Frankfurt: Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen verkündet eine Streichung der Zuweisung für Binnendifferenzierung an integrierten Gesamtschulen. Aus diesen Mitteln wurden bislang Lehrkräfte für Förderangebote, zusätzliche Lernzeiten, Team-Teaching und präventive Unterstützung finanziert.
Die GEW Hessen kritisiert die Maßnahme des Kultusministeriums und fordert, die Kürzungen zurückzunehmen. Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, machte deutlich, welchen Einfluss diese Kürzungen auf den Bildungserfolg vieler Schüler:innen haben werden: „Erst vor wenigen Wochen hat der IQB-Bildungstrend aufgezeigt, dass sich die Kompetenzen in Mathematik und den Naturwissenschaften in Hessen deutlich verschlechtert haben. Wie das Kultusministerium gerade jetzt auf die Idee kommt, an den integrierten Gesamtschulen zu sparen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Diese Kürzungen treffen die am stärksten, die besonders auf Unterstützung angewiesen sind. Wir lehnen diese Einsparungen, die zu Lasten der Beschäftigten und der Schüler:innen gehen, entschieden ab.“
In integrierte Gesamtschulen begegnen sich Schüler:innen mit den unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen: „Die Schulen ermöglichen eine gezielte individuelle Förderung, festigen vor allem die grundlegenden Kompetenzen in Deutsch und Mathematik und helfen dabei, dass möglichst viele junge Menschen am Ende der Sekundarstufe I einen qualifizierenden Schulabschluss erlangen“, sagte Hartmann. Mit der individuellen Förderung übernehmen die integrierten Gesamtschulen eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für mehr Bildungsgerechtigkeit. „Junge Menschen sind die Fachkräfte von morgen. Das Kultusministerium gefährdet mit den Kürzungen die Möglichkeit vieler Schüler:innen auf einen guten Start in Ausbildung, weiterführende Bildungsgänge und den Arbeitsmarkt“, sagte Hartmann abschließend.
Schüler:innen in integrierten Gesamtschulen werden nicht in Haupt,- Realschul- oder Gymnasialzweige unterteilt. Sie lernen gemeinsam und werden, je nach Schulkonzept, gemeinsam in allen Fächern binnendifferenziert unterrichtet. Dies bedeutet unter anderem die Unterstützung durch unterschiedliche Lernmaterialien oder gezielter Förderangebote. Die vorgesehenen Kürzungen belaufen sich – je nach Jahrgang – auf bis zu 2,1 Lehrerwochenstunden pro Klasse und führen zu erheblichen Stundenverlusten. Die betroffenen Schulen rechnen mit dem Wegfall von ein bis mehr als drei Lehrkräftestellen pro Schule. Viele pädagogische Förderangebote können ohne die zugewiesenen Stellen nicht mehr geleistet werden.