Bildungskongress | Mai 2017

Gute Bildung! Positionen, Konzepte, Forderungen

Dienstag, 30. Mai 2017, 9.30 bis 17 Uhr | Frankfurt
Haus Gallus & Paul-Hindemith-Schule

in Kooperation mit Paul-Hindemith-Schule
Akkreditierte Veranstaltung

Mit dem Bildungskongress möchte die GEW Hessen die aktuelle Situation an den hessischen Schulen bilanzieren und Diskussionen über notwendige Veränderungen ermöglichen. Die politische Zielperspektive dabei ist es, Chancengleichheit im Bildungssystem und Bildungsmöglichkeiten für alle zu verwirklichen. In diesem Sinne verbesserte Lernbedingungen der Schüler*innen erfordern auch eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Diese benötigen vor allem mehr Zeit, um die einzelnen Schüler*innen zu unterstützen – egal ob sie leistungsstark oder leistungsschwächer sind, egal ob sie gut Deutsch sprechen oder es noch lernen müssen, egal ob sie ein Handycap haben oder keines.

Bereits jetzt leisten Pädagog*innen in Kitas, Schulen, Hochschulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen auch unter widrigen Bedingungen gute Arbeit, die sich an professionellen Qualitätsstandards orientiert. In der Bildungspolitik muss das Prinzip gelten, dass zusätzliche Aufgaben immer mit zusätzlichen Ressourcen unterlegt werden, so dass diese Aufgaben auch umgesetzt werden können. Ansonsten nimmt man bewusst in Kauf, Lehrkräfte unter Druck zu setzen, die Arbeit zu verdichten und damit die Zeit für pädagogische Arbeit immer weiter zu reduzieren. Die GEW fördert die Weiterentwicklung professioneller Leitbilder und widersetzt sich allen Versuchen zur Deprofessionalisierung pädagogischer Arbeit. Bildungspolitische Maßnahmen werden von der GEW immer vor dem Hintergrund der täglichen Arbeit in den Bildungseinrichtungen bewertet.

Themenschwerpunkte und Arbeitsgruppen

SCHWERPUNKT: GANZTAG

AG1 Ganztagsschule: Was braucht man, insbesondere in der Sekundarstufe I?

Welche Anforderungen muss eine Ganztagsschule der Sekundarstufe I erfüllen, damit sie mehr als eine nachmittägliche Betreuung leistet? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, etwa hinsichtlich der Räumlichkeiten und der Personalausstattung? Woran hapert es bei der Umsetzung in Hessen? Was sind die Konsequenzen für die Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals? Diese und weitere Fragstellungen sollen gemeinsam bearbeitet werden.
Roman George, GEW Hessen
Christoph Meyer, Paul-Hindemith-Schule Frankfurt

AG2 Alle bis 14.30 Uhr: Ganztagsgrundschule an der Schloss-Schule in Weiterstadt-Gräfenhausen

Von Beginn an bis ins aktuelle 4. Jahr zeigt sich bei Lehrkräften, Eltern und Schüler*innen eine hohe Zufriedenheit mit einer Grundschule, die täglich bis 14:30 Uhr verbindlich für alle ist. Im rhythmisierten Tag gibt es zusätzliche Lernzeiten – traditionelle Hausaufgaben werden nicht gestellt. Die Ressourcen kommen vom Kultusministerium, vom Landkreis und der Stadt Weiterstadt. Wir meinen: So könnte und sollte es in allen Grundschulen gehen – und es ist auch für weiterführende Schulen machbar.
Gerhard Kraft, Schulleiter der Schloss-Schule Gräfenhausen

AG3 Der Pakt für den Nachmittag: Innovation oder Sparmodell?

Ist der Pakt für den Nachmittag eine Innovation, um für Bildungsgerechtigkeit zu sorgen? Oder ist der Pakt für den Nachmittag ein Sparmodell, in dem Kinder nur „aufbewahrt“ werden? Was bietet der Pakt? Echte Chance auf Ganztagsschule oder „Billiglösung“? Diesen Fragen wollen wir im Workshop anhand von Praxisbeispielen nachgehen.
Laura Preusker, Grundschule Rebstock Frankfurt

AG4 Schulsozialarbeit im Ganztag

Schulsozialarbeit hat sich aus den Anfängen Mitte der 60er Jahren zu einem bedeutenden Berufsfeld der Jugendhilfe entwickelt. Der bestehende enge Zusammenhang zwischen sozio-ökonomischer Lage und Bildungserfolg, der für das deutsche Bildungssystem festgestellt wird, verdeutlicht, welch wichtige Rolle der Schulsozialarbeit zukommt. Im Rahmen des Workshops sollen deren Potentiale im Umfeld einer Ganztagsschule aus wissenschaftlicher wie aus praktischer Perspektive erarbeitet werden.
Prof. em. Dr. Wilma Aden-Grossmann, Kassel & Alexander Klett, Paul-Hindemith-Schule Frankfurt


