Marburger Bildungsaufruf

Ökonomisierung oder Demokratisierung? Was wird aus unserem Bildungswesen?

Wir brauchen eine neue Entwicklungsrichtung für unser Bildungswesen.

Seit Jahren greift die Dominanz ökonomischer Interessen auf Bereiche über, in denen das Wohl von Menschen Priorität haben sollte. Im Gesundheits- und Sozialwesen ist dies bereits sehr deutlich geworden.

Auch in der Bildung geht es bei den aktuellen Schulreformen vorrangig um betriebswirtschaftliche Effizienz, Konkurrenz und Verwertbarkeit.

Den Preis zahlen unsere Kinder und Jugendlichen, ihre Eltern, unsere Lehrkräfte und Schulen. Den Preis zahlen wir alle.

Online-Petition beendet

Wir brauchen eine neue Entwicklungsrichtung für unser Bildungswesen. Seit Jahren greift die Dominanz ökonomischer Interessen auf Bereiche über, in denen das Wohl von Menschen Priorität haben sollte.
Im Gesundheits- und Sozialwesen ist dies bereits sehr deutlich geworden. Auch in der Bildung geht es bei den aktuellen Schulreformen vorrangig um betriebswirtschaftliche Effizienz, Konkurrenz und Verwertbarkeit. Den Preis zahlen unsere Kinder und Jugendlichen, ihre Eltern, unsere Lehrkräfte und Schulen. Den Preis zahlen wir alle.

1. Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Zeit für ihre persönliche Entwicklung, anstatt durch die Schule gehetzt zu werden. Sie brauchen Zeit für spielerisches Erproben und kreatives Gestalten, für gründliches Nachdenken und kritisches Prüfen sowie für die Entwicklung von Urteilsfähigkeit. „Zeitraub“ (Oskar Negt) durch Schulzeitverkürzung und eine von „Testeritis“ beherrschte Lernatmosphäre behindern Bildung.

Gegen G8 und schulischen Dauerstress!
Für Entschleunigung beim Lernen und ausreichende Entwicklungszeit für alle!

2. Unsere Lehrkräfte haben laut Verfassung des Landes Hessen (Art. 56,4) einen Bildungs- und Erziehungsauftrag wahrzunehmen, demzufolge Bildung mehr darstellt als die Summe messbarer Lernergebnisse. Bildung darf nicht reduziert werden auf ein effizienzorientiertes „Fitmachen“ für den Markt. Die derzeitige Schulpolitik verengt Bildung auf die Vermittlung instrumenteller Fertigkeiten („Kompetenzen“). Wenn jedoch Unterricht so ausgerichtet und immer stärker durch ein „Teaching-to- the-test“ bestimmt wird, bleibt Bildung in ihrer  ethischen und emanzipatorischen Funktion auf der Strecke. Lehrkräften kommt im Bildungsprozess eine zentrale Rolle zu. Sie brauchen pädagogische Freiheit und mehr Mitbestimmungsrechte.

Gegen „Bildungsstandards“ und „Kompetenzorientierung“! 
Für eine umfassende Bildung für alle!

3. Unsere Schulen müssen für gelingenden Unterricht menschenfreundliche Lernbedingungen bieten können. Dazu gehören u.a. eine umfassende Versorgung mit professionellem Personal (Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Mediatoren, Psychologen), eine angemessene räumliche und materielle Ausstattung und Planungssicherheit. All dies muss „Sache des Staates“ bleiben (Verfassung des Landes Hessen, Art. 56,1). Wenn die Regeln der Ökonomie die pädagogischen Prozesse bestimmen, werden Schulen zu Dienstleistungsunternehmen degradiert, die – z.B. als „Selbständige Schulen“ – um „Kunden“ (Eltern und Schüler) wetteifern, anstatt junge Menschen zu gemeinsamer Selbsterziehung und selbständigem Denken und Handeln zu befähigen. Wo es um Bildung und Persönlichkeitsentwicklung geht, darf nicht ökonomische Zweckrationalität bestimmend sein.

Gegen Standortkonkurrenz und Privatisierung! 
Für die Stärkung demokratischer Rechte in den Schulen für alle!

