„Lehramtsstudierende nicht als Vertretungskräfte verheizen!“

Konsequenzen aus LABORA-HE-Studie ziehen

Frankfurt: Die Hälfte der hessischen Lehramtsstudierenden arbeitet bereits während des Studiums an Schulen. Die GEW Hessen sieht sich in ihrer Kritik an den Folgen des Lehrkräftemangels bestätigt: Die Landesregierung müsse die Attraktivität des Lehrkräfteberufs steigern und Qualifikationsprogramme für langjährige Vertretungslehrkräfte schaffen.

Die Ergebnisse der Befragung im Rahmen der LABORA-HE-Studie bestätigen aus Sicht der GEW Hessen, was Lehrkräfte schon lange wahrnehmen: Lehramtsstudierende sind inzwischen im großen Stil an den Schulen tätig, um die Lücken notdürftig zu füllen, die der massive Lehrkräftemangel aufgerissen hat.

Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, stellt vor diesem Hintergrund fest: „Der Lehrkräftemangel an Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen ist offensichtlich so groß, dass hier besonders viele Studierende aus anderen Lehrämtern eingesetzt werden. Doch wer sich zum Beispiel für das Lehramt für Gymnasien entschieden hat, lernt im Studium nichts über den Schriftspracherwerb oder Grundschulpädagogik, die man bei einem Einsatz als Vertretungskraft an einer Grundschule dringend benötigt.“

Thilo Hartmann betont, dass den Studierenden kein Vorwurf zu machen ist. Mit ihrem Einsatz vermieden sie den ansonsten drohenden kompletten Ausfall von Unterricht. „Doch es liegt auf der Hand, dass die Qualität des Unterrichts dann nicht so gut ausfallen kann – besonders, wenn Fach und Schulform nicht zum Studium passen. Mittelfristig drohen zudem negative Auswirkungen in Bezug auf die eigene Ausbildung. Viele Lehramtsstudierende berichteten von Problemen, Studium und Vertretungstätigkeit zeitlich unter einen Hut zu bekommen.“ Zudem sei in der Lehrkräftebildung unumstritten, dass Praxiseinsätze angeleitet und reflektiert werden müssen, wenn sie der Entwicklung von Professionalität förderlich sein sollen. Das sei bei Vertretungseinsätzen, im Gegensatz zu den im Rahmen des Studiums vorgesehenen regulären Praxisphasen, jedoch nicht der Fall.

Die GEW Hessen fordert als Konsequenz weitere Schritte gegen den Lehrkräftemangel: „Der neu geschaffene Quereinstieg mit nur einem Fach war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Aber wir warten noch immer auf das angekündigte berufsbegleitende Qualifikationsprogramm für langjährige Vertretungskräfte mit anderen Abschlüssen. Außerdem muss der Beruf attraktiver werden, damit wir die ausgebildeten Lehrkräfte halten können.“

Hintergrund: Die Studie „Lehramtsstudierende in Arbeit und Beruf: Organisation, Ressourcen, Aufgaben in Hessen. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse der Studie LABORA-HE der lehrkräftebildenden Hochschulen in Hessen im Wintersemester 2024/2025“ wurde jüngst veröffentlicht und ist online einsehbar: 

https://doi.org/10.17192/openumr/342.

An der Studie beteiligten sich über 5.000 Lehramtsstudierende. Hiervon gaben 50 Prozent an, bereits an Schulen zu arbeiten. Selbst Studierende in den ersten beiden Semestern, die noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen, sind bereits zu einem Drittel an Schulen tätig. Ein Großteil der Studierenden wird fachfremd eingesetzt. Sie unterrichten also überwiegend Unterrichtsfächer, die sie überhaupt nicht studieren. Zudem sind viele in einer Schulform tätig, die nicht ihrem Studiengang entspricht. Besonders betroffen sind Grundschulen sowie Haupt- und Realschulen.

Eine erhebliche Zahl von Studierenden übernimmt Aufgaben in der Notenvergabe oder als Klassenleitung. 26 Prozent gaben an, dass sie mündliche Leistungen bewerten, 25 Prozent, dass sie Klassenleitungsaufgaben übernehmen und 24 Prozent, dass sie schriftliche Leistungen benoten. 14 Prozent stellen sogar Zeugnisse aus.