Dieter Grühn, Heidemarie Hecht, Jürgen Rubelt und Boris Schmidt: Der wissenschaftliche „Mittelbau“ an deutschen Hochschulen. Zwischen Karriereaussichten und Abbruchtendenzen. 2009.
Die von ver.di herausgegebene Studie beschäftigt sich mit Beschäftigungssituation, Arbeitszufriedenheit, Zukunftserwartungen und Einstellungen zu Gewerkschaften und Personalräten bei Promovierenden. Die Studie zeigt, dass wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielfach deutlich mehr als in ihren Arbeitsverträgen vereinbart arbeiten und ihnen zu wenig Zeit für die Promotion zur Verfügung steht.
Die objektiv prekäre Situation der befristeten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird allerdings aufgrund der hohen Identifikation mit der Arbeit überwiegend nicht als solche empfunden. Die Studie macht dennoch deutlich, dass es an den Hochschulen ein hohes Potenzial für gewerkschaftliche Aktivitäten bei Promovierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt.
Ulf Banscherus, Klaus Dörre, Matthias Neis und Andrä Wolter: Arbeitsplatz Hochschule. Zum Wandel von Arbeit und Beschäftigung in der „unternehmerischen Universität“. 2009
Die Studie von ver.di und Friedrich-Ebert-Stiftung reflektiert die veränderten Arbeitsbedingungen angesichts der Umstrukturierung zur unternehmerischen Hochschule. Die akademische Wissensproduktion ist zunehmend zu einem kollektiven Arbeitsprozess geworden. Universitäten und Fachhochschulen sind daher zwingend darauf angewiesen, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten insgesamt positiv zu gestalten.
Dazu werden verschiedene Vorschläge in der Studie gemacht und diskutiert, wie zum Beispiel die Entwicklung neuer Tätigkeitszuschnitte und Berufsbilder, die Stärkung der Mitarbeiterpartizipation sowie „Gute Arbeit“ zum Leistungsparameter der Hochschulen zu machen.
Roland Bloch und Anke Burkhardt: Arbeitsplatz Hochschule und Forschung für wissenschaftliches Personal und Nachwuchskräfte. 2010
Die GEW-Kolleginnen und Kollegen analysieren im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung detailliert Umfang und Struktur des Hochschulpersonals, den Umfang von Befristung, Teilzeitarbeit und Drittmittelfinanzierung an deutschen Hochschulen. Besonders verdienstvoll ist zudem die in der Studie vorgenommene Auswertung und Analyse der bestehenden Lehrverpflichtungsverordnungen. Sie unterbreiten Vorschläge, wie die Lehre an den Hochschulen aufgewertet werden kann. Mit Blick auf die Lehrverpflichtung wird unter anderem vorgeschlagen, den Lehraufwand neu zu bewerten und den tatsächlichen zeitlichen Aufwand für Vor- und Nachbereitung, Prüfungen, Beratung und Betreuung anzuerkennen.
Steffen Jaksztat, Nora Schindler, Kolja Briedis: Wissenschaftliche Karrieren, Beschäftigungsbedingungen, berufliche Orientierungen und Kompetenzen des wissenschaftlichen Nachwuchses. 2010
Die Forscherinnen der Hochschul Informations System GmbH (HIS) haben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine standardisierte Online-Befragung zur beruflichen Situation von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern durchgeführt. Sie kommen zu den anderen Studien vergleichbaren Befunden: hoher Anteil von Teilzeit und Befristung, schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unklare Berufsperspektiven. Die Studie stellt insgesamt stärker auf eine individualisierende Laufbahnberatung und den Erwerb von Kompetenzen ab, die auch außerhalb der Hochschule verwertbar wären. Sie kann aber dennoch als gute Ergänzung zu den gewerkschaftlichen Studien gelesen werden, weil sie deren Befunde hinsichtlich der Probleme wissenschaftlicher Karrieren weitestgehend bestätigt.








