Gegen den neoliberalen Mainstream

Debatten, Wahlen, Beschlüsse

HLZ 12 | 2017: LDV 2017

Gegen den neoliberalen Mainstream (DS 13)

In einer ausführlichen Stellungnahme bezieht die GEW Hessen Stellung gegen „den herrschenden bildungspolitischen Mainstream“, dem es ausschließlich „um betriebswirtschaftliche Effizienz, Konkurrenz und Verwertbarkeit“ geht und der „Bildung – vom Kindergarten über die Schulen und Hochschulen bis zur Weiterbildung – auf die Vermittlung instrumenteller Fertigkeiten (‚Kompetenzen‘) verengt.“ Diesem „Mainstream“ setzt die GEW ihre Vorstellungen entgegen.

(..) Kinder, Jugendliche und junge Menschen (…) brauchen Zeit für ihre persönliche Entwicklung, für spielerisches Erproben und kreatives Gestalten, für gründliches Nachdenken und kritisches Prüfen sowie für die Entwicklung von Urteilsfähigkeit. Lernstress durch immer neue Vorgaben und eine von „Testeritis“ und permanenter Selbstoptimierung unter anderem durch sogenannte Kompetenzraster beherrschte Lernatmosphäre behindern Bildung. (…) Die Forderung nach „Modernisierung“ und „Digitalisierung“ der Schule zielt auf unkritische Anwendung, und verfehlt Wesentliches, nämlich Wissen und Fähigkeiten, die den kritischen Blick schärfen und der Beherrschbarkeit der Technik dienen. Derart ausgerichtet und auf allen Ebenen immer mehr durch ein „Teaching to the Test“ bestimmt, bleibt Bildung in ihrer ethischen und emanzipatorischen Funktion auf der Strecke. (…)

Bildungsarbeit ist Beziehungsarbeit und viel mehr als „Lernberatung“. Das von neoliberaler Seite propagierte Leitbild der Lehrkraft als „Lernberaterin“ oder „Lernberater“ kommt scheinbar fortschrittlich daher, ist aber eine massive Abwertung des Berufes, der eine gehaltsmäßige Abwertung zwingend folgt, die in Hessen von der schwarz-grünen Landesregierung teilweise auch schon durchgesetzt ist. Um ihrer Verantwortung für die heranwachsende Generation gerecht werden zu können, brauchen Lehrerinnen und Lehrer an Schulen und Hochschulen pädagogische Freiheit und mehr Mitbestimmungsrechte. Für die hessische GEW ist die pädagogische Freiheit in Schule und Hochschule ein hohes Gut, das durch normierende Methoden, die im Gleichschritt angewendet werden sollen, zunehmend in Gefahr gerät. Die Rechte der Gesamtkonferenz müssen wahrgenommen, angewendet und gestärkt werden, damit Schulentwicklung als demokratischer Prozess gestaltet und nicht „Top down“ angeordnet werden kann. Der Begriff der „Führung“ stammt aus vordemokratischer Zeit und ist nicht geeignet für Schulen und Hochschulen in der Demokratie. (...)

Investitionsprogramm Gute Bildung (DS 12)

Madlen Krawatzek (Foto unten links) begründete den Antrag der Jungen GEW zur Bildungsfinanzierung unter anderem mit der Ausssicht auf eine Jamaika-Koalititon, die zwar mehr Geld für Bildung verspreche, aber auch die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auszuhöhlen drohe. Aufgabe der Gewerkschaften ist es, „mit Hilfe von Lobbyarbeit, gezielten politischen Aktionen und in enger Kooperation mit gleichgesinnten gesellschaftlichen Bewegungen für eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen“. Außerdem gelte es, „gesellschaftliche Ursachen, die rechte Strömungen salonfähig machen und soziale Spaltung befördern, zu bekämpfen und zu beheben“.

Die GEW fordert von einer neuen Bundesregierung

  • ein flächendeckendes Programm für Bildungsausgaben von mindestens 55 Milliarden Euro pro Jahr 
  • Ausbau von Ganztagsschulen im Sinne der gewerkschaftlichen Forderungen (...)
  • dauerhafte Finanzierung der Bildungsaufgaben durch den Bund und die Länder
  • Einführung einer Ausbildungsplatzgarantie
  • kostenfreier Zugang zu Bildung für alle
  • Reform des BAföG (Anpassung der Freibeträge, Bedarfssätze und Sozialpauschalen, elternunabhängig und darlehensfrei)
  • Rechtsanspruch auf Fortbildungen
  • langfristige Maßnahmen zur Integration von Geflüchteten (...) durch Fachpersonal mit Tarifbindung (...)