SCHWERPUNKT: INKLUSION

AG5 Vom gemeinsamen Unterricht zu inklusiven Schulbündnissen

In der AG wird die Entwicklung der Integration behinderter Kinder in Hessens Schulen seit den 80er Jahren nachgezeichnet und eine Einschätzung der aktuellen schulpolitischen Entwicklung vorgenommen, insbesondere vor dem Hintergrund der Novellierung des Schulgesetzes und der Verordnung zur sonderpädagogischen Förderung sowie der Schaffung „inklusiver Schulbündnisse“. Dabei sollen die Erfahrungen der Teilnehmer*innen einbezogen und diskutiert werden.
Harald Freiling, Redakteur der HLZ
Johannes Batton, Fachgruppe Sonderpädagogik GEW Hessen

AG6 Inklusiver Unterricht in der Sekundarstufe I: Lernhilfeschüler*innen auf dem Weg zum Berufs-
orientierten Abschluss

Seit dreieinhalb Jahren werden Lernhilfeschüler*innen an der Carl-von-Weinberg Schule in Frankfurt inklusiv unterrichtet. Der Kurzvortrag beginnt mit einem kurzen Überblick über die Inklusion an dieser Schule: Wie sind wir mit Lehrerstunden versorgt? Wie viele „Inklusionsschüler*innen“ beschulen wir? Wie arbeiten wir? Anschließend wird unser Berufsorientierungskonzept vorgestellt. Zum Schluss gibt es eine Zusammenfassung, was gut funktioniert und wo es noch Entwicklungsbedarf gibt.
Ute Fromm, Carl-von-Weinberg Schule Frankfurt
Andrea Seßner, Gesamtschule am Rosenberg Hofheim

AG7 Anforderungen an die Lehrer*innenbildung für die inklusive Schule

Wie werden Studierende in Schulpraktika auf die inklusive Schule vorbereitet? Was muss sich im Vorbereitungsdienst und in der Lehrkräftefortbildung verändern? In der AG soll – idealerweise mit inklusionserfahrenen Lehrer*innen, Studierenden und in Schulpraktika tätigen Mentor*innen – der Frage nachgegangen werden, welche theoretischen Kenntnisse Studierende in Schulpraktika einbringen und welche Voraussetzungen aus Sicht der Praktikumsschulen erfüllt sein müssen, damit Praxisphasen in inklusiven Zusammenhängen für alle Beteiligten zu einer bereichernden Erfahrung werden. Im zweiten Schwerpunkt sollen die bisherigen Veränderungen und Angebote in der 2. und 3. Phase dargestellt und gemeinsame Vorstellungen und Anforderungen diskutiert werden.Andrea Gergen und Heike Lühmann, Referat Aus- und Fortbildung GEW Hessen

AG8 Teilhabeassistenz in der Praxis: Chancen, Probleme und Perspektiven

Mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Anzahl der Teilhabeassistent*innen an hessischen Schulen spürbar zugenommen. Teilhabeassistenz ist nach SGB XII Sozialhilfe im Sinne der Hilfe zur Teilhabe zum Ausgleich von Behinderung, die Schüler*innen mit Beeinträchtigungen im Schulalltag unterstützen soll. Im Workshop wollen wir uns mit den Aufgaben und der Rolle der Teilhabeassistenz nach SGB VII befassen. Die Fragen nach den Konsequenzen für die Kollegien und nach erforderlichen Ressourcen und Qualifikationen werden ebenfalls thematisiert.
Moni Frobel, Referat Sozialpädagogik GEW Hessen
Anja Golder, GEW Frankfurt


SCHWERPUNKT: ZUGEWANDERTE KINDER UND JUGENDLICHE IN DER SCHULE

AG9 Wege in den Beruf, so kann es gehen!

Seit Jahrzehnten arbeiten Berufsbildende Schulen am Übergang Schule in Ausbildung oder Studium mit Zugewanderten und haben dabei berufspädagogisch orientierte Konzepte der Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt und des Spracherwerbs erarbeitet und weiterentwickelt. Zumeist mit gutem Erfolg, der aber immer auch von mangelnden Rahmenbedingungen eingeschränkt wurde. In der AG diskutieren wir die notwendigen Rahmenbedingungen für die Beschulung von Zugewanderten und die Erfolg versprechenden berufspädagogisch orientierten Konzepte.
Ralf Becker, Fachgruppe Berufliche Schule GEW Hessen

AG1 0 Aufenthaltsrecht: Konsequenzen für den Schulbesuch

Im Rahmen der Arbeitsgruppe sollen die Grundzüge des deutschen Asyl- und Aufenthaltsrechts vorgestellt werden. Dabei geht es insbesondere um die Frage, welche Auswirkungen der Aufenthaltsstatus auf die Möglichkeiten zur

Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit einem Flucht- oder anderen Migrationshintergrund hat. Auch bestehende Möglichkeiten, Bleibeperspektiven zu schaffen sollen thematisiert werden.
Timmo Scherenberg, Hessischer Flüchtlingsrat

AG11 Umgang mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Prägungen im schulischen Alltag

Die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migra-
tionsgeschichte erfordert mehr als nur den erfolgreichen Spracherwerb. Für erfolgreiche Bildungsprozesse und für die soziale Integration ist es unerlässlich, dass die unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründe in der alltäglichen pädagogischen Arbeit berücksichtigt werden. Dazu benötigen die Lehrkräfte interkulturelle Kompetenz, die Schulen müssen sich konzeptionell den damit zusammenhängenden Herausforderungen stellen.
Enis Gülegen, Landesausländerbeirat

AG12 Schnell Deutsch lernen und fertig?

