Frühkindliche Bildung

Kommunen sind in der Verantwortung | HLZ Dezember 2025/Januar 2026

Im Frühjahr stehen die Kommunalwahlen in Hessen an. Dabei geht es nicht nur um Straßen, Baugebiete oder Kulturangebote, sondern auch um eine der zentralen Zukunftsaufgaben: die frühkindliche Bildung. Ob Kinder gut aufwachsen, ob Familien entlastet werden und ob Beschäftigte in Kitas gute Arbeitsbedingungen haben, entscheidet sich ganz wesentlich in den Kommunen. Kitas sind mehr als bloße „Betreuungseinrichtungen“. Sie sind Bildungsorte, die den Grundstein für gelingende Bildungsbiografien legen. Sie ermöglichen soziale Teilhabe, stärken Kinderrechte und entlasten Familien. Damit sind sie Teil der kommunalen Infrastruktur. Doch anders als bei Straßen oder Gebäuden geht es hier um Menschen: um die Kinder und um die Beschäftigten, die mit ihrer Arbeit die Qualität der frühkindlichen Bildung sichern.

Nach Berechnungen von Expert:innen fehlen in den kommenden Jahren zehntausende pädagogische Fachkräfte. Daran ändert sich auch durch die inzwischen wieder sinkenden Geburtenzahlen nichts. Viel zu oft müssen Gruppen zusammengelegt, Öffnungszeiten eingeschränkt oder ganze Einrichtungen zeitweise geschlossen werden, weil Personal fehlt. Eltern stehen vor verschlossenen Türen, Kinder verlieren wichtige Bildungszeit, Beschäftigte fühlen sich im Stich gelassen. Kommunen sind hier nicht nur Leidtragende, sondern auch Mitverantwortliche. Wer mit schlechten Verträgen, fehlender Fortbildung oder unzureichender Personalausstattung arbeitet, verschärft die Abwärtsspirale. Wer hingegen attraktive Arbeitsbedingungen schafft, kann Fachkräfte binden und neue gewinnen.

Die Qualität der frühkindlichen Bildung hängt am Personal. Gute Personalschlüssel, kleinere Gruppen und echte multiprofessionelle Teams brauchen eine solide Finanzierung. Wenn Kommunen ihre Haushalte aufstellen, zeigt sich, welchen Stellenwert Kitas haben. Werden die nötigen Mittel für Sanierungen, Ausstattung und zusätzliches Personal bereitgestellt oder wird hier gespart, weil „die Kassen leer“ sind? Das betrifft nicht nur die kommunalen Einrichtungen. Auch die Refinanzierung für freie Träger muss so gestaltet sein, dass diese ihren Beschäftigten faire Löhne zahlen und tarifliche Standards umsetzen können. Wer hier spart, schwächt die Arbeitsbedingungen und gefährdet die Qualität in einem großen Teil der Kita-Landschaft.

Dass die kommunalen Mittel knapp sind, ist vielerorts Realität (siehe S. 8-9). Aber es ist auch eine Frage politischer Prioritätensetzung: Investieren wir lieber in Prestigeprojekte, die schnell positive Presse erzeugen, oder in die Lebens- und Bildungsbedingungen der Kleinsten? Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren, dass sich Investitionen in frühe Bildung gesellschaftlich vielfach auszahlen – durch mehr Chancengerechtigkeit, bessere Bildungsabschlüsse und eine stärkere Fachkräftebasis in der Zukunft.

Kommunen tragen Verantwortung für den gleichberechtigten Zugang zu frühkindlicher Bildung. Dazu gehört, dass Kitas wohnortnah erreichbar sind, dass Familien nicht durch hohe Gebühren belastet werden, dass inklusive Angebote selbstverständlich sind und Kinder mit Behinderungen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Auch die Integration von Kindern mit Flucht- und Migrationserfahrungen entscheidet sich vor Ort. All das sind keine Randthemen, sondern zentrale Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Die Wahlen bieten die Gelegenheit, genau hinzuschauen: Welche Partei macht sich in meiner Stadt oder Gemeinde stark für eine gute Kita-Politik? Welche Kandidat:innen versprechen glaubwürdig Investitionen in Personal, Qualität und Gebäude? Wer weicht konkreten Antworten aus oder sieht als einzigen Weg den Einsatz von Hilfskräften?

Die GEW macht deutlich: Frühkindliche Bildung darf nicht unter Sparzwängen leiden. Kommunen tragen Verantwortung für die Beschäftigten in den Kitas – und damit auch für die Qualität der Bildungsangebote. Wer gute Arbeitsbedingungen schafft, sorgt zugleich für bessere Bildung und mehr Chancengerechtigkeit. Wer will, dass Kinder gut aufwachsen, Familien entlastet werden und Beschäftigte gute Arbeitsbedingungen haben, sollte genau hinschauen, welche Parteien frühkindliche Bildung zur Priorität machen.