4. Unsere Gesellschaft braucht statt angepasster „Selbstoptimierer“ Persönlichkeiten, die beurteilen können, worauf es wirklich ankommt. Wir brauchen Menschen mit Zivilcourage und Empathie, mit Fähigkeit zu Solidarität und mit Verantwortungsbewusstsein für das Allgemeinwohl.

Schule ist kein Wirtschaftsunternehmen! Kinder und Jugendliche sind kein „Humankapital“!
Wir fordern deshalb eine Bildung, die nicht dem Markt, sondern der Demokratie verpflichtet ist!
Eine bessere Schule ist möglich!

Erstunterzeichner:

Manfred Bock (Lehrer, Marburg), Dr. Matthias Burchardt (Akademischer Rat, Köln), Axel Damtsheuser (Lehrer, Marburg), Birgit Eggers (ehem. hessisches Landeselternbeiratsmitglied), Janis Ehling (Student/AStA, Marburg), Bernd Georgy (Lehrer, Marburg), Andrea Gergen (Lehrerin, Kirchhain), Renate Görg (Lehrerin, Marburg), Dr. Sigrid Hartong (Wiss. Assistentin, Bamberg), Jutta von Hadeln (Lehrerin, Marburg), Prof. Dr. Joachim Hösler (Marburg), Prof. Dr. Anton Hügli (Basel), Dr. Reinhold Hünlich (Pensionär, Marburg), Prof. Dr. Thomas Jahnke (Potsdam), Erwin Junker (Lehrer, Marburg), Prof. Dr. Hans Peter Klein (Frankfurt/M.), Wilfried Müller-Radtke (Lehrer, Marburg), Jochen Nagel (GEW-Landesvorsitzender Hessen), Prof. Dr. Oskar Negt (Hannover), Angelika Voss (Lehrerin, Marburg), Prof. Hans Peter Voss (Karlsruhe), Laurien Simon Wüst (hessischer Landesschulsprecher)

Die Unterwerfung von immer mehr Lebensbereichen unter das Diktat der Ökonomie kommt zunehmend ins Gerede. Immer fragwürdiger wird vielen, was vor wenigen Jahren noch den meisten als unumstößliche Tatsache erschien: dass der Markt der optimale Mechanismus zur Regulierung gesellschaftlicher Prozesse sei und dass man sich seinen Gesetzen zu beugen und seinen Anforderungen anzupassen habe.

Aber inzwischen kann ja auch niemand mehr die Ergebnisse dieser Unterwerfung übersehen – in Gestalt der ökonomischen, sozialen, politischen und menschlichen Krisen und Katastrophen. Selbst ein so sprödes Insiderthema wie die neoliberale Formierung des Bildungswesens ist zum Gegenstand einer kritischen öffentlichen Debatte geworden. Erwin Wagenhofers neuer Film „Alphabet“, so Dietrich Kuhlbrodt in seiner Rezension in Konkret, „wendet sich manifestartig gegen die Kreativvernichtung durch PISA und die Beflissenheit, mit der das weltweit geltende wirtschaftsorientierte Bildungssystem junge Menschen zu Mitgliedern der Leistungsgesellschaft drillt – am liebsten ohne eigene Haltung.“

Genau darum geht es bekanntlich auch dem Marburger Bildungsaufruf. Entwickelt als Fazit und Konsequenz der Vortragsreihe „Ökonomisierung oder Demokratisierung? Was wird aus unserem Bildungswesen?“ im letzten Winter in Marburg, reagiert er auf die immer penetrantere Ausrichtung unserer Schulen auf Marktmechanismen und Wirtschaftsinteressen, die wir seit einigen Jahren erleben – beginnend mit der Schulzeitverkürzung (G8), die auf Kosten der Schüler_innen und ihrer Bildungsinteressen die „Effektivität“ steigern soll(te), fortgesetzt mit den Bildungsstandards, die den Unterricht verengen sollen auf das Antrainieren betrieblich verwertbarer „Kompetenzen“, und schließlich abzielend auf „selbstständige“ Schulen, die „am Markt“ miteinander konkurrieren und sich schrittweise in Richtung Privatisierung bewegen. Gegen diesen neoliberalen Umbau der hessischen Schulen nimmt der Marburger Bildungsaufruf Stellung und fordert stattdessen ein Bildungswesen, in dem die Kinder und Jugendlichen und ihre umfassende Bildung und Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund stehen, übergeordnete demokratische Bildungs- und Erziehungsziele wie Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit verfolgt werden, echte Mitbestimmung und pädagogische Freiheit und Verantwortlichkeit herrschen. „Schule ist kein Wirtschaftsunternehmen! Kinder und Jugendliche sind kein ´Humankapital´! Wir fordern deshalb eine Bildung, die nicht dem Markt, sondern der Demokratie verpflichtet ist!“, so fasst der Aufruf seine Forderungen zusammen, um schließlich zu erklären: „Eine bessere Schule ist möglich!“

