Tarif- und Besoldungsrunde 2017 in Hessen - Fragen und Antworten

Arbeitszeit Lehrkräfte (Pflichtsunden-VO) ab 1.8.2017

Aktualisiert Mai 2017

Was ändert sich an der Arbeitszeit der Lehrkräfte?

Die Pflichtstundenverordnung für Lehrkräfte sieht in der aktuell gültigen Fassung in Hessen eine wöchentliche Pflichtstundenzahl zwischen 29 Stunden an Grund- (ohne Lehramtsbefähigung: 30 Stunden) und 25 Stunden an Berufsschulen vor – diese Regelung gilt für Lehrkräfte bis zum Ende des Schulhalbjahres, in dem das 50. Lebensjahr vollendet wird. Eine Reduzierung der Pflichtstundenzahl erfolgt um eine halbe Pflichtstunde ab Vollendung des 50. Lebensjahres, dann eine Reduzierung um eine volle Pflichtstunde ab Vollendung des 60. Lebensjahres. Hiermit darf nicht die sogenannte „Altersermäßigung“ (§ 9 Pflichtstunden-VO) verwechselt werden, die eine altersbezogene Reduzierung der Pflichtstunden ab 55 Lebensjahren und nochmals ab 60 Jahren für Lehrkräfte, die überwiegend unterrichten, vorsieht (jeweils eine Stunde bei mehr als 3/4 Unterrichtseinsatz).

Der Entwurf der neuen Pflichtstundenverordnung für Lehrkräfte, die ab 1. August 2017 in Kraft treten soll, sieht analog zur allgemeinen Reduzierung der Wochenarbeitszeit bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres eine Verminderung der Pflichtstundenzahl über alle Schulformen hinweg in Höhe von einer halben Stunde für alle bis 50-Jährigen vor. Nach Inkrafttreten der neuen Verordnung müssen dann die bis 60-Jährigen noch eine halbe Pflichtstunde länger arbeiten als die über 60-Jährigen. Diese halbe Stunde wird auf das „Lebensarbeitszeitkonto“ gutgeschrieben. Dem mittlerweile vorliegenden Entwurf von Richtlinien zum Lebensarbeitszeitkonto für Lehrkräfte sowie für Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ist zu entnehmen, dass über 60-Jährige auf Antrag eine halbe Pflichtstunde mehr arbeiten können. Diese halbe Pflichtstunde wird dann auf das Lebensarbeitszeitkonto gutgeschrieben.

Das geschilderte Vorhaben der Landesregierung – die Reduzierung der Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten bis zur Vollendung des fünfzigsten Lebensjahres im Rahmen der neuen Hessischen Arbeitszeitverordnung auf 41 Stunden sowie die Verkürzung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte sowie von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen um eine halbe Stunde – ist nach Auffassung der GEW ein Schritt in die richtige Richtung. Dieser Schritt fällt aber zu kurz aus: Wir fordern weiterhin die Übernahme des Tarifergebnisses von 2009 und damit die Reduzierung der Arbeitszeit auf maximal 40 Stunden pro Woche für die Beamtinnen und Beamten sowie um insgesamt mindestens eine Pflichtstunde für die Lehrkräfte und die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, um die immer schlechter ausfallenden Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst in Hessen zu verbessern. Zudem sollte generell eine angemessene Erhöhung der Schuldeputatsstunden erfolgen. Der hohe Teilzeitanteil und die vielen Überlastungsanzeigen aus den Schulen sprechen hier ebenso eine deutliche Sprache.

Würde der Forderung der GEW nach der Reduzierung der Pflichtstunden um eine weitere halbe Stunde für alle Lehrerinnen und Lehrer, die ihr 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, entsprochen, dann wäre damit die im Rahmen der so genannten „Operation Sichere Zukunft“ im Jahr 2004 erfolgte Pflichtstundenverlängerung übrigens vollständig rückgängig gemacht. Mit Blick auf die Debatte um die Arbeitszeit ist zu beachten, dass die Verlängerung der Lehrkräftewochenarbeitszeit 2004 altersabhängig erfolgte: Bei den über 60-Jährigen erfolgte keine Veränderung der Arbeitszeit, bei den 50- bis 60-Jährigen wurde um eine halbe Pflichtstunde verlängert, bei allen anderen um eine volle Pflichtstunde. 2004 wurden also die über 50- bzw. 60-Jährigen bei der Arbeitszeitverlängerung anders behandelt als die bis 50-Jährigen.

Artikel zur Pflichtstundenverordnung