Titelthema: Für Demokratie Courage zeigen | Jugendliche organisieren Projekttage für Jugendliche
Kategorie: HLZ

 

Vom: 29.03.12

Fremdenfeindlichkeit, gewalttätige Übergriffe von Neonazis, Wahlerfolge neonazistischer Parteien und jede Menge Stammtischparolen sind in Deutschland keine Seltenheit. Das gab uns den Anstoß, unser Netzwerk zu initiieren, um diesen Zuständen etwas entgegenzusetzen.

Dafür gehen wir dorthin, wo sich Jugendliche den größten Teil des Tages aufhalten: in Schulen, in Ausbildungseinrichtungen und in Jugendclubs. Statt Mathe oder Biologie stehen dann Themen wie „Schublade offen! Am Anfang war das Vorurteil“ auf dem Lehrplan. So tragen wir die Jugendarbeit in die Schule hinein und erreichen so auch Jugendliche, die Angebote der politischen Bildung sonst nicht nutzen würden. Ausgehend von den Erfahrungen der Jugendlichen diskutieren wir mit ihnen über die Themen Rassismus, Sexismus, Vorurteile und menschenverachtendes Denken, ermutigen zur Zivilcourage und zeigen konkrete Möglichkeiten für demokratisches Engagement auf. Dank einer Vielfalt interaktiver Methoden vermitteln wir Demokratie als ein greifbares Erlebnis, das viel Spaß macht.

Die Projekttage werden von Jugendlichen für Jugendliche durchgeführt – ehrenamtlich. Mit viel Authentizität bringen sie frischen Wind in die Schulen und schaffen eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre auf Augenhöhe. Dass junge Menschen, die teilweise nur wenig älter sind als sie selbst, die Projekttage gestalten, ist für die meisten Schülerinnen und Schüler neu. Dies ermöglicht es ihnen, frei von Bewertungsdruck persönliche Meinungen äußern zu können. Die ehrenamtlich engagierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden in einer intensiven, mehrtägigen Ausbildung zu Teamern und Teamerinnen qualifiziert, um die Projekttage selbstständig im Zweierteam durchführen zu können. Während der Ausbildung setzen sie sich mit den Inhalten der Projekttage auseinander, üben sich in Didaktik und Rhetorik und lernen Bildungsprozesse zu gestalten.

Im NDC gestalten die Teamerinnen und Teamer die Projekttage inhaltlich und ethodisch mit. Die Konzepte werden beteiligungsorientiert erarbeitet und einmal jährlich angepasst, um die fortlaufende Aktualität zu gewährleisten. Dies geschieht auf Grundlage der Selbstevaluation, die die Teamerinnen und Teamer nach jedem Projekttag durchführen. Die Anmerkungen und Wünsche fließen so direkt in die Überarbeitung der Projekttage ein. So bleiben die Konzepte immer ganz dicht an der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen der Jugendlichen in den Schulen und Ausbildungseinrichtungen. Dass die Teamer und Teamerinnen ihre Ideen nicht nur einbringen, sondern sich gleichzeitig auch um deren Umsetzung kümmern, sichert eine hohe Motivation und Identifikation mit der Arbeit des NDC.

Ausgehend von einem kleinen Kreis junger Menschen, die zunächst in Sachsen vor über zehn Jahren die ersten Projekttage für Schulen entwickelten, ist das Netzwerk inzwischen gewachsen. Heute engagieren wir uns in elf Bundesländern, in Frankreich und Belgien. Jährlich erreichen wir eine Vielzahl an Schülern, bilden regelmäßig Jugendliche für die ehrenamtliche Durchführung der Projekttage aus und bieten auch Lehrerinnen und Lehrern Fortbildungen zur weiteren Bearbeitung der Themen im Unterricht an. Oft hören wir von den Schülerinnen und Schülern, dass sie zum ersten Mal die Möglichkeit hatten, sich in dieser Form über gesellschaftliche Themen mitzuteilen und dass sie dabei auch noch Spaß hatten.

Auch Lehrerinnen und Lehrer waren über die Diskussionsbereitschaft ansonsten eher unauffälliger Schüler überrascht. Dies gibt uns den Antrieb, uns auch weiterhin für Antirassimus und ein demokratisches Miteinander in Schulen und Jugendeinrichtungen einzusetzen.

Seit 1999 haben wir bundesweit

  • 2.253 ehrenamtliche Teamerinnen und Teamer in 149 Basis-Teamschulungen ausgebildet,
  • 10.928 Projekttage durchgeführt,
  • 163.920 Schülerinnen und Schüler erreicht,
  • 188 ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer ausgebildet und
  • 295 Teamtreffen zur Qualitätssicherung durchgeführt.

Bei der Vielfalt aller Bildungsaktivitäten innerhalb des NDC sind verbindliche Absprachen unabdingbar, um eine netzwerkübergreifend hohe Qualität der Arbeit abzusichern. Unsere Arbeit unterliegt daher bundesweit verbindlich vereinbarten Qualitätskriterien, die die Bildungs- und Netzwerkarbeit des NDC regeln. Dazu gehören das Arbeiten mit bundesweit einheitlichen Konzepten (Ziel-Inhalt-Methode-Papier), deren regelmäßige Überarbeitung sowie die bundesweite Evaluation all unserer Bildungsangebote.

In Hessen wird das NDC seit 2005 von der DGB-Jugend organisiert. Seit dem Jahr 2007 beteiligt sich daran zusätzlich der Bund der deutschen katholischen Jugend. Jährlich finden in Hessen im Schnitt 70 Projekttage statt.

Folgende Projekttage sind in Hessen buchbar:

  • Projekttag A – Schublade offen! Am Anfang war das Vorurteil (Diskriminierung, Rassismus, Migration und couragiertes Handeln)
  • Projekttag B – Alles verändert sich - Du machst den Unterschied! (Chancen, Interessen und Einflussmöglichkeiten in unserer Gesellschaft)
  • Projekttag C – Egal geht nicht! (Couragiertes Handeln gegen menschenverachtende Einstellungen und Neonazis)
  • Projekttag S – Was Barbie und Superman uns vorgeben  (Geschlechterbilder, Sexismus und couragiertes Handeln)
  • Projekttag F – Fortbildung (Projekttag für Multiplikator/ innen in Schule und Jugendarbeit zu rechter Ideologie und praktischer Handlungskompetenz)

Sascha Schmidt, DGB Hessen
Kontakt zur Landesnetzstelle Hessen: Sascha.Schmidt@dgb.de
Tel. 06151-399716, www.netzwerk-courage.de