Frankfurt am Main: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW Hessen) zieht eine erste kritische Bilanz der Auswirkungen des Hessischen Hochschulpakts und fordert von der Landesregierung eine höhere Grundfinanzierung für die Hochschulen.
Bereits jetzt zeigt sich, dass die finanziellen Vereinbarungen des Hessischen Hochschulpakts nicht ausreichen, um Studium, Lehre und Beschäftigung dauerhaft abzusichern. Für die kommenden Jahre drohen spürbare Qualitätsverluste, Streichungen von Studiengängen, Stellenabbau und eine weitere Verschärfung prekärer Arbeits- und Studienbedingungen an den Hochschulen. Aus Sicht der GEW Hessen ist klar: Der Hochschulpakt verfehlt sein zentrales Ziel einer verlässlichen und auskömmlichen Finanzierung.
„Der Hochschulpakt bietet keine verlässliche Perspektive für die Hochschulen. Er verschiebt notwendige Investitionen und verschärft bestehende strukturelle Engpässe. Um gravierende Folgen für Studium, Lehre und Beschäftigung zu verhindern, muss die Landesregierung jetzt umdenken“, erklärt Simone Claar, stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen.
Derzeit beraten die Hochschulgremien über die konkrete Umsetzung der vorgesehenen Kürzungen. Es formiert sich Protest vor Ort bei Studierenden und Beschäftigten. So wird es auch am 28. Januar an verschiedenen hessischen Hochschulstandorten Proteste geben, die im Rahmen eines bundesweiten Hochschulaktionstages stattfinden. „Gestrichene Stellen oder Studiengänge kommen in der Regel nicht wieder. Gute Hochschulen gibt es nur mit guten Arbeits- und Studienbedingungen. Wer an einer auskömmlichen Grundfinanzierung spart, spart an Bildung, Forschung und an der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“, so Claar.
Nach Einschätzung der GEW werden die Folgen im nächsten Jahr besonders in Studiengängen spürbar sein, die dringend benötigte Fachkräfte ausbilden – etwa in der Sozialen Arbeit, in der Lehramtsausbildung sowie in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Kürzungen, steigende Lehrbelastungen und befristete Beschäftigung gefährden dort unmittelbar die Qualität der Lehre und die Zahl der Absolvent*innen. „Wer heute bei den Hochschulen spart, verschärft den Fachkräftemangel von morgen – in der Sozialen Arbeit und bei Lehrkräften genauso wie in der Industrie“, warnt Claar.
Besonders problematisch sei, dass die Kürzungen in eine Zeit fallen, in der Wissenschaft und demokratische Bildung massiv unter Druck stehen. Der zunehmende Rechtsruck greife die Freiheit von Wissenschaft und Lehre offen an, delegitimiere kritische Forschung und stelle Hochschulen als Orte pluraler Debatte grundsätzlich infrage.
„Wenn Wissenschaft und Demokratie von rechts unter Druck geraten, muss die Landesregierung die Hochschulen stärken – nicht kaputtsparen“, betont Simone Claar. „Wer jetzt kürzt, gefährdet die Freiheit von Forschung und Lehre und schwächt die Hochschulen als zentrale Orte kritischen Denkens und demokratischer Bildung.“
Die GEW Hessen fordert die Landesregierung deshalb auf, die Grundfinanzierung der Hochschulen deutlich zu erhöhen. Starke, öffentlich finanzierte Hochschulen dürften nicht von Drittmitteln oder kurzfristigen Leistungslogiken abhängig gemacht werden, sondern müssten dauerhaft in der Lage sein, wissenschaftliche Unabhängigkeit und demokratische Verantwortung zu sichern.