Gewerkschaften für kindgerechte Fachpersonalausstattung in Kitas

Gemeinsame Erklärung von DGB, ver.di und GEW

Dass mehr als Dreiviertel der Kita-Gruppen in Hessen mit zu wenig Fachpersonal auskommen müssen, ist ein Armutszeugnis für die hessische Bildungspolitik, findet der Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. Der gerade veröffentlichte Ländermonitor Frühkindliche Bildung bestätigt, was wir in diesem Bereich schon lange wissen: In Hessen gibt es grundlegende, strukturelle Probleme. Es stehen weder genügend Fachkräfte zur Verfügung noch sind die Kommunen in der Lage genügend Infrastruktur vorzuhalten, dass die Kinder in kleineren, kindgerechten Gruppen betreut werden können.

Michael Rudolph dazu: „Der qualitative Ausbau der Kita-Plätze muss weiter vorangetrieben werden, damit alle Kinder die Möglichkeit haben einen Kitaplatz zu bekommen, der nicht nur zur Aufbewahrung dient, sondern der frühkindlichen Bildung. Dafür ist es notwendig, dass in Hessen mehr Fachkräfte eingestellt werden. Auch dafür braucht es auskömmlich finanzierte kommunale Haushalte. Das ist ein weiteres Argument für unsere langjährige Forderung die Schuldenbremse in Hessen endlich abzuschaffen.“

„Auch benötigen die kommunalen Träger finanzielle Unterstützung aus Landesmitteln, um Mehraufwendungen aufgrund der Pandemie und fehlendes Personal zu kompensieren“, so Tom Winhold, Leiter des Landesfachbereichs Gemeinden bei ver.di Hessen.

Mehr als die Hälfte aller in Hessen erfassten Kitagruppen sind zu groß und weisen damit ein ungünstiges Verhältnis für die Entwicklung der Kita-Kinder auf. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Krippen und den Kitas geben ihr Bestes und es ist bemerkenswert, dass sie unter diesen desaströsen Bedingungen so gute Arbeit leisten.“ fasst Dr. Isabel Carqueville, Referentin für den Bereich Sozialpädagogik bei der GEW Hessen, die Situation zusammen. Die bisherigen Verbesserungen seien viel zu wenig und kämen viel zu spät, kommentiert Carqueville die Bemühungen der Landesregierung in dem Bereich. Das mache die GEW Hessen auch immer wieder in ihren Stellungnahmen deutlich. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so Carqueville.

In Abstimmung mit ver.di Hessen und der GEW Hessen fordert der DGB die Fachkraft-Kind-Relation in den Kitas zu verbessern. „Gerade jetzt in der Corona-Krise hat sich gezeigt, um wie viel besser Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln und austesten können, wenn die Kinder in kleineren Gruppen betreut werden und die Erzieherinnen und Erzieher individueller auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes eingehen können“, sagt dazu Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW Hessen.

Um den Betreuungsschlüssel zu verbessern, fordert Michael Rudolph, die im Hessischen Kinderförderungsgesetz festgelegten sehr komplizierten und intransparenten Berechnungsgrundlagen für den Fachkräfteeinsatz der einzelnen Kitagruppen so zu verändern, dass das kindergerechte Betreuungsverhältnis von 3,0 Krippenkindern und 7,5 Kindergar-tenkindern pro Fachkraft erreicht wird.

Dr. Kristin Ideler, ver.di-Fachreferentin für den Sozial- und Erziehungsbereich betont, dass die Maßnahmen der Krisenbewältigung nicht zu einer dauerhaften Absenkung der Qualifikationsstandards führen dürfen: „Wenn Corona Ausnahmeregelungen erforderlich machen, so müssen diese zeitlich auf die unmittelbare Krisenzeit beschränkt sein und sollten zunächst bis zum Jahresende befristet werden.“ Auf Dauer mache die Personalsituation in den Einrichtungen ein Maßnahmenbündel aus Aufwertung, Entlastung der Praxisanleitungen und einem Konzept für altersgerechtes Arbeiten nötig.

Abschließend appelliert Michael Rudolph an den Gesetzgeber „Unserer Gesellschaft muss es wert sein einer unserer wichtigsten Ressourcen, unseren Kindern, nicht nur die Mindestausstattung zur Verfügung zu stellen, sondern wir müssen den Sozialhaushalt so auskömmlich finanzieren, dass allen unseren Kindern ein guter Start ins Leben gelingt.“

Foto: Markus Spiske, unsplash.com