… trotz unterschiedlicher Meinungen und die Beachtung aller Berufsgruppen“, nennt David Beier von der Fachgruppe sozialpädagogische Fachkräfte als Stärken der GEW. In einer kleinen Umfrage bat die HLZ die Delegierten um ihre Meinung zur Arbeit und zu den kommenden Herausforderungen der GEW. Die folgenden Antworten sind nicht repräsentativ, hoffentlich aber anregend. Bei der ersten Nennung des Namens ist die Fach- oder Personengruppe beziehungsweise der Kreis- oder Stadtverband angegeben.
Wo drückt der Schuh am meisten?
Auf diese Frage wollten die wenigsten Kolleg:innen sich auf nur eine Antwort festlegen. „Wo nicht?“, schrieb Tobias Hering, Frankfurt. Die meisten Nennungen verweisen auf die steigende Arbeitsbelastung bei fehlender Unterstützung und schlechter materieller Ausstattung. Die Kolleg:innen kritisieren, dass wichtige pädagogische Aufgaben wie zum Beispiel die Inklusion, DaZ-Unterricht und der Ganztag unter diesen unzureichenden Bedingungen leiden:
„Billig Inklusion“ (Stefan Ohlenmacher, Sonderpädagogik)
„Fehlende Unterstützung für eine – wichtige – Inklusion, fehlende Chancengleichheit für die Schüler:innen und zu viel Arbeit bei hundertfacher Differenzierung im Unterricht“ (Christiane Jarosch, Gesamtschulen)
„Zeitknappheit allgemein, Beispiel: als Klassenlehrkraft die Inklusion eines sehbehinderten Jungen managen, ohne die anderen 30 Schülerinnen und Schüler zu vernachlässigen“ (Bernd Ruppel, Fulda)
„Keine Lehrerzuweisung mehr für sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Erziehungshilfe“ (Sabine Füg und Kolleg:innen, Lauterbach)
„DaZ-Arbeitssituation, Arbeitsbedingen, Prekarität, fehlendes DaZ-Curriculum“ (Svetlana Poljakova, Migrantinnen und Migranten, Interkulturelle Bildung)
„Beim nicht ausreichend finanzierten und geplanten Ganztag und in diesem Zusammenhang der Umdeutung der Begrifflichkeit Multiprofessionalität seitens der Landesregierung“ (David Beier)
„Entprofessionalisierung besonders an Grundschulen“ (Katja Groh, Kassel Land)
„Kürzungen der Lehrerzuweisungen: Zukunftsfähige Berufsschule“ (Frauke Matthes, Frankfurt)
„Keine Dienstgeräte“ (Christina Kolb, Frankfurt)
„Mangelhafte digitale und bauliche Infrastruktur“ (Robert Hottinger, Groß-Gerau)
„Immer mehr Bürokratie und Schreibaufwand für die Akten/Schubladen“ (Sabine Füg)
„Fehlende Partizipation an der Schulentwicklung: Top-Down-Entscheidungen“ (Christina Kolb)
„Werteunterricht, Abschiebungen von Schüler:innen, Missachtung der Mehrsprachigkeit“ (Maurella Carbone, Migrantinnen und Migranten, Interkulturelle Bildung)
„Zu geringe Entlastungen, z. B. für Personalräte, Mentor:innen, IT-Beauftragte …“ (Tobias Hering)
Die wichtigsten Herausforderungen
Herausforderungen sehen die Kolleg:innen sowohl darin, innergewerkschaftlich solidarisch zusammenzuarbeiten, junge Mitglieder zu werben und ältere Mitglieder zu halten als auch stark nach außen aufzutreten, Bündnisse zu schmieden und die Öffentlichkeitsarbeit gut zu organisieren, um vor allem den Sparplänen der Landesregierung sowie der Rechtsentwicklung in der Gesellschaft entgegenzuwirken:
„Die innergewerkschaftliche Solidarität erhalten“ (Hannes Grote, Hochschule und Forschung)
„In der Altersstruktur der GEW“ (Stefan Thalheimer, Main-Taunus-Kreis)
„Junge und engagiert Mitglieder zu finden und einzubeziehen und unsere Senioren zu halten“ (Sabine Füg)
„Ausbau der Vertrauensleute-Arbeit“ (Peter Kühn, Bergstraße)
„Mehr Öffentlichkeitsarbeit. Wir tun so viel, warum lese ich so oft vom VDL in großen Zeitungen?“ (Christiane Jarosch)
„Wie gelingt es, Arbeitszeiterfassung und Sparmaßnahmen im Bildungsbereich zu verhindern?“ (Anna Ufer, Grundschule)
„Tarifvertrag für Beschäftigte an Hochschulen“ (Andrea Peters, Angestellte)
„Die neue Verordnung der Stundendeputate im GPRS behindert unsere Arbeit extrem und erscheint mir äußerst undemokratisch.“ (Christiane Jarosch)
