalltag bis hin zum Schulabbruch),
  • einem vier bis sieben Mal erhöhten Suizidrisiko im Vergleich mit heterosexuellen Altersgenoss_innen.
  • werden oft direkt oder indirekt zu einem Versteckspiel gezwungen,
  • verlieren ihre Authentizität und pädagogische Vorbildfunktion,
  • sind psychischen Belastungen bis hin zur dauerhaften Krankschreibung ausgesetzt.

Es geht nicht um eine Reduzierung auf die „private Sexualität“, sondern um das Erreichen einer Akzeptanz (statt Toleranz) eines individuellen Lebenskonzeptes im lsbt-Bereich: lsbt muss genau so selbstverständlich lebbar sein wie  Heterosexualität.

Schulleiter_innen sollten das Thema lsbt beispielsweise in einer Gesamtkonferenz ansprechen – verbunden mit einem Aufruf zur Auseinandersetzung und Schaffung einer Kultur des selbstverständlichen und problemfreien Umgangs seitens der Lehrer_innen ebenso wie seitens der Schüler_innen.

  • für Schulaufsicht und Schulleitungen (i.S. der Fürsorgepflicht)
  • für Lehrer_innen (i.S. der Schülerberatung und Unterrichtsthematik)
  • für Lehrer_innen im Vorbereitungsdienst (als Pflichtmodul)

Überarbeitung der Kerncurricula und Lehrpläne nicht nur in Sexualkunde und NaWi, sondern auch in allen anderen Fächern wie Gesellschaftswissenschaften, Deutsch und Fremdsprachen sowie Implementierung von Diskriminierung als Querschnittsthema (jeweils mit Handreichungen vom AfL zur konkreten Umsetzung im Unterricht).

Konkretisierung des Hessischen Referenzrahmens für Schulqualität in Bezug auf lsbt.

  • Sichtbarkeit im Sinnes eines selbstverständlichen Umganges schaffen!
  • Fürsorgepflicht des Dienstherrn für Lehrer_innen konkretisieren!
  • Bildungsauftrag für Schüler_innen umsetzen!
  • lsbt-Themen in Lehr- und (Aus-)Bildungsplänen verbindlich festschreiben!