Examen Herbstdurchgang 2020

GEW Studis solidarisieren sich mit Examenskandidatinnen und -kandidaten

Pressemitteilung 21. Juli 2020

In einem offenen Brief haben die Examenskandidatinnen und -kandidaten des Herbstdurchgangs 2020 an der Goethe-Universität auf die erschwerten Lern- und Prüfungsbedingungen hingewiesen, die sich durch die Corona-Pandemie ergeben. So ist der Zugang zu Bibliotheken und den damit verbundenen Arbeitsplätzen nach wie vor eingeschränkt, die Themen- und Literatursuche infolge dessen zeitaufwendiger und die Erreichbarkeit der Prüferinnen und Prüfer langwieriger.

In einer Petition fordern die Examenskandiatinnen und -kandidaten deshalb einen Nachteilsausgleich, unter anderem durch eine Anpassung des Prüfungsumfangs und der Prüfungszeit.1

Die Lehrkräfteakademie reagiert nicht auf die Sorgen der Studierenden und empfiehlt lediglich „auf den nächsten Durchgang im Frühjahr auszuweichen“. Auch für Studierende, die einer Risikogruppe angehören, gibt es keine geeigneten, Konzepte, um unter entsprechenden Maßnahmen des Gesundheitsschutzes ihr Studium zum geplanten Zeitpunkt abzuschließen. Ihnen wird „empfohlen, die Prüfung ein halbes Jahr später anzutreten“. Ein Nachteilsausgleich sei nicht geplant. Bei einer offiziellen Online-Informationsveranstaltung der Lehrkräfteakademie zum ersten Staatsexamen hieß es, „jeder geht sehenden Auges in diese Prüfung“, und zwar „unter diesen Bedingungen oder eben nicht“. 2 Kyra Beninga, Mitglied der GEW-Studis an der Goethe-Universität, ist empört über die Reaktion der Lehrkräfteakademie: „Viele Studierende können eine Verlängerung ihres Studiums nicht finanzieren und haben jetzt schon mit Existenzängsten und Unsicherheiten bezüglich ihrer Studienfinanzierung zu kämpfen. Ein solche Empfehlung verkennt die Lebensrealität der Studierenden und bietet keine echte Alternative. Auch im Frühjahr ist mit Einschränkungen für den Examensdurchgang zu rechnen. Die Empfehlung der Lehrkräfteakademie scheint daher auch langfristig nicht nachhaltig, besonders vor dem Hintergrund, dass so ein großer Lehrkräftemangel herrscht.“

„Wir erwarten von der zuständigen Prüfungsstelle lösungsorientierte Vorschläge für die Examensjahrgänge, die von der Corona-Pandemie betroffen sind. Die Sorgen und Ängste der Studierenden müssen endlich ernst genommen werden. Kein Prüfungsamt sollte Studierenden, die gewillt sind, eine Prüfung abzulegen die Möglichkeit nehmen.“, stellt Nathalie Schäfer, Sprecherin der Studierenden in der GEW, heraus. Insbesondere für Studierende, die einer Risikogruppe angehören, sind die Empfehlungen benachteiligend. Gleiches gilt für den Hinweis der Lehrkräfteakademie, die von „Neuzulassungen“ für Examensarbeiten abrät. 3 Die  GEW hat bereits im April auf den Missstand aufmerksam gemacht, dass die wissenschaftliche Hausarbeit zum ersten Staatsexamen zwar wieder angemeldet werden kann, die jeweiligen Kandidatinnenund Kandidaten  jedoch eine Erklärung unterschreiben müssen, dass sie sich über die erschwerten Bedingungen, unter denen sie die Arbeit antreten, bewusst sind. 4Wir halten eine derartige Selbstverpflichtung von Studierenden für inakzeptabel und fordern eine Verlängerungsfrist der Fertigstellung der Wissenschaftlichen Hausarbeit zum ersten Staatsexamen von mindestens acht Wochen“, so Nathalie Schäfer.


1 Petition der Studierenden des Examensdurchgangs Herbst 2020: https://docs.google.com/document/d/1bXQG2dJf8TjtChQQtKeQC0JfmTCtVfF6OnL7ImhwKoM/edit, zuletzt aufgerufen am 19.07.2020.

2 Folien der offiziellen Online-Informationsveranstaltung der Lehrkräfteakademie zum ersten Staatsexamen, welche der GEW vorliegen.

3 Vgl. Hessische Lehrkräfteakademie, https://lehrkraefteakademie.hessen.de/lehrerausbildung/pruefungsstellen/frankfurt-am-main/aktuelle-infos, zuletzt abgerufen am 19.07.2020.

4 Vgl. Aktuelle Informationen und Forderungen des Referats AuF: Zur 1. Phase der hessischen Lehrerbildung angesichts der Corona-Pandemie (06.04.2020), https://www.gew-hessen.de/home/details/zur-1-phase-der-hessischen-lehrerbildung-angesichts-der-corona-pandemie/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=33e6d7d62ef71dbf300aa6c0dcdb6e71, zuletzt abgerufen am 19.07.2020