Der Marburger Bildungsaufruf sollte vor allem Diskussionen auslösen und so zur Meinungs- und Willensbildung unter den Kolleg_innen und in der Öffentlichkeit beitragen. Das scheint gelungen zu sein, wo es versucht wurde. Da, wo engagierte Kolleg_innen den Text zumindest kursieren ließen, gab es Gespräche, Kontroversen – und viele Unterschriften. Manchmal sehr viele: Am Marburger Gymnasium Philippinum waren es innerhalb weniger Tage über 70. Gelegentlich unterschrieben offensichtlich ganze Kollegien – bis hin zur Schulleitung. Auffällig viele Förderschullehrer_innen wurden möglicherweise durch ihren geschärften pädagogischen Blick zur Unterschrift veranlasst. Offenbar gab es aber oft genug auch das andere: Kolleg_innen berichten von Resignation, Passivität, Zynismus, die es schwer oder gar unmöglich machten, Unterzeichner zu gewinnen. Wobei andererseits gerade von dem Dauerbombardement mit neoliberalen Schul-„Reformen“ besonders frustrierte Kolleg_innen sich häufig froh und erleichtert äußerten, dass „endlich mal was passiert“.

Sehr interessant auch die Erfahrungen außerhalb der Schulen, wo – vor allem in politisierten Situationen – engagierte und nachdenkliche Menschen sich ausgesprochen offen für die (eben nicht nur für Lehrer bedeutsame) Problematik zeigten und den Aufruf gründlich studierten, diskutierten und eben auch unterschrieben – ob beim Marburger Bildungsfest, der Elterndemo für G9, dem Montagsgebet gegen die Privatisierung der mittelhessischen Unikliniken, der großen DGB-Demo für einen Politikwechsel kurz vor den Wahlen oder am 1. Mai – wo z.B. der SPD-Ortsverband Marburg und der dortige Oberbürgermeister sich dem Aufruf anschlossen.

Weshalb unterstützen Menschen den Marburger Bildungsaufruf? Viele Unterzeichner_innen der Online-Version begründeten ihre Entscheidung (siehe openpetition.de/petition/online/marburger-bildungsaufruf-demokratisierung-statt-oekonomisierung ). Zum Beispiel so: „Dieser überparteiliche Aufruf ist ein wichtiger Beitrag dazu, Schule aus dem von vielen still hingenommenen Diktat der OECD- und PISA und Co-Akteure und damit aus der Fremdbestimmung durch Ökonomisierung zu befreien.“ Oder: „Sie sprechen mir aus dem Herzen – führen Sie Ihren Widerstand fort! Nur wer über Jahre G8, Kompetenzorientierung etc. mitmachen musste, weiß, dass genau darin der riesengroße Rückschritt, sprich Rückzug aus der Wissensgesellschaft besteht …“ Oder auch: „Weil Bildung mehr ist als ein Wirtschaftsfaktor.“ „Als Psychoanalytikerin bin ich täglich in meiner Praxis mit jungen Menschen befasst, die … sich als Lernmaschinen sehen und dabei persönlich und emotional verkümmern.“ „Echte Bildung verkommt immer mehr. Die Kinder verblöden immer mehr zum Homo ökonomicus.“ „Wir brauchen … endlich mehr Freiraum für das eigentliche Ziel von unserem Bildungssystem: ein freier, mündiger Bürger werden zu können, mit eigener Meinung, einem guten Allgemeinwissen, vielen bunten Ideen im Kopf und Freude am Leben!“ „Weil auch mir als gewerkschaftlich aktivem Rentner es nicht egal sein kann, wie sich Bildung immer mehr an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit und nicht mehr an demokratischen, sozialen und humanistischen Werten orientiert. … Hier gilt es gegenzuhalten …“ Oder auch: „Ihr Aufruf entspricht in allen Punkten meiner Auffassung von ganzheitlicher Bildung als emanzipatorischem Prozess …“ Letzteres übrigens die Begründung von Andrea Ypsilanti für ihre Unterschrift. 

