Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern

Gedanken dazu machen ja, aber nicht so

Jahrespraktikantinnen und -praktikanten können nicht gut ausgebildet werden, wenn diese auf die Personalbemessung bis zu 19 Std. (50%) angerechnet werden. Dies ist laut hessischem Kinderförderungsgesetz (KiFöG)  möglich und wird auch so praktiziert.

Besonders im letzten praktischen Ausbildungsjahr können angehende Erzieherinnen und Erzieher sich praktisch ausprobieren. Sie können und müssen in allen Bereichen der Kita arbeiten. Sie sollen außer der Arbeit mit dem Kind lernen Beobachtungen zu führen, diese zu dokumentieren, Elterngespräche vor und nach zubereiten und auch selbst zu führen, Elternabende und Feste etc. mitzugestalten. Dies ist nur eine kleine Aufzählung der Dinge, die in der Kita anfallen. Das alles will von einer Praxisanleiterin oder Praxisanleiter gut begleitet werden. Diese hat dafür im Idealfall ein Zeitkontingent, in dem sie aber auch aus der "Arbeit mit den Kindern" fällt.

Das letzte Jahr der Ausbildung muss viel Zeit für begleitete Reflexion und für die Möglichkeit haben, aus Fehlern zu lernen. Dies gelingt nur wenn die Jahrespraktikantinnen und -praktikanten und die Praxisanleitungen genügend Zeit dafür haben und nicht in das Spannungsfeld der zu geringen Personalbemessung geraten.

Manche Kitaleitung kommt so zu der Überlegung, vielleicht lieber eine Halbtagskraft einzustellen statt eines zeitaufwendigen Auszubildenden. Oder falls keine Teilzeitkraft vorhanden ist, die Stelle trotzdem unbesetzt zu lassen, da die Ausbildung  eines Erzieher*in im letzten Jahr zu aufwendig erscheinen mag. Dies ist meiner Meinung nach äußerst kontraproduktiv.

Darüber sollte man sich Gedanken machen,  bevor man sich über neue Ausbildungsformen, die auch für die Einrichtungen ein hohes Maß an Flexibilität und Zeitaufwand bedeutet, unterhält. Jede neue Form von Ausbildung und diese sprießen im Moment aus allen Löchern, bedeutet neues sich Einarbeiten der Kollegeninnen und Kollegen, die sich bereit erklären, Anleitungen zu übernehmen. Wer gibt ihnen die Zeit und wer weist sie ein? Ich finde es wichtig auszubilden, aber für welchen Preis geschieht dies heute?

Ich finde es gut, dass die Politik sich Gedanken über die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern macht. Was sie ja schon viel eher hätte machen sollen und nicht jetzt,  wo es sich so massiv zeigt, in welcher katastrophalen Personalsituation wir uns befinden. Im Moment habe ich aber das Gefühl, dass es nicht um Qualität in den Kitas geht, sondern wieder mal einen Schnellschuss aus der Politik. Von Menschen, die Kita nur aus ihrer eigenen Kindheit oder als Eltern und Großeltern her kennen und nicht von der Praxis. Wer wird eigentlich zu solchen Koalitionsverträgen gefragt?

Janina Pieé

Teamvorsitzende der Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe der GEW Hessen