Frankfurt: Die Koalition plant umfassende Änderungen in der hessischen Lehrkräftebildung. Die GEW Hessen bewertet insbesondere die vorgesehene Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst kritisch. Auch die geplante Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auf nur noch anderthalb Jahre gefährdet nach ihrer Einschätzung die Qualität der Lehrkräftebildung.
Die GEW Hessen befürchtet einen Qualitätsverlust der Lehrkräftebildung in Hessen. Der von der schwarz-roten Koalition vorgelegte Entwurf für ein „Gesetz zur Fortentwicklung der hessischen Lehrkräftebildung“ sieht umfassende Einschnitte in den Vorbereitungsdienst vor. Diesen müssen angehende Lehrkräfte nach dem Studium als so genannte zweite Phase der Lehrkräftebildung durchlaufen. Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, kritisierte vor allem die Erhöhung des zu leistenden eigenverantwortlichen Unterrichts: „Die zu haltende Stundenzahl soll von maximal 12 auf bis zu 16 Stunden massiv erhöht werden. Dabei zeigen Umfragen bereits jetzt eine sehr hohe Belastung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst eben noch keine fertig ausgebildeten Lehrkräfte sind. Sie benötigen entsprechend mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung. Eine enge Begleitung durch die Mentor:innen an den Schulen und die Ausbilder:innen an den Studienseminaren ist für den Erfolg der Ausbildung unabdingbar.“
Darüber hinaus soll der Vorbereitungsdienst von derzeit 21 Monate auf 18 Monate verkürzt werden. Auch diese Änderung läuft nach Einschätzung der GEW auf eine schlechtere Qualität hinaus. Der Verweis auf andere Bundesländer ist in dieser Hinsicht nach Auffassung von Thilo Hartmann irreführend: „Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es ist zwar richtig, dass der Vorbereitungsdienst in anderen Bundesländern bereits auf 18 Monate verkürzt worden ist. Aber dann muss auch mit bedacht werden, dass das Lehramtsstudium in den anderen Bundesländern in aller Regel auf zehn Semester ausgelegt ist. Hessen ist mit sieben Semestern Studiendauer im Lehramt an Grundschulen und im Lehramt an Haupt- und Realschulen nicht vorn, sondern ganz weit hinten.“ Die GEW Hessen setze sich daher für eine längere Studiendauer ein. Der hessische Vorbereitungsdienst wurde bereits vor einigen Jahren von 24 auf 21 Monate verkürzt und sollte nach Einschätzung der GEW nicht weiter reduziert werden.
Positiv bewertet die GEW hingegen die Abkehr von der modularisierten Ausbildung an den Studienseminaren. Anstelle einer Vielzahl an Modulen sollen die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zukünftig zwei fachdidaktische Seminare, ein allgemeinpädagogisches Seminar und ein nicht bewertetes Beratungs- und Reflexionsseminar durchgehend belegen. Dazu sagte Thilo Hartmann abschließend: „Die GEW hat von Anfang an vor dem Irrweg der Modularisierung gewarnt. Pädagogische Prozesse lassen sich nicht in kleinste Einheiten fragmentieren. Es ist gut, dass die hessische Bildungspolitik nach 20 Jahren diesen Fehler nun endlich korrigiert. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Verbesserung durch die Verkürzung und die erhöhte Unterrichtsverpflichtung konterkariert wird. Der Vorbereitungsdienst eignet sich nicht als Sparmodell.“