Aus Unterfinanzierung resultieren erhebliche Mängel

GEW-Anhörung zum Rechtsanspruch auf Ganztag | Pressemitteilung

Frankfurt: Beim Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz im Grundschulbereich zeichnen sich erhebliche Probleme ab, und zwar sowohl im personellen Bereich als auch mit Blick auf die Schulinfrastruktur.

Stellungnahmen der Organisationen

Das Land Hessen hat bisher keine landesweit einheitlichen Vorgaben für den Rechtsanspruch auf Ganztag festgelegt. Aus diesem Grund konnte noch keine Expert:innenanhörung im Landtag stattfinden. Deshalb hatte die GEW Hessen für den 18. Juni eine Veranstaltung in Form einer Anhörung zum Rechtsanspruch auf Ganztag organisiert. Der Einladung waren unter anderem die hessische Sozialministerin Heike Hofmann, die Frankfurter Stadträtin Sylvia Weber sowie Vertreter:innen des Hessischen Städtetages und von Eltern- und Schülervertretungen gefolgt.

Nach Ansicht von Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, wurde in der Anhörung deutlich, dass es für den Ganztagsanspruch in Hessen aktuell nicht gut aussieht: „Mein Eindruck ist, dass bei allen, die mit der Umsetzung des Rechtsanspruchs zu tun haben, eine große Unsicherheit herrscht. Zwar wäre ein gut organisierter und mit den notwendigen Ressourcen ausgestatteter Ganztag ein echter Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Daran aber, so die überwiegende Einschätzung der Anzuhörenden, mangelt es in Hessen. Insbesondere die Kommunen werden vom Bund und vom Land buchstäblich im Regen stehen gelassen. Ihnen wurde wieder einmal eine neue Aufgabe übertragen, ohne die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.“

Deshalb brauche es dringend mehr Geld für die Bildungsinfrastruktur und die Beschäftigten an den Schulen, um gute Ganztagsangebote zu schaffen. Vorschläge, die Lehrkräfte verstärkt im Ganztag einzusetzen, seien hingegen nicht sinnvoll. Angesichts des akuten Mangels an Grundschullehrkräften bestünden überhaupt keine Kapazitäten für die Übernahme zusätzlicher Betreuungsaufgaben.

Ein gutes Vorbild für Hessen ist nach Auffassung der stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Hessen, Heike Ackermann, das Nachbarland Thüringen: „Hier sind nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Erzieher:innen im Ganztag beim Land beschäftigt. Auf diesem Wege könnten die hessischen Kommunen finanziell entlastet werden. Zudem wäre so auch eine zielgenaue Personalsteuerung und die notwendige Koordination von Schule und Ganztagsangeboten möglich.“