Überlastungsanzeige

Arbeitsbelastung überschreitet die Grenze der Erträglichkeit und gefährdet die Gesundheit 

Grundschullehrkräfte haben die höchste Unterrichtsverpflichtung aller Lehrkräfte (29 Wochenstunden) bei der niedrigsten Besoldungsgruppe (A 12).

Gleichzeitig haben sich die Unterrichtsbedingungen erheblich erschwert und an Unterricht, Erziehung und Betreuung werden immer komplexere Anforderungen gestellt. Dennoch wurden Ermäßigungsstunden für besondere Aufgaben gekürzt.

Aus elf Darmstädter Grundschulen (mittlerweile – 21. Juli 2014 – sind es zwölf) wenden sich Kolleginnen an ihren Arbeitgeber, den hessischen Kultusminister, mit einer Überlastungsanzeige (§§ 15 bis 17 des Arbeitsschutzgesetzes), mit der sie im Einzelnen aufzeigen, dass ihnen immer mehr Aufgaben zugewiesen werden, ohne dass es dafür Entlastung gibt (...)

Die vielen arbeitsintensiven Neuerungen der letzten Jahre in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen haben die Grenze der Belastbarkeit der Lehrkräfte überschritten. Sie machen sich Sorgen um ihre körperliche und psychische Gesundheit. Lehrer_innen klagen zunehmend über Stress-Symptome, in vielen Kollegien ist der Krankenstand merklich gestiegen.

Grundschullehrer_innen sind bekannt dafür, dass sie sich im Interesse der ihnen anvertrauten Kinder außerordentlich engagieren. Sie wollen eine qualifizierte pädagogische Arbeit leisten, was aber unter einer ständigen Überlastung nicht möglich ist. 

Gleichzeitig gibt es viel zu wenig Unterstützung durch Förderschullehrkräfte, die an die nach wie vor bestehenden Förderschulen gebunden sind. Gerade die Inklusion, die viele Grundschullehrkräfte im Grundsatz begrüßen und unterstützen, führt durch die völlig mangelhafte personelle Ausstattung dazu, dass sich die Regelschullehrerinnen mit dieser Aufgabe allein gelassen und überfordert fühlen.

Mit ihrer Überlastungsanzeige wollen die Grundschullehrkräfte unmissverständlich deutlich machen, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Sie fordern ihren Arbeitgeber, den Hessischen Kultusminister, sowie den Schulträger auf, Maßnahmen einzuleiten, die die aufgeführten Belastungen verringern und ihre Arbeitsbedingungen verbessern, damit sie ihre Aufgaben ohne gesundheitliche Einbußen erfüllen können und Schülerinnen und Schüler so sorgfältig und qualitativ gut unterrichten und betreuen könne, wie diese es brauchen.

  • Kranke Lehrerinnen sollen für die Vertretungskräfte den Unterricht inhaltlich vorbereiten.
  • Die Entwicklung zur Ganztagsgrundschule verlangt neben der Erstellung von Konzepten und verstärkter Kommunikation mit Betreuungskräften und SozialpädagogInnen viele organisatorische Aufgaben.
  • Evaluation in den unterschiedlichsten Bereichen (Schulinspektion, zentrale Lernstandserhebungen, Kommentierte Deutschnoten usw.) bedeutet in Summe erhöhten Arbeitsaufwand.
  • Eine gestiegene Zahl von Kindern mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten bringt viele Gespräche und Absprachen mit Eltern, Therapeuten, Beratungsstellen usw. mit sich einschließlich zu schreibender Berichte und Förderpläne.
  • Die inklusive Beschulung erfordert Förderpläne, Schulberichte, Beratungsgespräche, Durchführung von Förderausschüssen, Kooperation mit verschiedenen Personen und Einrichtungen, erhöhten Aufwand bei der Diagnostik und der Vorbereitung eines noch differenzierteren Unterrichts.