Prävention und Beratung

Hessisches Kompetenzzentrum Gesunde Schule gestartet | HLZ Mai 2026

Das Land Hessen hat mit dem Hessischen Kompetenzzentrum Gesunde Schule ein neues Angebot geschaffen, das zu einer besseren Gesundheit des pädagogischen Personals beitragen soll. Prof. Dr. med. David Groneberg beschrieb dessen Aufgaben anlässlich der Eröffnung Anfang März wie folgt: „Das Kompetenzzentrum bietet gezielte Beratungsangebote, qualitätsgesicherte Fortbildungen, präventive Maßnahmen sowie Unterstützung bei der Integration gesundheitsförderlicher Strukturen in Schulen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der psychischen Gesundheit, die eng mit den Anforderungen des schulischen Alltags verbunden ist.“ Groneberg ist Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, an dem das Kompetenzzentrum angesiedelt ist.
 

Hohe Belastungen

Zweifelsohne besteht ein Bedarf für ein solches Angebot. Denn der Lehrberuf zeichnet sich zwar einerseits durch eine hohe berufliche Zufriedenheit aus, doch andererseits auch durch erhebliche Belastungen. So hat zum Beispiel das jüngste Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung aufgezeigt, dass die Zufriedenheit im Beruf insgesamt durchaus nicht gering ist: Über 80 Prozent der befragten Lehrkräfte äußerten sich voll oder eher zufrieden mit ihrer Arbeit. 70 Prozent würden den Beruf erneut wählen, 90 Prozent arbeiten gerne an ihrer Schule. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass eine relevante Zahl eher unzufrieden ist. Zudem schützt auch eine vorhandene berufliche Zufriedenheit nicht zwingend vor den negativen Folgen schlechter Arbeitsbedingungen. Daher ist es alarmierend, wenn sich dem Lehrkräftebarometer zufolge die Mehrheit regelmäßig emotional erschöpft von der Arbeit fühlt. Bei 10 Prozent war das täglich der Fall, bei 24 Prozent mehrmals in der Woche, bei 30 Prozent immerhin mehrmals im Monat. „Die Identifikation der Risikoprofile zeigt klar, dass ein Teil der Lehrkräfte dringend Unterstützung benötigt. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Belastungsreduktion – etwa durch verbesserte Arbeitsbedingungen, Angebote zur Stressbewältigung und kollegiale Unterstützungssysteme – sollten insbesondere bei den hoch belasteten Gruppen ansetzen“, lautet das Fazit. (1)

Aus gewerkschaftlicher Perspektive liegt es auf der Hand, dass das Problem nur gelöst werden kann, wenn es an der Wurzel gepackt wird, indem also belastende Arbeitsbedingungen verbessert werden. Diese Notwendigkeit wird angesichts der aktuell geplanten Einsparungen im hessischen Schulsystem umso größer. Dennoch sind die Entwicklung eines guten Beratungsangebots und die Verbesserung der Prävention gleichwohl sinnvoll. Auch wenn die psychosozialen Belastungen, die in einem engen Zusammenhang zur Ressourcenausstattung der Schulen stehen, besondere Aufmerksamkeit finden, können Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte darüber hinaus auch aufgrund körperlicher Beschwerden Beratungsbedarfe haben. Die Ankündigung eines „Instituts für Lehrkräftegesundheit“ im Koalitionsvertrag von CDU und SPD hatte die GEW daher begrüßt.
 

Was macht das Zentrum konkret?

Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen nennt die folgenden Leistungen, die das Kompetenzzentrum erbringt:

  • Die neue Internetseite gibt umfassende Informationen und bündelt alle wichtigen Kontaktdaten. (2)
  • Lehrkräfte können online psychologische Beratungstermine buchen – am Telefon, über Video oder vor Ort. Die Beratung erfolgt durch qualifiziertes Personal mit Erfahrung im Bildungsbereich.
  • Einmal in der Woche findet eine telefonische Sprechstunde ohne Voranmeldung statt.
  • Schulen erhalten Unterstützung für die Gestaltung von Workshops oder pädagogischen Tagen rund um das Thema Lehrkräftegesundheit.

In Vorbereitung befände sich darüber hinaus ein mobiles Angebot in Form eines „Gesundheitsbusses“, der Schulen direkt zur Beratung vor Ort anfahren soll. Arbeitsmedizinische Aufgaben wie Untersuchungen, individuelle arbeitsmedizinische Beratung oder Gefährdungsbeurteilungen werden nach wie vor durch die Medical Airport Service GmbH wahrgenommen. Damit sind die Aufgaben des Hessischen Kompetenzzentrums Gesunde Schule deutlich enger gefasst als beim Institut für Lehrergesundheit an der Universität Mainz, das seit 2011 besteht und für schulisches Personal in Rheinland-Pfalz zuständig ist. Damit das Kompetenzzentrum zu einem Erfolg wird, bedarf es erstens einer angemessenen Ausstattung, zweitens der Koordination mit anderen Akteuren und drittens der Möglichkeit, unabhängig arbeitsmedizinische Empfehlungen auszusprechen.

(1) Robert Bosch Stiftung (2025): Deutsches Schulbarometer: Befragung Lehrkräfte. Ergebnisse zur aktuellen Lage an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Stuttgart, S. 71.

(2) www.uni-frankfurt.de/179854061/Hessisches_Kompetenzzentrum
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