Sie ist nicht der einzige „Promi“ auf der Liste. Thomas Spies und Angelika Löber, die beiden Marburger Landtagsabgeordneten, haben ihre Unterstützung erklärt, Heike Habermann, die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, und Fraktion und Landesvorstand der hessischen Linken – abgesehen von den Wissenschaftler_innen und Vertreter_innen der Betroffenen von Jochen Nagel bis Oskar Negt, die als Erstunterzeichner bereits zu den Trägern des Aufrufs gehörten. Viel wichtiger sind aber vielleicht die Unterstützungsbeschlüsse der hessischen Gewerkschaften – von DGB, ver.di, IG Metall, IG BCE, IG BAU, NGG und vor allem natürlich GEW, die bei der Verbreitung des Aufrufs die entscheidende Rolle spielte -, der Landes-Schülervertretung, der Asten der Unis Kassel und Marburg, der Gesellschaft für Bildung und Wissen, der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik.

Und wozu nun das Ganze? Natürlich werden Aufruf und Unterschriften der/dem neuen Kultusminister/in umgehend auf den Schreibtisch gelegt, sobald sie/er im Amt ist. Und natürlich wünschen wir uns, dass seine Forderungen schon bei Gesprächen und Verhandlungen im Vorfeld eine Rolle spielen. Aber wird die neoliberale Mühle nicht einfach weitermahlen? Was sind ein paar kritische Gedanken und ein paar tausend Unterschriften gegen die mächtigen Apparate von OECD, PISA-Konsortium, Bertelsmann-Stiftung, KMK und die Steuerungsmittel und Durchsetzungsstrategien der „soft governance“? Die Hysterie, mit der auf die schwachen Stimmen der Kritiker reagiert wird, sollte zu denken geben. Offenbar kratzen sie an der Diskurshoheit der Akteure der neoliberalen Transformation und damit an deren entscheidender Voraussetzung. Möglicherweise gibt es tatsächlich erste Risse in der neoliberalen Hegemonie im Bildungsbereich – nicht nur in Chile, Österreich, Baden-Württemberg, Hamburg. Und vielleicht hat Paul Hafner aus Frankfurt recht, der seine Unterschrift unter den Marburger Bildungsaufruf so begründet: „Schule und Politik sind ignorant gegenüber jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und den Erfahrungen der Betroffenen… Man hat den Eindruck, dass Leistungsoptimierung und ökonomische Verwertbarkeit des ´Menschenmaterials´ die wichtigsten Ziele sind. Leider gibt es noch zu viele Lehrer und Eltern, die dieses Spiel mitspielen – und auch zu viele, die längst resigniert haben. Vielleicht hilft diese Petition den Betroffenen – SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen – neuen Mut zu geben, aus der Deckung zu kommen, sich zu wehren und konkrete Forderungen laut und deutlich in die Debatte zu werfen…“

Bernd Georgy, AG Bildung

In den Selbstbeschreibungen zur aktuellen „Bildungsreform“ bzw. Unterrichtsentwicklung mangelt es nicht an wohlklingenden Worten, die scheinbar keinen Widerspruch dulden, da sie doch offenbar höchst wünschenswerte Güter bezeichnen: Qualität, Standards, Kompetenzen, Selbständigkeit. Viele engagierte und ihre Profession ernst nehmende Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern, die sich für eine gute Bildung ihrer Kinder einsetzen, haben sich deshalb in der Anfangsphase dieser „Neuorientierung“ von Bildung und mit den besten Absichten für deren Umsetzung stark gemacht.
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den aus internationalen Absprachen und überwiegend wirtschaftlichen Interessen erwachsenen Konzepten hat es in Deutschland jedoch bisher nicht gegeben. Die für die Umsetzung von Bildungsreformen zuständige  Lehrerschaft wurde an deren Entwicklung nicht angemessen beteiligt. Sie wurde in der Durchsetzung von Reformmaßnahmen – die durchaus sinnvolle Anteile haben könnten - zum bloßen Empfänger von Anordnungen degradiert.

