OloV-Steuerkreis konstituiert

Viele Jugendliche nach Schulabgang unversorgt

HLZ 9-10/2020

OloV und ESF-Maßnahmen – was ist zu erwarten?

Am 17. Juni 2020 fand die konstituierenden Sitzung des Steuerkreises OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf) in Form einer Telefonkonferenz statt. Im Steuerkreis sind mehrere Ministerien, Arbeitgeberverbände, DGB, Kammern, Kommunale Spitzenverbände, die Agentur für Arbeit, das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie regionale OloV-Koordinatoren vertreten. Die Federführung hat das Wirtschaftsministerium.

Im Mittelpunkt standen die Folgen der Corona-Pandemie für die Jugendlichen im Übergangsbereich Schule – Beruf. Die regionalen Koordinatoren und Koordinatorinnen berichteten, dass „die Schwächsten der Schwachen“ die großen Verlierer sind. Vielen fehlt ein halbes Jahr Unterricht. Die Kontakte zu ihnen gingen verloren – wie auch zu den Akteuren im Bereich Berufsvorbereitung und Vorbereitung des Übergangs in Ausbildung bzw. in Maßnahmen. Es sei unklar, ob die Angebote der Agentur für Arbeit, der Berufsfachschulen zum Übergang in Ausbildung und die Ausbildungsplätze selbst ausreichen. Auch in der Ausbildung hätten besonders lernschwache Neuzugewanderte große Probleme. Die Unterstützung durch die Jugendberufshilfe fehle und auch der Wegfall der Berufseinstiegsbegleitung mache sich bemerkbar. Sie hätte eine wichtige Unterstützung bieten können, da die Betreuerinnen und Betreuer in Schulen angesiedelt waren, die für von außen Kommende geschlossen waren. Auch für viele Schülerinnen und Schüler mit Realabschluss sei der Kontakt zu den Beratungskräften der Jugendberufshilfe und der Arbeitsagentur abgerissen, denn diese dürfen derzeit nicht in die Schulen. Es sei deshalb mit einer steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern ohne Anschluss nach der Regelschule zu rechnen, gleichzeitig gehe auch die Zahl der Plätze in den Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung zurück.

Das Wirtschaftsministerium gab bekannt, dass die Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) um 20 Prozent gekürzt werden. Sie sollen – vorbehaltlich der tatsächlichen Mittelzuweisung und einer möglichen Kofinanzierung – in folgende Bereiche gehen:

  • Berufsorientierung
  • OloV (Koordination und regionale Mittel)
  • Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB)
  • Europäische Mobilitätsberatung für Azubis
  • Weiterbildungsberatung und Begleitung für Beschäftigte
  • Digitale Weiterbildung fördern: Qualifizierungsschecks
  • Modellprojekte und Konzeptförderung in kleinerem Umfang

Die folgenden Programme sollen ohne ESF-Förderung fortgesetzt werden, wenn die entsprechenden Haushaltsmittel zur Verfügung stehen:

  • Kofinanzierung der Werkstatttage (Berufsorientierungsprogramm des Bundes)
  • Ausbildungsplatzförderung
  • Programm für Hauptschülerinnen und Hauptschüler
  • Wirtschaft integriert
  • Überbetriebliche Ausbildung: Auszubildendenlehrgänge und Modernisierung von Bildungsstätten (z. T. aus Mitteln des Europäischer Fonds für regionale Entwicklung)
  • Gut ausbilden

Einschätzungen der GEW

Die personell gut aufgestellten Lobbyisten der Wirtschaftsverbände und das Hessische Kultusministerium (HKM) arbeiten eng zusammen, unter anderem bei der Erstellung von gemeinsamen Konzepten und Materialien für die Online-Beschulung. Die Arbeitsagentur erweckte im Steuerkreis den Eindruck, alles im Griff zu haben, doch darf diese aufgrund des derzeitigen „Schulbesuchsverbots“ für die Beraterinnen und Berater bezweifelt werden. Das HKM hat in erster Linie die Eltern im Blick, nicht die Lehrkräfte und ihre Vertretungen bzw. Verbände. Die Umsetzung der Maßnahmen in Folge der Corona-Krise wird verordnet, Kooperationen und Mitbestimmung bleiben auf der Strecke.

Man darf gespannt sein, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Das HKM hat angekündigt, Praktika und externe Beratung nach den Herbstferien „in Abhängigkeit von der Infektionslage“ wieder zu ermöglichen.

Christoph Baumann