Lieber Ulrich Märtin!

Wir sagen Danke!

HLZ 7-8/2020

Karikatur: Danke, lieber Thomas Plaßmann!

Birgit Koch und Maike Wiedwald für die GEW Hessen

Am 30. Juni 2020 hatte unser Geschäftsführer Ulrich Märtin seinen letzten Arbeitstag in unserer Geschäftsstelle im Zimmerweg in Frankfurt. Ulli, so heißt er bei uns allenthalben, geht in seinen wohlverdienten Ruhestand. 35 Jahre hat Ulli für die GEW Hessen gearbeitet. zunächst als Organisationssekretär und seit 2002 als Geschäftsführer. Ulli, du hast in diesen Jahren ganz entscheidend das politische Geschehen, die politische Diskussion und den innergewerkschaftlichen Zusammenhalt unserer GEW geprägt. Mit mehreren Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Hessen hast du zusammengearbeitet. Du kennst jede politische und persönliche Querele der letzten 35 Jahre, alle Kreisvorsitzenden genauso wie die Vorsitzenden der Fach- und Personengruppen und Leitungen der Referate und sehr viele unserer 25.000 Mitglieder. 

Wir danken dir ganz herzlich für deinen Überblick und deine perfekte Organisation unseres Geschäftsbetriebs. Wir danken dir ganz herzlich für deine präzise politische und gewerkschaftspolitische Analyse. Wir danken dir ganz herzlich für deine Geduld und deine immer vorhandene Freundlichkeit, für deine Diskussionsfreudigkeit und für so vieles mehr.

Wir wünschen dir im Namen der GEW Hessen alles erdenklich Gute und wir sind traurig, dass wir dich – coronabedingt – nicht mit einem rauschenden Fest in die Freiheit des Rentnerlebens schicken können.

Annette Loycke für den Betriebsrat und die Beschäftigten der GEW 

Die Aufgabe von Ulrich Märtin bestand nicht nur darin, die Geschäfte des Landesverbands zu führen, sondern zu einem großen Anteil auch darin, sich um die großen und vielleicht nicht ganz so großen Probleme und Wünsche der Beschäftigten in der Geschäftsstelle zu kümmern. 

Besonders danken möchten wir ihm für seine Tätigkeit als Vermittler zwischen den – natürlich fast immer berechtigten – Interessen der Beschäftigten in der Geschäftsstelle des GEW-Landesverbands im Zimmerweg 12 und den Interessen der - lang- oder auch kurzjährig tätigen - ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionäre in Stadt und Land. 

Eine Geschäftsstelle ohne Ulrich Märtin hat niemand unter den aktuell im Zimmerweg beschäftigten Kolleginnen und Kollegen erlebt. Es wird eine Weile dauern, sich daran zu gewöhnen. Die Beschäftigten wünschen alles Gute und weiterhin gute Nerven.

Udo Jeschal, GEW-Landesverband Berlin Landesgeschäftsführer a.D.

Du warst von 1985 bis 2020 Geschäftsführer der GEW Hessen und ich von von 1986 bis 2019 Geschäftsführer des GEW-Landesverbands Berlin: Das schweißt wahrlich zusammen. Wir trafen uns in der Regel in mehr oder weniger langen Sitzungen: bei den Jahrestreffen der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, bei der Vorbereitung der Gewerkschaftstage, bei den Treffen der Gruppe, die die EDV-Struktur für die GEW entwickelte, oder bei der organisatorischen Vorbereitung von Tarifrunden. Wir haben meistens sehr ähnliche Positionen vertreten. Vielleicht lag das daran, dass wir beide nach einer pädagogischen Ausbildung, die in die Arbeitslosigkeit führte, vor unserer Zeit als Geschäftsführer in unterschiedlichen Funktionen für die GEW oder ihr unmittelbares Umfeld tätig waren. 

Wir kannten deshalb „die Schule“ und „die GEW“ nicht nur aus dem Blickwinkel unserer Geschäftsstellen im Zimmerweg in Frankfurt und in der Ahornstraße in Berlin. 

Du hattest deinen gesamten Landesverband in seiner enormen Bandbreite im Blick: vom Bezirksverband Frankfurt, der größer als manch kleiner GEW-Landesverband ist, bis zum kleinsten Kreisverband, der die letzten Gebietsreformen nicht nachvollziehen wollte. 