Schon sehr bald wurde überdies großen Teilen der Lehrer- und Elternschaft deutlich, dass die „von oben“ gewünschte Unterrichtsreform in der Praxis nicht einem pädagogisch motivierten Bildungsbegriff entspricht und in vielen Fällen auch nicht dem Wohl der Kinder und Jugendlichen dient.

Für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den neuen  Konzepten und den hinter ihrer Verwendung liegenden Intentionen ist eine kritische Würdigung der Rolle und Zielsetzungen der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development), des PISA-Konsortiums sowie anderer den Wandel treibenden Kräfte erforderlich.

Diese Auseinandersetzung anzuregen bzw. einzufordern und die künftigen Landesregierungen damit zu einer Demokratisierung von Bildung bzw. Schule und zugleich zu deren Entökonomisierung zu bewegen, ist der Zweck des „Marburger Bildungsaufrufs“.

Literatur-Liste 

Blüm, Norbert: Gerechtigkeit. Eine Kritik des Homo oeconomicus. Freiburg-Basel-Wien 2006
Ulrich Bröckling: Gouvernementalität der Gegenwart: Studien zur Ökonomisierung des Sozialen
Ders.: Das unternehmerische Selbst: Soziologie einer Subjektivierungsform
Ulrich Bröckling et al.: Glossar der Gegenwart
Carsten Bünger et al.: Bildung der Kontrollgesellschaft
Burchardt, Matthias: Hintergründe der Kompetenzdoktrin. In: Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik 88 (2012), S. 7-13
Denknetz: Bildung – zum Glück! Aufsatz in Internet (Fachgruppe Bildung) 
Frost, Ursula: Bildung bedeutet nicht Anpassung, sondern Widerstand. In: Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik 86 (2010), S. 312-322
Dies.: Beraubung des Humanen. In: U. Frost / M. Rieger-Ladich (Hg.): Demokratie setzt aus. Gegen die sanfte Liquidation einer politischen Lebensform. Sonderheft der Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik, Paderborn 1213 (im Druck)
Karlheinz Geissler u. Frank Orthey: Kompetenz: Ein Begriff für das verwertbare Ungefähre. In: Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung (0177-4166) - 2002(2002) 49, S. 69-79
Andreas Gelhard: Kritik der Kompetenz 
Ulrich Herrmann: Die nationale Testservice-Agentur IQB:  der Abgesang auf pädagogische Schulentwicklung
Thomas Jahnke/Wolfram Meyerhöfer (Hrsg.): Pisa & Co. - Kritik eines Programms
Brian Keeley: Humankapital: Wie Wissen unser Leben bestimmt
Dieter Kirchhöfer: Neue Lernkultur und Infantilisierung. In: Jahrbuch für Pädagogik 2006: Infantilisierung des Lernens? Neue Lernkulturen – ein Streitfall. Red. Dieter Kirchhöfer und Gerd Steffens. Frankfurt 2006, S. 17-42
Ulla Klingovsky: Schöne Neue Lernkultur
Jochen Krautz: Bildung als Anpassung?   Das Kompetenz-Konzept im Kontext einer ökonomisierten Bildung
Ders.: Ware Bildung
Volker Ladenthin: Vom Staat und seinen Lehrern
Wolfram Meyerhöfer: Aus dem Wunderland der Standards
Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung - Die Irrtümer der Wissensgesellschaft
Ludwig Pongratz: Sackgassen der Bildung
Diane Ravitch: The Death and Life of the Great American School System
Roland Reichenbach: Pädagogische Autorität - Facetten eines ambivalenten Phänomens 
Felicitas Römer: Arme Superkinder - Wie unsere Kinder der Wirtschaft geopfert werden 
Schirp, Heinz: „Wie die Fischer im Mahlstrom!?“ Zum Zusammenhang von zentralen quantitativen Leistungsmessungen und qualitativer Schulentwicklung – Die Wirkungen von High Stakes Tests in den USA (Aufsatz im Internet)
Reinhard K. Sprenger: Mythos Motivation  
Ulrich Sprenger: Der unkontrollierte Verfall des deutschen Schulwesens
Dieter Sterzel: Entstaatlichung der beruflichen Schulen - Verfassungsrechtliche Grenzen der Privatisierung
Bernard Stiegler: Die Logik der Sorge
Albert Wunsch: Die Verwöhnungsfalle  - Für eine Erziehung zu mehr Eigenverantwortlichkeit 

