Lehrkräftemangel wird in den kommen Jahren weiter zunehmen

Neue Lehrkräftebedarfsberechnung der GEW Hessen bis 2040 | Pressemitteilung und Berechnung zum Download

Nach Berechnung der GEW Hessen wird sich das Problem des Lehrkräftemangels in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Lehrkräfte, die den entsprechenden Vorbereitungsdienst absolviert haben, werden insbesondere in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasien) und den berufsbildenden Schulen fehlen. 

Während im Jahr 2020 in Hessen 7.300 Unterrichtende ohne Lehramt arbeiteten, waren es im Jahr 2024 9.700 Personen. Besonders groß ist das Problem des Lehrkräftemangels aktuell im Grundschulbereich: Während an den hessischen Grundschulen 20.500 Lehrkräfte tätig sind, verfügen lediglich 15.400 Lehrkräfte in Hessen über ein Lehramt für die Primarstufe. 

Die GEW Hessen rechnet mit einem weiteren Anstieg der Unterrichtenden ohne Lehramt auf fast 11.000 ab dem Jahr 2030. Erst Mitte des kommenden Jahrzehnts wird sich die Situation voraussichtlich wieder verbessern. Die zentrale Grundlage für die GEW-Berechnungen ist die neue Vorausberechnung der Kultusministerkonferenz zur Entwicklung der Schüler*innenzahl bis zum Jahr 2040. 

Während sich die Lage an den Grundschulen unter anderem aufgrund sinkender Schüler*innenzahlen etwas entspannen wird, droht sich das Problem fehlender Lehrkräfte in der Sekundarstufe I und vor allem für die berufsbildenden Schulen deutlich zu verschärfen. Für diese Bereiche interessieren sich vergleichsweise wenig Studierende. Bei den berufsbildenden Schulen kommt hinzu, dass für sie im gesamten Zeitraum deutliche höhere Schüler*innenzahlen zu erwarten sind. Außerdem gehen an den berufsbildenden Schulen im Laufe der nächsten zehn Jahre vergleichsweise viele Lehrkräfte in den Ruhestand. Die Zahl der fehlenden ausgebildeten Lehrkräfte an dieser Schulform wird sich bis Mitte des kommenden Jahrzehnts deshalb mehr als verdoppeln. 

Der Vorsitzende der GEW Hessen, Thilo Hartmann, kritisierte vor diesem Hintergrund die Haushaltspolitik der Landesregierung. Diese verschlechtere die Arbeitsbedingungen und mache den Beruf der Lehrkraft immer unattraktiver. Als Beispiel nannte Hartmann den im vergangenen Jahr erfolgten Entzug von rund 20 Millionen Euro nicht verbrauchter Mittel aus dem Schulbudget, um den Landeshaushalt zu konsolidieren. Hinzu kämen laut den Planungen der Landesregierung im laufenden Jahr weitere Kürzungen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. So ist unter anderem im Vorbereitungsdienst vorgesehen, die Zahl der zu betreuenden angehenden Lehrkräfte pro Ausbilder*in zu erhöhen. Außerdem soll der Vorbereitungsdienst von 21 auf 18 Monate verkürzt werden – und dies bei gleichbleibenden Ausbildungsstunden und Ausbildungsbestandteilen. „Dadurch droht die Zahl derjenigen, die im Vorbereitungsdienst ihre Ausbildung abbrechen, weiter zu steigen. 

Mehr ausgebildete Lehrkräfte können nur gewonnen werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und damit auch die Lernbedingungen der Schüler*innen verbessern. Hierfür müssen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden.“ Das erforderliche Geld könne durch die Abschaffung der Privilegien für Unternehmenserbschaften und die Wiedererhebung der Vermögensteuer gewonnen werden. Das Aufkommen aus beiden Steuern fließt ausschließlich den Bundesländern zu.

Download der neuen Lehrkräftebedarfsrechnung

Download der Präsentation - Lehrkräftebedarfsrechnung