Das BüchnerHaus

Georg Büchners Werke in Riedstadt-Goddelau erfahren | HLZ Juni 2026

Georg Büchner (1813 – 1837): Deutscher Arztsohn aus Goddelau, steckbrieflich gesucht wegen umstürzlerischer Umtriebe in Hessen, ständig auf der Flucht, Dichter umständehalber, dann studierter Spezialist für das Nervensystem von Fischen und die Philosophie Spinozas, Doktor der Medizin, Übersetzer Victor Hugos, stirbt im Februar 1837 mit 23 Jahren im Schweizer Exil an Typhus und – wie manche sagen – an „Überanstrengung der Seele“. Seine Werke gehören heute zur Weltliteratur, der wichtigste deutsche Literaturpreis trägt seinen Namen.

Das Geburtshaus Georg Büchners (Riedstadt-Goddelau, Weidstraße 9) ist der letzte Originalschauplatz in Deutschland, der an das Leben und Werk des Dichters, Revolutionärs und Naturwissenschaftlers erinnert. Es ist sowohl Museum als auch lebendige Begegnungsstätte mit Kunstgalerie, Büchnerscheune und Hof. Das Fachwerkhaus stammt aus dem Jahre 1665 und enthält die Dauerausstellung „Von Goddelau zur Weltbühne“. Das Museum skizziert Büchners Lebensweg vom südhessischen Goddelau ins Zürcher Exil und sein Nachleben am Theater und in der Literatur. Symbolische Objekte, Bilder und Zitate bilden Raumszenen, die wesentliche Bruchstücke aus seinem kurzen Leben skizzieren. Ein rotes Band mit Lebensdaten führt durch den biografischen Teil der Ausstellung im Erdgeschoss.

Ein Tisch mit acht Stühlen im ersten Zimmer symbolisiert das Familienleben im Elternhaus. Hier sind Eltern und Geschwister sowie die Verlobte versammelt, in Mappen kann man Informationen über sie nachlesen. Engagement für Demokratie und soziale Gerechtigkeit wurde im Vormärz von der Obrigkeit strafrechtlich verfolgt. Dies stellt ein dunkler Raum zum Hessischen Landboten dar. Ein Stapel der Flugschriften (Friede den Hütten! Krieg den Palästen!) ist hell angeleuchtet – ein Lichtblick in düsterer Zeit. Eine Leiter und der Steckbrief Georg Büchners stehen für die Flucht ins Exil. Eine Mappe informiert über das Schicksal des Mitverschwörers Friedrich Ludwig Weidig aus Butzbach.

An einem überquellenden Schreibtisch sitzt eine Drahtfigur: Büchner im Exil, der über das Nervensystem der Flussbarbe und an seinen literarischen Texten arbeitet – Büchners Nerven liegen blank vor Erschöpfung. Vor der Wand sind Zitate aus Büchners Werken angeordnet. Hier ist seine Denkfabrik. Die Ausstellung endet im Theater und verdeutlicht die Bedeutung und den Einfluss, den der Dichter aus Goddelau bis heute auf die Weltbühne hat. Seine Werke gehören zum festen Repertoire der Schauspielhäuser und zu den am meisten aufgeführten deutschsprachigen Dramen weltweit. Eine Bibliothek im Geburtszimmer im ersten Stock sammelt Literatur über Georg Büchner, Schriften seiner Geschwister und Freunde, Erstausgaben seiner Werke und von Künstlern gestaltete Sonderausgaben.

Das BüchnerHaus wird vom gemeinnützigen Verein BüchnerFindetStatt betrieben und hat regelmäßig freitags bis sonntags sowie an Feiertagen bei freiem Eintritt geöffnet. Die Öffnungszeiten sind von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr (Oktober bis März) beziehungsweise von 14:00 bis 18:00 Uhr (April bis September). Außerhalb der Wochenenden können für Gruppen Führungen zu bestimmten Terminen gebucht werden. Die Termine sind über unsere Homepage abrufbar. Führungen für Schulklassen sind kostenfrei. Im Rahmen der außerschulischen Bildung sind für Schülerinnen und Schüler insbesondere die Themenfelder #Flucht, #Exil, #Demokratie, #soziale Gerechtigkeit und #Menschenrechte über einen Museumsbesuch in Verbindung mit einer Führung oder einem Theaterbesuch sinnlich erlebbar.

Die museale Arbeit im BüchnerHaus wird bereits seit Jahren durch ein professionelles Theater ergänzt. Auch hier ist der Verein BüchnerFindetStatt der Betreiber. Die BüchnerBühne im Riedstädter Stadtteil Leeheim (Kirchstraße 16) versteht sich als interaktives Podium für das öffentliche Leben: ein sozio-kulturelles Zentrum, das sich in besonderer Weise dem Werk Büchners verpflichtet hat. Museum und Bühne sind heute ein lebendiger Teil des Sozialwesens der Stadt und Kooperationspartner in vielen Kulturinitiativen der Region.

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