Dokumente der Vertreter der Kompetenzorientierung

Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU): Selbstständige Schule 2015 – Leitbild, Ziele und Fundamente. Frankfurt am Main, 2004
Hessisches Kultusministerium/Institut für Qualitätsentwicklung (IQ): Das hessische Konzept „Bildungsstandards/Kerncurricula“. Wiesbaden, 18. September 2009 (beide Texte im Internet)

Vom 1. November 2012 bis 7. Februar 2013 gingen Wissenschaftler, Pädagogen, Elternvertretungen und Gewerkschafter der Frage nach: "Was wird aus unserem Bildungswesen?" Eingeladen hatte die GEW, unterstützt vom Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, von AStA Marburg, dem Antiquariat "Roter Stern" sowie der kulturellen Aktion "Strömungen".

1. November 2012: Ökonomisierung oder Demokratisierung? Welche Schule wollen wir für unsere Kinder?

Podiumsdiskussion mit Jochen Nagel (Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Ralf Hartung (Hessisches Kultusministerium), Bernd Schreier (Leiter des Instituts für Qualitätsentwicklung), Birgit Eggers (langjähriges Mitglied des Landeselternbeirats), Laurien Simon Wüst (Landesschulsprecher), ein Mitglied der Gesellschaft für Bildung und Wissen

Moderation: Prof. Hans Peter Voss (Leiter der Geschäftsstelle für Hochschuldidaktik, Karlsruhe)

15. November 2012: Der Bluff der Bildungsstandards. Was verbirgt sich hinter den neuen Zauberwörtern der bildungspolitischen Debatte?

Prof. Dr. Hans Peter Klein (Universität Frankfurt/Main)

29. November 2012: Von der OECD zur neuen Unterrichtspraxis. Wie das Wirtschaftsdenken das Klassenzimmer erobert

Dr. Sigrid Hartung (Universität Bamberg)

13. Dezember 2012: Nachruf auf PISA nebst einer Warnung vor den verheerenden Folgen dieses Unternehmens

Prof. Dr. Thomas Jahnke (Universität Potsdam)

17. Januar 2013: Das Bildungswesen ist kein Wirtschaftsbetrieb. Einsprüche gegen die betriebswirtschaftliche Umsteuerung des Bildungswesens 

Dr. Mattbias Burchardt (Universität Köln)

31. Januar 2013: Alternativen. Eine bessere Schule ist möglich!

Prof. Dr. Antun Hügli (Universität Basel)

7. Februar 2013:  Emanzipation statt Anpassung. Was müssen Menschen in einer Welt der Umbrüche wissen und können?

Prof. Dr. Oskar Negt (Hannover)

Anhang PDF: Schlusswort von Erwin Junker (rechte Spalte)


"Kompetenzorientierung" – welche Eltern sind dagegen, dass ihr Kind in der Schule kompetent wird?

"Bildungsstandards" – wer sollte dagegen sein, dass Bildungsabschlüsse vergleichbar und über Landesgrenzen hinaus anerkannt werden?

"PISA-Studien" – wer sollte es nicht befürworten, wenn die Arbeit von Schulen und Lehrkräften regelmäßig überprüft wird, um sie verbessern zu können?

"Selbstständige Schule"– ist es nicht begrüßenswert, wenn Schulen an Autonomie gewinnen?

Flyer

Indiz pädagogischer Orientierungslosigkeit

von Volker Ladenthin

Eine Zwischenbilanz der „neuen Steuerung“ des Bildungssystems

von Frank-Olaf Radtke

März–Mai 2013