Im Juli 1948 erschien die erste Ausgabe der HLZ, im Oktober gründete sich der Landesverband Hessen des Allgemeinen Lehrer- und Lehrerinnenverbands in Marburg. Diese Ereignisse waren der Anlass, bereits 2023 unsere Juli-August-Ausgabe „75 Jahren GEW & HLZ“ zu widmen. Doch ein eindeutiger „Geburtstermin“ lässt sich nicht bestimmen, denn erst im Folgejahr trat der Landesverband der GEW der britischen Zone bei. Die GEW wurde dann im Oktober Teil des neu gegründeten DGB. Angesichts dieses Prozesses bestand guter Grund, die 2024 stattfindende reguläre Landesdelegiertenversammlung mit einer angemessenen Würdigung von 75 Jahren GEW Hessen zu verbinden.
Rund 500 Gäste kamen am Abend des 26. September im Maritim Hotel am Schlossgarten in Fulda zusammen, um diesen Anlass zu feiern. Unter ihnen waren nicht nur die gut 300 Delegierten, die bereits die ersten Tagesordnungspunkte hinter sich gebracht hatten. Auch Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Organisationen, zu denen die GEW eine freundschaftliche Verbindung pflegt, waren gekommen. Zu den Jüngsten gehörten die Landesschulsprecherin und der Landesschulsprecher. Auch mehrere gegenwärtige und ehemalige Mitglieder des Hessischen Landtags aus den demokratischen Parteien waren vor Ort – von der Linken bis zur CDU. Das Gros der weiteren Gäste entfiel auf verdiente Kolleginnen und Kollegen, die den Landesverband – oftmals über viele Jahrzehnte – durch ihre ehrenamtliche Arbeit ausgemacht und geprägt haben. Dazu gehörten sowohl ehemalige Vorsitzende seit den 1970er Jahren wie auch Aktive aus den Fach- und Personengruppen sowie den regionalen Gliederungen. Hier können unmöglich alle Namen genannt werden, die genannt werden müssten.
Als erster Festredner wendete sich Dr. Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender der Bundes-GEW, an die Gäste. Er ist selbst, zunächst als Student und dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg, in der GEW Hessen „groß geworden“. Er wandelte einen an der Bundeslandgrenze auf der Autobahn zu lesenden Slogan ab in: „An der GEW Hessen führt kein Weg vorbei“. Diese These begründete er, der als Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung zuständig ist, empirisch valide und überzeugte damit alle Anwesenden.
Als ersten Beleg verwies Andreas Keller auf die Gesamtschulentwicklung in Hessen, die „viel mit der GEW Hessen zu tun hat, mit ihrer Kritik am gegliederten Schulsystem, ihrem Kampf für eine Schule für alle.“ In der Auseinandersetzung um die Studiengebühren war sie zusammen mit ihren Bündnispartner:innen ebenfalls beispielgebend, andere Bundesländer folgten nach und nach: „Die Campus-Maut hat keine Zukunft, das ist auch euer Verdienst!" Auch tarifpolitisch führe an der GEW Hessen kein Weg vorbei, denn die von Roland Koch mit dem Austritt aus der Tarifgemeinschaft geplante Absenkung des Tarifniveaus habe maßgeblich sie verhindert: „Und das ist eurem Engagement, eurer Kampfkraft, eurer Durchsetzungsmacht zu verdanken.“
Als zweiter Festredner sprach Stefan Körzell, der die Grüße des gesamten Geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB, dem er angehört, ausrichtete. Er kam schnell auf seine Erinnerungen an gemeinsam ausgefochtene Kämpfe zu sprechen, die er ebenfalls mit der Koch’schen „Operation sichere Zukunft“ verband. Ab dem ersten Tage seiner Tätigkeit als Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen im Jahr 2002 habe er die GEW Hessen als solidarische und kämpferische Gewerkschaft kennengelernt. Anschaulich schilderte er, wie die Zusendung der 148 Seiten umfassenden Kürzungen der Landesregierung damals die Kapazitäten des Fax-Geräts beim DGB-Bezirk überstrapazierte.
Doch diesen „Angriff auf das soziale Hessen“ haben die Gewerkschaften nicht tatenlos hingenommen, so Stefan Körzell: „Am 18. November 2003 haben wir zusammen mit einem breiten Bündnis in Wiesbaden gegen diese unsoziale Politik demonstriert. Eine der größten Demonstrationen in Hessen nach dem 2. Weltkrieg.“ Besonders würdigte er den Streik von verbeamteten Lehrkräften, zu dem die GEW Hessen in ihrer Geschichte mehrfach aufgerufen hat. Abschließend schlug er den Bogen von der gewerkschaftlichen Kampagne gegen die Aufnahme der Schuldenbremse in die Hessische Verfassung im Jahr 2011 zu den inzwischen unübersehbaren Problemen: „Heute spüren alle, was die ‚Zukunftsbremse‘ Schuldenbremse anrichtet: Einstürzende Hörsaaldecken, marode Schulen, kaputte Infrastruktur, Personalmangel überall.“
Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde zwei Mitgliedern die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Thilo Hartmann hob in seiner Laudatio für Ruth Storn ihr langjähriges Engagement im Kreisverband Offenbach-Land hervor. Bei Harald Freiling stellte er dessen Tätigkeit als ehrenamtlicher HLZ-Redakteur, die sich über 27 Jahre erstreckte, in den Mittelpunkt. Es folgte das Musikkabarett „Opernkäs‘ mit Musik“, aufgeführt vom Trio Konduettina. Nur aufgrund der kollegialen Rücksichtnahme auf die legitimen Ansprüche des Hotelpersonals auf angemessene Ruhezeiten fanden die anschließenden guten Gespräche und das Schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen gegen Mitternacht einen Abschluss.