GEW Hessen für radikale Reform der Beruflichen Schulen
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Vom: 07. Oktober 2009

GEW-Fachtagung zur Beruflichen Schule

Frankfurt (gew). „Berufliche Schulen brauchen ausreichendes und bestens ausgebildetes Personal, gut ausgestattete Räumlichkeiten und vor allem zeitgemäße Strukturen des Beruflichen Schulwesens, um gute berufliche Bildung möglich zu machen,“ fasste GEW-Vorstandsmitglied Ralf Becker die Gewerkschaftsforderungen zusammen. Im Bürgerhaus Gallus in Frankfurt hatten auf Einladung der Fachgruppe Berufliche Schulen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen über 200 Lehrkräfte Chancen für eine Neugestaltung der Beruflichen Schulen diskutiert. In seiner Begrüßungsansprache forderte Becker bessere Rahmenbedingungen für die Beruflichen Schulen. Er kritisierte die unzureichende Stellen- und Mittelzuweisung, die steigenden Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte an Beruflichen Schulen, sowie die überholten Strukturen des Beruflichen Schulwesens.  

In seinem Eingangsreferat stellte Klaus Heimann vom Bundesvorstand der IG Metall die Frage, ob die duale Berufsausbildung ein Auslaufmodell sei. Kritiker, so Heimann führten vor allem zwei Argumente ins Feld:
-         In Zukunft sei nur noch das wissenschaftliche lernen von Bedeutung
-         Es gibt nicht genügend Lehrstellen.
Gleichzeitig wies er darauf hin, dass 56 Prozent der 30 bis 35ährigen in Deutschland eine duale Berufsausbildung durchlaufen haben. Dies spreche ebenso für das System wie die Aussage von 6000 Schülerinnen und Schülern, die im aktuellen DGB-Ausbildungsreport zu Wort kommen, Sie beurteilen zu 2/3 das Angebot der Beruflichen Schulen mit sehr gut bzw. gut. Dennoch, so Heimann, gebe es natürlich große Probleme im dualen System. Er kritisierte u.a. Fehlentwicklung in der Berufsbildung wie eine falsch verstandene Modularisierung „Bildung braucht Zeit“, bekräftigte Heimann unter dem Applaus der Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer.

Das von der GEW Hessen entwickelte Zukunftsmodell für die beruflichen Schulen war Thema des zweiten Grundsatzreferats von GEW-Vorstandsmitglied Dieter Staudt. Es sieht – nach einer Neukonzeptionierung der Sekundarstufe I - eine grundlegende Reform der Strukturen des beruflichen Schulwesens vor. Danach soll es in Zukunft in den Beruflichen Schulen nur noch die berufsqualifizierenden und studienqualifizierenden Bildungsgänge, die Bildungsgänge der Weiterbildung und die Produktionsschule geben. „Das bestehende und kaum noch durchschaubare Wirrwarr der Schulformen an den beruflichen Schulen einschließlich der sogenannten Warteschleifen muss endlich beseitigt werden“, erklärte Staudt. Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung soll in der Sekundarstufe I in Kooperation mit den Beruflichen Schulen stattfinden. Für Jugendliche, die keinen dualen Ausbildungsplatz finden, ist eine neue Berufsfachschule vorgesehen, die zu einem vollwertigen Berufsabschluss führen soll und flexible Ein- und Ausgänge sowie Übergänge vorhält. Die Produktionsschule ist für diejenigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorgesehen, die Beratungs-, Orientierungs- und Nachholbedarf haben. „Alle Jugendliche erhalten nach zehn Schuljahren einen qualifizierten Schulabschluss, alle Jugendliche erhalten das Recht, eine vollqualifizierende Berufsausbildung oder einen studienqualifizierenden Bildungsgang zu absolvieren“ so fasst Staudt die GEW-Forderung zusammen.      

In den anschließenden sechs Workshops wurden einzelne Aspekte der momentanen berufsbildungspolitischen Diskussion (Selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen, Übergang ohne Warteschleife, Modularisierung der Berufsausbildung, Europäisierung und Fachschule, Selbstverantwortung plus und Hessencampus, Berufeneuordnung) beleuchtet und intensiv diskutiert.  

Entscheidungsträger der Beruflichen Bildung wie Wolfgang Kreher aus dem Kultusministerium, Dr. Brigitte Scheuerle von der Industrie- und Handelskammer, Christa Weidt-Klaes von der Bundesagentur für Arbeit, Roland Wegricht vom Landkreistag und Frank Gerdes als Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes wurden im abschließenden Fishbowl zum GEW-Zukunftsmodell und den Ergebnissen der Workshops befragt.
Dabei wurden die GEW-Forderungen interessiert und für „bedenkenswert“ aufgenommen. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Veranstaltung den Zug für eine grundlegende Reform der Beruflichen Schulen auf das richtige Gleis gesetzt haben,“ zogen Ralf Becker und Dieter Staudt befriedigt das Fazit der gewerkschaftlichen Fachtagung.