Titelthema Hochschule: Studien zum wissenschaftlichen Mittelbau
Kategorie: HLZ, Mittelbau

 

Vom: 08.01.11

Dieter  Grühn,  Heidemarie  Hecht,  Jürgen  Rubelt  und  Boris Schmidt:  Der  wissenschaftliche  „Mittelbau“  an  deutschen Hochschulen.  Zwischen  Karriereaussichten  und  Abbruchtendenzen.  2009.

Die  von  ver.di  herausgegebene  Studie  beschäftigt  sich  mit Beschäftigungssituation,   Arbeitszufriedenheit,   Zukunftserwartungen und Einstellungen zu Gewerkschaften und Personalräten bei Promovierenden. Die Studie zeigt, dass wissenschaftliche  Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeiter  vielfach  deutlich  mehr  als  in  ihren  Arbeitsverträgen  vereinbart  arbeiten und  ihnen  zu  wenig  Zeit  für  die  Promotion  zur  Verfügung steht.

Die  objektiv  prekäre  Situation  der  befristeten  wissenschaftlichen  Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeiter  wird  allerdings  aufgrund  der  hohen  Identifikation  mit  der  Arbeit überwiegend  nicht  als  solche  empfunden.  Die  Studie  macht dennoch  deutlich,  dass  es  an  den  Hochschulen  ein  hohes Potenzial  für  gewerkschaftliche  Aktivitäten  bei  Promovierenden  und  wissenschaftlichen  Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeitern  gibt.

Ulf  Banscherus,  Klaus  Dörre,  Matthias  Neis  und  Andrä Wolter:  Arbeitsplatz  Hochschule.  Zum  Wandel  von  Arbeit und  Beschäftigung  in  der  „unternehmerischen  Universität“. 2009

Die Studie von ver.di und Friedrich-Ebert-Stiftung reflektiert die  veränderten  Arbeitsbedingungen  angesichts  der  Umstrukturierung  zur  unternehmerischen  Hochschule.  Die  akademische  Wissensproduktion  ist  zunehmend  zu  einem  kollektiven  Arbeitsprozess  geworden.  Universitäten  und  Fachhochschulen  sind  daher  zwingend  darauf  angewiesen,  die Arbeitsbedingungen  der  Beschäftigten  insgesamt  positiv  zu gestalten.

Dazu  werden  verschiedene  Vorschläge  in  der  Studie gemacht  und  diskutiert,  wie  zum  Beispiel  die  Entwicklung neuer  Tätigkeitszuschnitte  und  Berufsbilder,  die  Stärkung der  Mitarbeiterpartizipation  sowie  „Gute  Arbeit“  zum  Leistungsparameter  der  Hochschulen  zu  machen.

Roland Bloch und Anke Burkhardt: Arbeitsplatz Hochschule und  Forschung  für  wissenschaftliches  Personal  und  Nachwuchskräfte.  2010


Die  GEW-Kolleginnen  und  Kollegen  analysieren  im  Auftrag der  Hans-Böckler-Stiftung  detailliert  Umfang  und  Struktur des  Hochschulpersonals,  den  Umfang  von  Befristung,  Teilzeitarbeit  und  Drittmittelfinanzierung  an  deutschen  Hochschulen. Besonders verdienstvoll ist zudem die in der Studie vorgenommene  Auswertung  und  Analyse  der  bestehenden Lehrverpflichtungsverordnungen.  Sie  unterbreiten  Vorschläge,  wie  die  Lehre  an  den  Hochschulen  aufgewertet  werden kann.  Mit  Blick  auf  die  Lehrverpflichtung  wird  unter  anderem  vorgeschlagen,  den  Lehraufwand  neu  zu  bewerten  und den tatsächlichen zeitlichen Aufwand für Vor- und Nachbereitung,  Prüfungen,  Beratung  und  Betreuung  anzuerkennen.

Steffen Jaksztat, Nora Schindler, Kolja Briedis: Wissenschaftliche  Karrieren,  Beschäftigungsbedingungen,  berufliche  Orientierungen  und  Kompetenzen  des  wissenschaftlichen  Nachwuchses. 2010

Die Forscherinnen der  Hochschul Informations System GmbH (HIS)  haben  im  Auftrag  des  Bundesministeriums  für  Bildung und  Forschung  eine  standardisierte  Online-Befragung  zur beruflichen Situation von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern  durchgeführt.  Sie  kommen  zu  den  anderen Studien  vergleichbaren  Befunden:  hoher  Anteil  von  Teilzeit und  Befristung,  schlechte  Vereinbarkeit  von  Familie  und Beruf,  unklare  Berufsperspektiven.  Die  Studie  stellt  insgesamt stärker  auf  eine  individualisierende  Laufbahnberatung  und den  Erwerb  von  Kompetenzen  ab,  die  auch  außerhalb  der Hochschule verwertbar wären. Sie kann aber dennoch als gute Ergänzung  zu  den  gewerkschaftlichen  Studien  gelesen  werden, weil sie deren Befunde hinsichtlich der Probleme wissenschaftlicher  Karrieren  weitestgehend  bestätigt.