An die eigentlichen Sitzungen schlossen sich ausgedehnte Gespräche an, die manchmal bis in den frühen Morgen dauerten. Dabei ging es um die Lage der Republik im Allgemeinen und um ihre wichtigste Gewerkschaft, die GEW, und ihr Personaltableau im Besonderen. In der Regel waren wir uns am Ende einer solchen Erörterung in der Einschätzung vollkommen einig und mit ausreichender Bettschwere ausgestattet.

Vor Kurzem kam im Kreise der ehemaligen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer die Idee auf, eine Art „Klassentreffen“ zu organisieren, sobald solche Treffen wieder problemlos möglich sind. Ulli, ich freu mich ganz besonders, wenn wir beide uns dabei sehen. Vielleicht reden wir bei dieser Gelegenheit weniger über die GEW als über uns. Der Abend könnte dann allerdings auch wieder recht lang werden!

Jürgen Schmidt, Bundesgeschäftsführer der GEW

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu ahnen, dass man bei deiner Verabschiedung voll des Lobes für dich sein wird, deine großartige Leistung für die GEW immer wieder Erwähnung finden und dein Wirken für die GEW als un-verzichtbar bewertet wird.

Apropos „un“: Neun Jahre lang hatte ich das Vergnügen, mit dir in einem Büro für die GEW Hessen arbeiten zu dürfen. In dieser Zeit haben sich mir tiefe Einblicke in dein Wesen erschlossen, in deine un-bestreitbaren Qualitäten genauso wie in deine Un-Tugenden: 

  • Du bist un-erbittlich: Jeden Dienstag haben wir über Jahrzehnte hinweg beim Fußball der GEW mit aller Herzlichkeit Zweikämpfe an der Grenze des Erlaubten geleistet. Da war dann auch schon mal eine Rippenprellung oder ein Pferdekuss dabei. Aber wir haben uns das nie übel genommen.
  • Du bist absolut un-nachgiebig: Während unserer gemeinsamen Zeit bei der GEW Hessen gingen wir fast jeden Mittag in die Münchener Straße, um Currywurst mit Pommes zu essen: Es folgten ein großes Eis (vorzugsweise mit Sahne) und im Zimmerweg noch einige Riegel Schokolade hinterher. Meinem Gewicht hat das arg zugesetzt: Du bliebst dagegen schlank wie je und je. 
  • Du bist un-ermüdlich und hast mir in unserer gemeinsamen Zeit fast jeden Tag die gleichen zwei Witze erzählt: Sagt ein Bauer zu seinem Nachbarn: „So eine dumme Ziege. Jetzt habe ich sie endlich soweit, dass sie nichts mehr frisst, und jetzt stirbt das blöde Vieh“. Oder: Sagt Heiner zu einem Freund: „Hast du gehört, dass der Schorsch in einem Weinfass ertrunken ist?“ „Und? War es schlimm?“ „Nein, er ist noch dreimal zum Pieseln herausgekommen“. 
  • Du bist un-ersetzbar: Du warst die Seele der hessischen Geschäftsstelle. Und seit ich beim Hauptvorstand tätig bin, schätze ich es noch mehr, dass du trotz unterschiedlicher Auffassungen und Einschätzungen immer an pragmatischen Lösungen im gemeinsamen Interesse für die GEW gearbeitet hast. Mit dir zu arbeiten und zu streiten, hat mir immer Spaß gemacht. Oder um es auf den (etwas pathetischen klingenden) Punkt zu bringen: Es war mir eine Ehre!

Karikaturist Thomas Plaßmann

bedankt sich mit dieser Zeichnung bei Ulli Märtin für viele Gespräche über das nächste Plakat und die nächste Broschüre der GEW.

Karola Stötzel, die neue Landesgeschäftsführerin

verbürgt sich für die Authentizität der Abbildung seines Schreibtischs: „Der stets unaufgeräumte Schreibtisch von Ulrich ist vielen in der GEW ein unvergesslicher, legendärer Anblick. Papierstapel über Papierstapel, achtlos übereinandergeworfen. Befragt, wo denn noch Unterlagen zu einer Mitgliederwerbeaktion zu finden seien, die wir vor 14 (!) Jahren aufgelegt hatten, zieht Ulrich aus dem vierten Zwölftel des zweiten Drittels der mittleren der linken vorderen Papierablagen mit Daumen und Zeigefinger justament jenen Werbeflyer. Höchste Ordnung im Chaos! So kann man sich täuschen!“