Frankfurt: Die Ergebnisse der hessenweiten Elternbefragung der KiTa-Landeselternvertretung Hessen zeigen auf, was pädagogische Fachkräfte seit Jahren erleben: Das System der frühkindlichen Bildung und Betreuung ist strukturell überlastet. Die GEW Hessen fordert deshalb die Landesregierung auf, die Ergebnisse der Elternbefragung ernst zu nehmen und sie als klaren Handlungsauftrag zu begreifen.
Über 20.000 Familien haben an der Befragung teilgenommen. Laut GEW Hessen geben die Ergebnisse einen Einblick in den stressigen hessischen Kita-Alltag: Viele Eltern sind mit unzureichender Bedarfsdeckung, eingeschränkten Öffnungszeiten, fehlender Flexibilität und teils großen Qualitätsunterschieden zwischen Einrichtungen konfrontiert. Zudem zweifelten viele Eltern daran, ob ihren Kindern unter den aktuellen Rahmenbedingungen genügend Zeit, Zuwendung und stabile Beziehungen ermöglicht werden können.
„Die Elternbefragung zeigt klar: Gute frühkindliche Bildung scheitert nicht am Engagement der Fachkräfte, sondern an chronischem Personalmangel und unzureichenden Rahmenbedingungen“, erklärte Heike Ackermann, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. „Wenn Fachkräfte permanent am Limit arbeiten, fehlt die Zeit für Beziehung, individuelle Begleitung und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern. Genau das aber ist die Grundlage guter pädagogischer Arbeit.“
Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus, dass viele Eltern ihre Erwerbstätigkeit an die bestehenden Betreuungsbedingungen anpassen müssen. Arbeitszeiten und Stundenumfang sind für zahlreiche Familien nur eingeschränkt möglich, weil verlässliche und passgenaue Betreuungsangebote fehlen. Um Betreuungslücken zu überbrücken, sind viele auf Entgegenkommen ihrer Arbeitgeber:innen oder private Unterstützung angewiesen. Das hat spürbare Folgen für berufliche Entscheidungen und die finanzielle Situation von Familien. Für die GEW Hessen ist klar, hier muss die Landesregierung handeln: Verlässliche frühkindliche Bildung und Betreuung ist eine zentrale Voraussetzung für die ökonomische Sicherheit von Familien. Gleichzeitig wirkt sie unterstützend für eine gerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen* und Männern.
Die GEW Hessen unterstützt ausdrücklich die Forderung der KiTa-Landeselternvertretung. Es braucht bessere Rahmenbedingungen, die Fachkräften die nötigen Ressourcen, Handlungsspielräume und professionelle Sicherheit bieten, um gute pädagogische Arbeit zu ermöglichen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kitas und Familien zu gewährleisten. „Fachkräfte brauchen verlässliche Strukturen, um professionell handeln zu können. Eltern und Kinder brauchen Kitas, in denen Beziehungen wachsen können statt unter Zeitdruck zu leiden.“
Die GEW Hessen fordert die Landesregierung auf, die Ergebnisse der Elternbefragung ernst zu nehmen und sie als klaren Handlungsauftrag zu begreifen. Notwendig sind mehr gut ausgebildete Fachkräfte und ausreichend Zeit für pädagogische Arbeit und Elterngespräche.
Die Elternbefragung fand in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen statt. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie hier.