Alarm an Frankfurter Sonderschulen
Kategorie: Sonderpädagogik

 

Vom: 17.06.04

Die Personalräte der Frankfurter Sonderschulen schlugen Alarm, als der Zuweisungserlass des Hessischen Kultusministeriums (HKM) und die Reduzierung der Lehrerstellen an Sonderschulen und im gemeinsamen Unterricht bekannt wurden: „Die Sonderpädagogik wird durch die aktuellen Sparbeschlüsse der Landesregierung massiv behindert und auf ein überwunden geglaubtes Niveau zurückgeworfen." Klassen werden „bis zur Höchstgrenze" aufgefüllt, bisher verpflichtende Förderstunden gestrichen. Die Sonderschule werde so „zur Aufbewahranstalt". Gleichzeitig werde auch bei den außerschulischen Hilfen durch den sozialen Kahlschlag der Landesregierung gekürzt, sozialpädagogische Unterstützung zurückgefahren: „Lernschwache Kinder, die zu einem großen Teil in widrigen ökonomischen und sozialen Verhältnissen aufwachsen müssen, werden so in ihrer Benachteiligung fixiert und erleben sich als dauerhafte Versager." Die Folge sei ein „sozialer Sprengstoff, der später teuer bezahlt werden muss."

Empörung auch bei Gesamtkonferenz, Schulleitung und Elternschaft der Ernst-Reuter-Schule II, die sich seit vielen Jahren engagiert der Weiterentwicklung des gemeinsamen Unterrichts widmet und ein „unübersehbares Netzwerk erfolgreichen gemeinsamen Lernens und Lebens" mit Kindergärten, Horten und Grundschulen aufgebaut hat: „Die große Nachfrage nach Plätzen für Kinder mit und ohne Behinderung in der Ernst-Reuter-Schule II verdeutlicht die Anerkennung der Pädagogik der Vielfalt durch die Eltern." Voraussetzung des Erfolgs sei „eine beständige Doppelbesetzung". Die beabsichtigte Streichung von bis zu einem Drittel der bisher zur Verfügung stehenden Lehrerstunden und die geplante Anhebung der Schülerzahlen in Klassen mit gemeinsamem Unterricht stehe im Widerspruch zu notwendigen Ausweitung von Integrationsangeboten und sei ein „Angriff auf das Recht der Eltern auf freie Schulwahl."

Nach einer Demonstration von Eltern, Kindern und Lehrerkollegien machte das Staatliche Schulamt Mitte Juni erste Zugeständnisse und reduzierte die Zahl der Stellen, die dem gemeinsamen Unterricht entzogen werden sollen, von 15 auf 7 Stellen.