„Starke Bündnisse schmieden, um Öffentlichkeitwirksamkeit zu erzeugen“ (David Beier)
„Demokratiegefährdung durch AfD“ (Stefan Ohlenmacher)
„Klarer Einsatz für den Frieden“ (Peter Kühn)
„Die Kultur eines offenen Dialogs auch mit (z. T. potenziellen) AfD-Anhängerinnen pflegen“ (Svetlana Poljakova)
„Schuldenbremse abschaffen, Generalstreik gegen Sparpolitik der Regierung, politischer Streik für öffentliche Gelder in Bildung, Kultur und Gesundheit – das wäre schön.“ (Jessica Finger, Hochschule und Forschung)
Das sind unsere Stärken
Die Kolleg:innen benennen sehr viele Stärken der GEW. Immer wieder genannt werden dabei die Rechtsberatung und die Personalratsarbeit. Die Vielfalt, Kampfkraft und gute Organisation werden hervorgehoben:
„Wir werden gesehen und gehört: Presse und Demos.“ (Svetlana Poljakova)
„Beachtliche Mobilisierungsfähigkeit, gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ (Christoph Baumann, Frankfurt)
„Geschäftsstelle in Frankfurt“ (Bernd Ruppel)
„Viele Mitglieder, streitbare Debattenkultur“ (Anna Ufer)
„Starke, kompetente, authentische Menschen an der Spitze, gute Aktionen“ (Andrea Peters)
„Breite inhaltliche Aufstellung“ (Mascha Schacht, Sozialpädagogische Berufe)
„Wir sind Bildungsgewerkschaft und decken alle Bereiche ab, wir sind tariffähig.“ (Peter Kühn)
„Vielfalt in Einheit: Erziehung und Wissenschaft, Alte und Junge, Realisten und Moralisten“ (Stefan Ohlenmacher)
„Vielfalt, Solidarität“ (Hannes Grote)
„Wir sind dicht an den Kolleg:innen.“ (Sabine Füg)
„Gute Organisation und Vernetzung, Fach- und Sachkenntnis, gute Außendarstellung“ (Robert Hottinger)
„Unsere gut etablierten und tragfähigen Strukturen, das hohe Engagement unserer Aktiven, Lea“ (Tobias Hering)
„Wir sind laut und wir sind viele!“ (Christiane Jarosch)
Hier könnten wir noch besser werden
Während einige Delegierte die Landesdelegiertenversammlung und die Arbeitsweise der GEW kritisch betrachten, appellieren andere, die Stärken der GEW auszubauen und ihre öffentliche Wirksamkeit noch zu erhöhen:
„Die LDV beschäftigt sich viel zu sehr mit sich selbst. Es ist jetzt Freitagabend, 17:30 Uhr und wir beginnen endlich mit inhaltlicher Arbeit!“ (Christiane Jarosch)
„Anträge mit konkreter Perspektive für die Umsetzung“
(Robert Hottinger)
„Inhaltliche Arbeit im Bereich der Bildungspolitik“ (Christoph Baumann)
„Persönliche Befindlichkeiten lange verfeindeter GEW-Funktionäre blockieren die Arbeitsfähigkeit der LDV und verschrecken ‚Neue‘, motivierte Delegierte.“ (Katja Groh)
„Unterschiedlichkeiten nicht unterdrücken, sondern ansprechen und behandeln“ (Maurella Carbone)
„Mehr Aktivismus, ein bisschen weniger Rede- und Diskussionstreffen und dafür mehr Handlung und konkrete Aktionen“ (Jessica Finger)
„Mehr Fokus auf selbstständige Honorarkräfte“ (Nina Schuster, Erwachsenenbildung)
„Junge GEW und LASS hören und stärker einbinden“ (Hannes Grote)
„GEW-Schulgruppen aktivieren oder neu aufstellen“ (Sabine Füg)
„Gerne noch kämpferischer auftreten, Demos mit Bündnissen noch weiter auf die Straße bringen und bei Tarifverhandlungen keine Gnade zeigen“ (David Beier)
„Zugang für interessierte Menschen zur Mitarbeit erleichtern, Organisationsstrukturen transparenter gestalten“ (Andrea Peters)
„Jungen Kolleg:innen bzw. Berufsanfängerinnen die Bedeutsamkeit der gewerkschaftlichen Arbeit klarmachen. Viele denken: ‚Man kann eh nichts ändern.'" (Sabine Füg)
„Mehr inhaltlicher Austausch und Diskussion auf BDV/LDV und über Stadt- und Kreisverbände hinweg“ (Christina Kolb)
„Eventuell müsste jeder Schulamtsverbund eine Unterstützung personeller Natur erhalten.“ (Bernd Ruppel)
„Noch mehr schnelle, knappe öffentliche Darstellung, der Instagram-Account ist da schon sehr gut.“ (Stefan Ohlenmacher)