Wahl der Vorsitzenden

Birgit Koch und Maike Wiedwald

Karola Stötzel und Tony Schwarz

Den Einstieg in die Beratungen der Anträge machte eine grundsätzliche Debatte zur Bildungspolitik und über den hohen Stellenwert, der Bildung derzeit in der Öffentlichkeit zukommt, nicht zuletzt auch im Bundestagswahlkampf. Allerdings – so der Grundgedanke der Antragstellerinnen und Antragsteller – gehe es dabei vorrangig um Bildung „als Beitrag zur Verbesserung internationaler Wettbewerbsbedingungen“. Diesem Ansatz stellt die GEW ihre Vision einer Bildung entgegen, die sich nicht an „Employability“ und Verwertungsinteressen, sondern an ethischen und emanzipatorischen Kategorien misst. Pädagogische Arbeit sei vorrangig auch Beziehungsarbeit und sei nur im Rahmen pädagogischer Freiheiten und in Übereinstimmung mit den handelnden Personen denkbar. Deshalb betont die GEW auch die Notwendigkeit, dass Mitbestimmungsrechte des pädagogischen Personals wahrgenommen und gestärkt werden.

Konkrete Forderungen formulierte die LDV in den Anträgen zum Lehrkräftemangel in Hessen und zum Thema Schulsanierungen. Zu diesem Thema lag die HLZ 11/2017 druckfrisch auf den Tischen der Delegierten, die das Thema Schulgebäude ausführlich behandelte. Berichte aus den Schulen machten deutlich, dass auch hier Beteiligung der Beschäftigten unabdingbar ist, damit Sanierungsmaßnahmen Umbauten und Neubauten in Einklang mit den pädagogischen Notwendigkeiten stehen und alle Belange des Arbeits- und Gesundheitsschutzes auch im Interesse der Schülerinnen und Schüler beachtet werden. Die Delegierten aus dem Kreisverband Wiesbaden warben noch einmal nachdrücklich für die Unterstützung der Petition des Bündnisses „Schulen sanieren sofort“. Es sei „skandalös“, so Michael Zeitz vom Kreisvorsitzendenteam, dass „es der Stadt mit der höchsten Porsche- und Landroverdichte nicht erlaubt ist, Kredite aufzunehmen, um die Sanierung der maroden Schulen in Angriff zu nehmen, weil man sich dem Diktat der Schwarzen Null unterwirft“.

Wahl der Landesvorsitzenden

Als letzter Tagesordnungspunkt stand am Abend des ersten Kongresstages die Wahl der Landesvorsitzenden auf dem Programm. Jochen Nagel, der in den letzten Jahren als Landesvorsitzender und von 2014 bis 2017 im Tandem mit Birgit Koch kandidiert hatte, stand wie lange angekündigt für diese Funktion nicht mehr zur Verfügung. Schon im Vorfeld der LDV hatten zahlreiche Kreis- und Bezirksverbände ihre Unterstützung für die Kandidatur von Birgit Koch und Maike Wiedwald als neuem Tandem erklärt. Maike Wiedwald ist seit 2014 eine der beiden stellvertretenden Vorsitzenden.

Birgit Koch aus Kassel ist erst seit 2002 im Schuldienst (Deutsch und evangelische Religion) und war vorher als Lehrerin und Betriebsrätin bei privaten Bildungsträgern beschäftigt. Sie ist Mitglied im Bezirksvorstand der GEW Nordhessen und ebenfalls im Team Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer in Kassel. In ihrer Vorstellungsrede setzte sie die Schwerpunkte auf die Themen Bildungsfinanzierung und Inklusion und das Recht geflüchteter Menschen auf Bildung „vom ersten Tag an“. Digitalisierung sei nicht nur eine Frage der technischen Ausstattung, sondern vor allem auch eine Frage „der richtigen pädagogischen Konzepte, was wir mit den technischen Möglichkeiten der Digitalisierung anfangen wollen“. Aus zahlreichen  Veranstaltungen und Artikeln in der HLZ war vielen Delegierten bekannt, dass Birgit Koch die Rechte der Gewerkschaften ganz besonders am Herz liegen und zwar nicht nur in Deutschland. Sie will sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Verfolgung der Gewerkschaften insbesondere in der Türkei beendet wird und geflüchtete Kolleginnen und Kollegen Aufnahme und Unterstützung auch in Hessen erfahren.

Maike Wiedwald aus Frankfurt beschrieb die Eckpunkte ihrer Politisierung über den Fachbereichsrat und  den AStA der Hochschule, die Personalratsarbeit im Studienseminar bis zur Arbeit im Vorsitzendenteam des Bezirksverbands Frankfurt. Sie arbeitete auch als Schulsozialarbeiterin und lernte dort, warum die Ganztagsschule gerade für benachteiligte Kinder und Jugendliche so wichtig ist. Seit mehreren Jahren arbeitet die Gymnasiallehrerin für Biologie und Sport an einer Integrierten Gesamtschule und zwar ganz bewusst. Sie versprach, sich weiterhin „mit großer Leidenschaft“ für „Eine Schule für alle“ einzusetzen, denn nur so könne der Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe geebnet werden: „Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern Folge einer falschen Politik.“ Als weiteren Schwerpunkt ihrer zukünftigen Arbeit als Landesvorsitzende beschrieb Maike Wiedwald die Auseinandersetzung mit der AfD, deren Wahlerfolge uns „das Gruseln lehren sollte“.

Die engagierten Vorstellungsreden belohnten die Delegierten mit einem eindeutigen Wahlergebnis und überzeugenden Vertrauensbeweis. Der bisherige Vorsitzende Jochen Nagel  kandidierte nach 15 Jahren nicht mehr.

Das Tandem wurde in geheimer Abstimmung mit 278 Stimmen gewählt:
Ja-Stimmen: 235 | Enthaltungen: 12 | Nein-Stimmen: 21 | ungültig:10

Stellvertretende Vorsitzende gewählt

Stellvertretende Vorsitzende wurden Karola Stötzel, die bereits als stellvertretende Vorsitzende arbeitete und Tony Schwarz, der neu im Team der Vorsitzenden ist. 

Ergebnis der geheimen Wahl für Karola Stötzel: 285 abgegebene Stimmen 
Ja-Stimmen: 227 | Enthaltungen: 25 | Nein-Stimmen: 31 | ungültig: 2

Ergebnis der geheimen Wahl für Tony Schwarz: 281 abgegebene Stimmen
Ja-Stimmen: 250 | Enthaltungen: 11 | Nein-Stimmen: 19 | ungültig: 1