Wir wollen uns darüber austauschen, unter welchen Bedingungen momentan an hessischen Schulen Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Nach einer kurzen Analyse der Entwicklung und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Erlass wollen wir kreative Ideen und konstruktive Vorschläge sammeln, wie es für Seiteneinsteiger*innen, besonders nachdem sie dem Status „NDHS“ (nichtdeutsche Herkunftssprache) verloren haben, weitergehen kann.
Ines Mooshage, Carl-Schomburg-Schule Kassel
Cristina Javier, Paul-Hindemith-Schule Frankfurt

AG13 Lesen und Verstehen in DaZ-Klassen und -kursen anregen, fördern und begleiten

Auf der Grundlage des ganzheitlichen und systematischen Leseförderkonzepts der „Meisterlehre vom Lesen“ (Reading Apprenticeship) stelle ich praxiserprobte Verfahren und Methoden für eine gelingende Unterstützung des Sprachlern- und Verstehens-Prozesses der Schüler*innen in Intensivkursen oder -klassen in der Sekundarstufe I vor. Dazu gehören, neben einem anregenden und vielseitigen Textangebot, gut strukturierte und anforderungsreiche Leseübungen und -aufgaben. Kleine literarische Formen (Reime, Rap-Texte) und mehrsprachige und interkulturelle Textangebote kommen hinzu.
Angelika Schmitt-Rößer, Wilhelm-Leuschner-Schule Niestetal


SCHWERPUNKT: WEGE ZU EINER SCHULE FÜR ALLE

AG14 Binnendifferenzierung in heterogenen Lerngruppen

In diesem Workshop soll zunächst ein kurzer Einblick in das Konzept der Offenen Schule Waldau, mit dem Fokus auf Binnendifferenzierung, gegeben werden. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit, in Kleingruppen schwerpunktmäßig für das Fach Deutsch und den Lernbereich Gesellschaftslehre anhand von ausgewähltem Unterrichtsmaterial differenzierende Sozialformen und Methoden für den Unterricht zu erarbeiten.
Lisa-Marie Kaun, Offene Schule Waldau

AG15 Welchen Beitrag können Oberstufenschulen auf dem Weg zu einer Schule für alle leisten?

In einem Impulsreferat berichten die Referenten zunächst von ihren Erfahrungen an einem Oberstufengymnasium mit den heterogenen Bildungsbedürfnissen einer multikulturellen Schüler*innenschaft aus verschiedenen Schulformen. Vor diesem Hintergrund skizzieren sie den Bildungsauftrag eines Oberstufengymnasiums und nehmen dabei auch die Frage in den Blick, inwieweit dieser unter den aktuellen bildungspolitischen Vorgaben und Arbeitsbedingungen eingelöst werden kann. Nach einem Austausch zu diesen Themen soll anschließend eine Vision entwickelt werden, wie eine Oberstufe für eine Schule für Alle aussehen sollte.
Harald Stripp und Dirk Kretschmer, Max-Beckmann-Schule Frankfurt

AG16 Gesamtschulen in Hessen: Modell mit Zukunft?

„Eine Schule für alle“ ist eine Kernforderung der GEW. Nur – wo bleibt die Realisation? Seit 10 Jahren gibt es einen Trend weg vom ausdifferenzierten drei- oder – mit Förderschulen – sogar viergliedrigen Schulwesen. Weil die gymnasiale Bastion unerschütterlich scheint, besteht die Gefahr, dass Gesamtschulen zu „Restschulen“ verkommen. Gibt es positive Beispiele aus anderen Bundesländern (Bremen, Berlin, Hamburg)? Diese Erfahrungen wollen wir mit der hessischen Situation vergleichen und diskutieren, ob der Weg in ein zweigliedriges System ein Schritt hin zur „Einen Schule für alle“ ist oder eher ein Holzweg.
Christoph Baumann, Referat Schule und Bildung GEW Hessen
René Scheppler, Fachgruppe Gesamtschulen GEW Hessen

AG17 Der Raum als 3. Pädagoge

Ein skandinavischer Spruch sagt: „Ein Kind hat drei Lehrer. Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum“. In der AG wollen wir entschlüsseln, was mit dem 3. Pädagogen inhaltlich gemeint ist. Neben Erkenntnissen darüber, welche Bedeutung der Raum innen und außen für gelingendes individualisierendes und soziales Lernen darstellt geht es insbesondere darum, praktische Handlungsmöglichkeiten für Schulsanierung und Schulneubau zu entwickeln.
Dieter Staudt, Fachgruppe Berufliche Schule GEW Hessen