Auch in der Wissenschaft: Frauen* werden weiterhin benachteiligt

11. Februar - Internationaler Tag der Frauen* und Mädchen in der Wissenschaft | Pressemitteilung

Frankfurt: Zum internationalen Tag der Frauen* und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar mahnt die GEW Hessen eine ehrliche Bestandsaufnahme der Arbeitsbedingungen und Chancen für Frauen* an den hessischen Hochschulen an.

Die Ausbildung von Studierenden lebt von dem Engagement tausender Wissenschaftlerinnen. Dass heute über die Hälfte der Studienabschlüsse in Hessen von Frauen* erworben werden (53,9 Prozent), ist ein Erfolg jahrzehntelanger gleichstellungspolitischer Arbeit.

Doch die gläserne Decke ist dick in Hessen. Während der Frauenanteil bei den Promotionen noch stabil ist, bricht er auf dem Weg zur Professur ein. Der neue Hessische Hochschulpakt 2026–2031 verschärft diese Situation: Durch die weitere strukturelle Unterfinanzierung geraten ausgerechnet Programme und Stellen unter Druck, die für Planungssicherheit sorgen könnten. „Wer von Frauenförderung spricht, aber beim Personal kürzt, nimmt das Ausscheiden hochqualifizierter Frauen* billigend in Kauf“, erklärt Simone Claar, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen. So sank erstmalig der Anteil der von Frauen* besetzten Professuren im Vergleich von 2023 zu 2024 um einen Prozentpunkt von 31 Prozent auf 30 Prozent. Bei den weiteren wissenschaftlichen Beschäftigten beträgt der Anteil der von Frauen* besetzten Stellen 44 Prozent an Universitäten und 38 Prozent an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. „Dagegen sind mehr als 60 Prozent der Beschäftigten des verwaltungstechnischen Personals Frauen*“, stellt Claar fest. Sie fordert: „Die Landesregierung muss den Hochschulpakt nachbessern und die im Hessischen Hochschulgesetz verankerte Chancengleichheit durch Dauerstellen absichern. Die 2024 vereinbarte schuldrechtliche Vereinbarung muss dringend umgesetzt werden. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Dauerstellen jenseits der Professur. Außerdem sollte das Gender-Monitoring gestärkt werden.“ Alle hessischen Hochschulen –  allen voran die Hochschule Fulda und die Goethe-Universität Frankfurt – legen in verschiedenen Abständen Gleichstellungsberichte vor, diese hängen aber maßgeblich von der finanziellen Ausstattung für Chancengleichheit und Gleichberechtigung an den Hochschulen ab.

Der Tarifvertrag Hessen sichert den Angestellten relative Entgeltgleichheit. Allerdings ist die Datenlage zum „Gender-Pay-Gap“ bei Professuren in Hessen sehr dünn. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug der Anteil von Frauen* an den am höchsten besoldeten W3-Professuren 27,4 Prozent. Die eigentliche Lücke entsteht aber bei den Berufungszulagen. Auswertungen anderer Bundesländer ließen hier aufhorchen: 2019 verdienten Professorinnen an den Hochschulen in NRW pro Monat durchschnittlich 521 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.