Frankfurt: Heute wird im Hessischen Landtag in dritter Lesung die Änderung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches (HKJGB) beschlossen. Aus Sicht der GEW Hessen birgt der Gesetzentwurf eine erhebliche Gefahr: Statt dringend notwendiger Verbesserungen droht eine strukturelle Absenkung der Standards in der frühkindlichen Bildung.
Bereits jetzt zeigt sich ein dramatischer Rückgang der Fachkraftquote in Hessens Kitas. Immer weniger Teams können überwiegend mit qualifizierten pädagogischen Fachkräften besetzt werden. Ein Trend, der direkt zulasten der Bildungs- und Betreuungsqualität geht.
Mit der nun vorliegenden Novelle setzt die Landesregierung eine Reihe von Gesetzesänderungen fort, die den Fachkraftstandard zunehmend aufweichen. Künftig sollen noch mehr nicht-pädagogisch qualifizierte Mitarbeitende in den Einrichtungen eingesetzt werden können – als vermeintliche Entlastung in Zeiten des Fachkräftemangels. Die GEW Hessen bewertet dies als weitere Abwertung des Berufsbildes der Erzieher*innen und als Schritt in die falsche Richtung.
Dabei ist klar: Quereinsteiger*innen und Assistenzkräfte können Teams temporär unterstützen. Doch pädagogische Arbeit mit Kindern braucht langfristig professionelle Ausbildung, fundiertes Fachwissen und ausreichend Erfahrung. Statt kurzfristiger Maßnahmen fordert die GEW Hessen nachhaltige Investitionen und echte Schritte zur Fachkräftesicherung.
Die GEW Hessen fordert deshalb:
- eine vollständig kostenfreie Erzieher*innenausbildung,
- den konsequenten Ausbau praxisintegrierter Ausbildungsformen (PiVA),
- garantierte mittelbare pädagogische Arbeitszeiten,
- verbindliche Weiterqualifizierungspfade bis zur staatlichen Anerkennung,
- Entlastung der Teams durch freigestellte Leitungen sowie zusätzliche nicht-pädagogische Unterstützung (z. B. Reinigungskräfte).
„Wir dürfen nicht zulassen, dass der Fachkräftemangel zum Abbau pädagogischer Qualität führt“, betonte Heike Ackermann, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. „Wenn Qualität sinkt, zahlen am Ende die Kinder den Preis. Dafür muss dann die Landesregierung gerade stehen.“